Samstag, 13. August 2022
Freitag, 1. April 2022

Dankbar über Einladung in die Belgeraner Fährdiele

Andrée Mickan hieß mit gelbem Shirt und blauer Jeans die Flüchtlinge und ehrenamtlichen Helfer in der Fährdiele willkommen. Auch die Tischdeko war dezent in den Farben der Ukraine dekoriert. (Christian Wendt)

von Christian Wendt

Belgern. Andrée Mickan und dessen Ehefrau Denise luden ukrainische Kriegsflüchtlinge in ihre Belgeraner Fährdiele zu einem freundschaftlichen Abendessen à la carte.

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Belgern Während in Torgau ukrainische Kriegsflüchtlinge am Donnerstagmittag mit einer Kaffeerunde in der Rösterei Arabica begrüßt wurden, öffneten Andrée Mickan und dessen Ehefrau Denise ihre Belgeraner Fährdiele ein paar Stunden später zu einem freundschaftlichen Abendessen à la carte. "Der Winter verlief für uns wegen der Corona-Einschränkungen und noch dazu der eingestellten Fährverbindung sehr schlecht", sagt Andrée Mickan. Dennoch gebe es in diesen Tagen viele Menschen, denen es weitaus schlechter gehe. Seine Frau und er hätten deswegen nicht lange überlegt, um eine Einladung an jene Frauen und Kinder auszusprechen, die seit dem 11. März im Klosterhof eine sichere Zuflucht haben.

Die knapp 20 Ukrainer wurden dabei von Pfarrer Robert Neuwirt und weiteren Ehrenamtlichen begleitet, darunter auch von Belgern-Schildaus Ex-Bürgermeisterin Eike Petzold. Auch sie engagiert sich in einem weit verzweigten Helferkreis. Unter anderen gibt Petzold Hilfestellung bei Behördengängen.

In der Runde der ehrenamtlichen Helfer mit dabei war auch eine Russin: Im Jahre 2017 zog es Anna Karelina aus Sibirien nach Deutschland. Hier ist sie mittlerweile Lehrerin an der Evangelischen Oberschule Belgern-Schildau. "Es ist einfach nur bescheuert, was in der Ukraine los ist. Mir fehlen da die Worte", sagt sie. Um so mehr Worte gingen ihr über die Lippen, als sie die deutsche Begrüßung Andrée Mickans für die Gäste übersetzte. "Ich helfe wo ich kann", sagt Karelina, die zuletzt auch einen Workshop zum Thema Mülltrennung leitete.

Die ukrainischen Frauen und Kinder im Alter zwischen 2,5 und 36 Jahren kommen allesamt aus Bila Zerkwa, 80 Kilometer südwestlich von Kiew gelegen. Die Stadt mit ihrer prächtige Gartenanlage namens Oleksandrija zählte vor dem Krieg 200000 Einwohner. Ihr Name bedeutet übersetzt "Weiße Kirche". Täglich tauschen die Kriegsflüchtlinge mit ihren in der Ukraine gebliebenen Angehörigen über ihre Telefone Nachrichten aus. Zuhause sei alles sehr schwierig, versucht eine junge Ukrainerin im Gespräch mit der Torgauer Zeitung etwas zu beschreiben, das sie schon im nächsten Augenblick verstummen lässt. Alle wollen gerne wieder nach Hause. Ob und wann dies möglich sein wird, weiß derzeit keiner. Ebenso ist noch nicht abzusehen, wann sie ihre Notunterkunft im Klosterhof verlassen können.

Robert Neuwirt ist froh, dass sich die Frauen und Kinder nach einer kurzen Eingewöhnungsphase eingelebt haben. "Es läuft sehr gut", sagt der Pfarrer, der bis vor kurzem noch mit seinen beiden Katzen allein in dem großen Objekt wohnte. Jetzt ist er sozusagen Herbergsvater. Als dieser hält er auch stets Kontakt zur Stadtverwaltung. Auch dies laufe sehr gut, lobt er. Allein von den im Klosterhof untergebrachten ukrainischen Kindern besuchen vier die Kindertagesstätte Rolandspatzen, eines die örtliche Grundschule und fünf die Evangelische Oberschule. In letzterer haben sich nach Angabe von Lehrerin Anna Karelina längst Patenschaften gebildet. Im Unterricht selbst gebe es von Lehrern und Schülern vielfach Hilfestellung für die jungen Gäste aus der Ukraine. Die Schüler-Patenschaften reichten sogar so weit, dass nach Schulschluss gemeinsam im Klosterhof Hausaufgaben gemacht würden.

Für die Kinder endete der Abend in der Belgeraner Fährdiele mit einer Extra-Portion Eis, für ihre Mütter mit einem dankbaren Lächeln.

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