Montag, 27. Juni 2022
Dienstag, 15. März 2022

Das "Torgisch Geläut" und seine Schwestern

Foto: HAGEN ENGELMANN?

von unserer Redakteurin Bärbel Schumann

Schneeglöckchen ist nicht gleich Schneeglöckchen. Das wissen alle, die schon einmal im Döbrichauer Schneeglöckchengarten waren oder im Torgauer Glacis die zierlichen Schönheiten besuchte.

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Schneeglöckchen ist nicht gleich Schneeglöckchen. zu dieser Erkenntnis kommt fast jeder, der einmal den Döbrichauer Schneeglöckchengarten von Dr. Harald Alex besucht hat. Mir jedenfalls ging es so. Im Frühjahr regte es an, Augen offen zu halten. Ein sehenswerter Ort: Das Glacis mit seinen Schneeglöckchenwiesen, die es so nicht oft in Deutschland gibt. Und mit der Taufe einer Schneeglöckchenneuzüchtung auf den Namen „Torgisch Geläut“ wird die Elbestadt nun in der Pflanzenwelt präsent sein. Auf der 3. Frühblüherausstellung des Fördervereins der 9. Sächsischen Landesgartenschau  stellte Züchter Hagen Engelmann aus Cottbus sie vor. Die Neue ist in Frühaufsteher. Bereits vor einigen Wochen zeigten sich die Blüten bei den insgesamt zwei Dutzend Zwiebeln in Engelmanns Gewächshaus. Zwiebeln, die ihren Ursprung bei einem Schneeglöckchen haben, dessen Sorte in der Ukraine ihren Ursprung hat. 

„Vor vier Jahren sind mir die ersten Blüten davon wegen ihrer besonderen Zeichnung aufgefallen“, blickt der Züchter zurück. Die hat sich seitdem stabil gezeigt. Bekannt sind ihm die Namen der Mutterpflanzen. Von welchem Vater die Pollen stammen, das könne er nicht genau sagen.  Besonders markant bei der Neuzüchtung sei das durchgängige gelbe Häubchen und dann der Klöppel mit seiner schönen Form. Der Schneeglöckchenexperte zeigte sich begeistert vom Namen, den die Neuzüchtung erhielt. „Torgisch Geläut – das ist ein gelungener Name.  Als wir uns dafür entschieden haben, war in der Ukraine noch kein Krieg“, erklärt er. Hinter „Torgisch Geläut verbirgt sich eine Friedensbotschaft. Denn ungefähr seit dem Ende des 30-jährigen Krieges läuten täglich 12 und 18 Uhr alle drei Torgauer Kirchenglocken für den Frieden. Hinzu kommt noch, dass mit der Begegnung an der Elbe 1945 das Ende des II. Weltkrieges eingeleitet wurde. 

Ortswechsel nach Döbrichau. An einer Mauer haben Schneeglöckchen einen Platz gefunden. Ein Schild macht darauf aufmerksam, dass die Blumen seit 1949 an dieser Stelle ihren Platz im Garten der Familie Alex haben. „Hier hat mein Vater begonnen, den Garten für meine Mutter anzulegen“, erklärt Dr. Harald Alex. Genau diese Schneeglöckchen waren es, die es ihm angetan hatten und Ehrgeiz weckten, sich immer mehr diesem Zwiebelgewächs anzunehmen. Seit Alex im Ruhestand ist, hat er seinen Schneeglöckchengarten in Döbrichau immer weiter ausgebaut.

Längst sind nicht alle Ideen umgesetzt. „Ich bin dabei, Bereiche nach Ländern mit den dort natürlichen Gegebenheiten anzulegen“, erklärt er. Zuvor wurde an einem Rondell Halt gemacht, wo derzeit 25 verschiedene Sorten aus England wachsen.  Einige sind schon verblüht. Und so kann man auch erklären, dass für Schneeglöckchenliebhaber nicht erst Frühling ist, wenn es der Kalender anzeigt. „Wenn die Sorte „Three Ships“ zu blühen beginnt, dann ist für die Engländer und für die Schneeglöckchenfreunde Frühling“, so Alex. 

Die Briten haben eine besondere Liebe zu Schneeglöckchen entwickelt. „Snowdrops“ heißen sie dort. „Let’s go snowdropping“, rufen die wahren Enthusiasten, wenn sie alljährlich ab Februar auf Schneeglöckchen-Safari gehen. Das perfekte Schneeglöckchen besitzt einen pokuliformen Blütenbau: Die inneren Blütenblätter sind genauso geformt wie die äußeren. Die Sorte E. A. Bowles etwa hat sechs gleich große, schneeweiße Blütenblätter. Je außergewöhnlicher die Färbung und der Blütenbau, desto höher der Preis. Deshalb werden unter Sammlern die „Schneetropfen“ nicht als Zwiebeln, sondern als blühende Pflanzen gehandelt. Mittlerweile hat die Galanthomanie auch Deutschland erreicht. Schneeglöckchen verblüffen uns jedes Jahr, wie sie die oft noch vorhandene Schneedecke durchbrechen. So produziert das kleine Zwiebelgewächs Wärme mit Hilfe des einsetzenden Stoffwechsels, der Umwandlung von Stärke zu Zucker. Dabei entwickeln die zarten Vorfrühlingsblüher eine Biowärme von etwa acht bis zehn Grad Celsius. Die lässt den Schnee um Stängel und Blätter schmelzen und sorgt gleichzeitig für die nötigen Wassergaben an den trockenheitsempfindlichen Zwiebelchen. 

Es ist schon erstaunlich zu sehen, so Alex, wie die Schneeglöckchen nach Nachtfrösten wie erfroren daliegen, aber mit den folgenden Sonnenstrahlen schnell wieder aufstehen. 

Begehrt sind Schneeglöckchen der Varianten mit Gelbfärbung, wie etwa Primrose Warburg. Der rundliche Fruchtknoten über der Blüte ist hier ebenso sattgelb wie die Blütenzeichnung.  Nicht alle Schneeglöckchen zeigen ihre Pracht im Frühjahr. Einige blühen bereits im Herbst. Zu ihnen gehört das Griechische Schneeglöckchen Königin-Olga. Sie entwickelt im Herbst schon Blütenstengel, während die Blätter später wachsen.

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