Donnerstag, 30. Juni 2022
Dienstag, 15. März 2022

"Die neue Ausstellung befasst sich mit der NS-Geschichte"

Dr. Markus PieperFoto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Torgau. Dr. Markus Pieper, neuer Geschäftsführer der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, spricht im TZ-Interview über Pläne für das DIZ in Torgau.

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Die 100-Tage-Marke hat Dr. Markus Pieper als neuer Geschäftsführer der Stiftung Sächsische Gedenkstätten längst hinter sich gebracht. In dieser Zeit weilte er bereits zwei Mal in Torgau. Der Torgauer Zeitung bot sich dabei die Möglichkeit, mit Pieper ins Gespräch zu kommen.

Dr. Pieper, warum gleich zwei Torgau-Besuche so kurz hintereinander?

Mein Bestreben war es, alle Stiftungsstandorte zu Beginn meiner Amtszeit persönlich aufzusuchen, um hier mit den Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen. Diesen Charakter trug mein erster Besuch am 13. September im Dokumentations- und Informationszentrum Torgau. Der zweite Besuch resultierte aus dem Gedenken an die Opfer der Wehrmachtjustiz am Fort Zinna gemeinsam mit unserer Stiftungsratsvorsitzenden, Frau Staatsministerin Klepsch. Ich freue mich, dass ich bei dieser Gelegenheit  auch die Torgauer Oberbürgermeisterin Romina Barth kennenlernen konnte.

Mit Blick auf die Internetpräsenz des DIZ Torgau fällt auf, dass dem Hinweis auf die Leitung der Einrichtung der Name Wolfgang Oleschinski fehlt. Stattdessen ist dort seit kurzer Zeit ein N.N. zu lesen. Warum?

Herr Oleschinski wurde zu Jahresbeginn in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Nun muss die Stelle so schnell es geht neu besetzt werden – auch vor dem Hintergrund, dass das DIZ Torgau intensiv an der neuen Dauerausstellung arbeitet ...

... die wann eröffnet wird?

Es wird im kommenden Jahr so weit sein. Seit zwei Jahren wird an der Konzeption gearbeitet. Doch Preisanstiege und vor allem Corona haben zuletzt mächtig gebremst. So war beispielsweise die wissenschaftliche Arbeit in Archiven und Bibliotheken stark eingeschränkt. Für die Ausstellung ist dies natürlich ein großes Problem. Ebenso war es auf Grund von Corona-Regeln schwer möglich, Gespräche mit Zeitzeugen und deren Familienangehörigen zu führen. Jene Interviews sollten eigentlich schon im Jahre 2021 fertig sein.

Welchen Eindruck haben Sie insgesamt vom DIZ in Torgau?

Ich weiß, dass das Konzept für die neue Ausstellung bei unserer Bildungsreferentin Elisabeth Kohlhaas in professionellen Händen liegt. Gut eine Million Euro wird die Ausstellung samt der Umgestaltung der Räume letztlich kosten. Folge wird natürlich auch ein neues Selbstverständnis des DIZ sein. Die neue Dauerausstellung befasst sich stärker als vorher mit der NS-Geschichte und mit der Rolle der NS-Militärjustiz im Zweiten Weltkrieg, beispielsweise bei der Zerschlagung von Widerstandsgruppen. Damit beginnt hier eine andere Zeitrechnung. Zugleich werden selbstverständlich weiterhin die Verfolgungskontexte der Torgauer Speziallager und des DDR-Strafvollzuges dargestellt und vermittelt.

Wie wird dieses neue Selbstverständnis aussehen?

Das DIZ Torgau erneuert sich mit seiner neuen Dauerausstellung insgesamt. Das betrifft nicht nur die zeitgemäße Präsentation der Ausstellung, sondern vor allem auch die Inhalte, zum Beispiel die Auseinandersetzung mit den NS-Tätern. Stärker als bisher wollen wir zudem verdeutlichen, welchen Beitrag das DIZ Torgau für die Gegenwart leisten kann, so vor allem für die Wahrnehmung von Gefährdungen für unsere Demokratie, von Diskriminierung und Rassismus in unserer Gesellschaft. Mit einer erneuerten Bildungsarbeit wollen wir auch neue Zielgruppen ansprechen.

Trifft jenes neue Selbstverständnis unter Ihrer Führung auch insgesamt auf die Stiftung zu?

Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, die Stiftung weiterzuentwickeln. Dazu zählt, dass wir unsere Standorte untereinander stärker vernetzen werden. Wir müssen von dem Wissen jedes einzelnen Mitarbeiters profitieren, um nicht betriebsblind zu werden. Wir müssen aber auch deutschlandweit mit anderen Gedenkstätten und Schulen enger zusammenarbeiten. So soll es in diesem Jahr bereits ein erstes Vernetzungstreffen geben, auf dem Vertreter der Stiftung mit Vereinen, Initiativen und Museen Möglichkeiten einer Zusammenarbeit ausloten werden. All das wird dazu beitragen, dass die Stiftung nicht im eigenen Saft schmort. Auch eine intensivere Zusammenarbeit mit den an Sachsen grenzenden Nachbarländern Tschechien und Polen halte ich für zielführend, um unsere Aufarbeitungskultur mindestens einen Schritt nach vorne zu bringen.

Sie selbst haben osteuropäische Geschichte studiert. Inwiefern kommt Ihnen dies nun beim Netzwerken entgegen?

Ich habe die Auseinandersetzung mit anderen Denkweisen als sehr fruchtbar erlebt. Man muss dabei nicht alle in Osteuropa geführten Debatten gut finden, aber allein ein Perspektivwechsel trägt viel zum gegenseitigen Verständnis bei.

Sie haben ebenso angekündigt, den Service-Charakter der Stiftung zu schärfen. Was hat es damit auf sich?

Die Stiftung Sächsische Gedenkstätten hat sich bislang viel zu sehr als Verwalter der Gedenkstätten in eigener Trägerschaft verstanden. Ich möchte unser Haus dahingehend weiterentwickeln, dass es darüber hinaus sachsenweit eine Art Anlaufstelle für die Gedenkstättenarbeit wird. Von hier aus muss es eine Vielzahl von Informationen geben, die beispielsweise auch Hinweise für Förderangebote umfassen.

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