Mittwoch, 25. Mai 2022
Dienstag, 3. Mai 2022

Von Nordsachsen auf die renommiertesten Bühnen der Welt

An der Musikscheune Melpitz wird die Oper „Im weißen Rössl“ aufgeführt. (Foto: Andreas Birkigt)

von Marie-Luise Dreßen

Die Musikscheune Melpitz bringt seit 25 Jahren Hochkultur in die Provinz. Gegründet hat sie Opernsängerin Elvira Dreßen. Nach Melpitz holt sie die Stars, aber auch junge Talente.

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Melpitz Ein kulturelles Kleinod in der nordsächsischen Provinz lässt sich in dem beschaulichen Dorf Melpitz finden. Seit 25 Jahren öffnen sich regelmäßig die Pforten der Musikscheune Melpitz, um ein kulturinteressiertes Publikum mit hochkarätigen Veranstaltungen zu begeistern.

"Als wir uns entschieden, von Berlin aufs Land zu ziehen, war unser Plan, Ruhe und Erholung inmitten von Natur zu finden", erinnert sich die Opernsängerin und Gründerin des Vereins Musikscheune Melpitz, Professor Elvira Dreßen. "Dass wir eine regelmäßige Veranstaltungsreihe ins Leben rufen würden, die über ein viertel Jahrhundert so erfolgreich sein würde, hätten wir anfangs nie gedacht."

Musikstudenten in Melpitz

Elvira Dreßen und ihr Mann Dieter waren beide viele Jahre an der Staatsoper Berlin engagiert. Nach dem Umzug nach Melpitz wollten die beiden nicht von der Hochkultur lassen und natürlich blieb auch der enge Kontakt zu befreundeten Künstlern bestehen. Der jetzige Raum der Musikscheune, der bis zu 99 Zuschauer fasst und in dem schon große Orchester Platz fanden, blieb nach dem Umbau der alten Melpitzer Scheune zum Wohnhaus für Familie Dreßen quasi übrig und es gab kein wirkliches Nutzungskonzept. Doch das sollte sich ab dem Frühjahr 1997 Schritt für Schritt ändern.

"Neben meiner freiberuflichen Tätigkeit als Sängerin unterrichtete ich schon damals an der Leipziger Musikhochschule einige Studenten, die ich auf ihre Gesangsprüfungen vorbereitete", erzählt Elvira Dreßen. "Für die jungen Künstler war es wichtig, vor der offiziellen Prüfung ihr Programm, quasi als Generalprobe, einem kleinen Publikum zu präsentieren. Also kam ich auf die Idee, die Studentinnen und Studenten zu uns nach Melpitz einzuladen, wo wir einen kleinen Flügel und viel Platz hatten. Ich schrieb ein paar Einladungen an die Bewohner des Dorfes und Bekannte und Freunde aus Torgau und Leipzig. Viel erhoffte ich mir nicht, aber der Zuspruch war gewaltig. Die Menschen strömten in die Scheune - von überall mussten Stühle organisiert werden. Es war ein großer Erfolg."

Elvira Dreßen ist immer noch ganz begeistert, wenn sie sich an die Anfänge der Musikscheune erinnert. "Ich vermutete, dass es sich bei dem ersten Konzert um eine Art Zufallserfolg handelte und dachte, dass viele Gäste vielleicht nur aus Neugier die Scheune besucht haben. Also machten wir nur wenige Wochen später ein zweites Konzert. Ein reines Schubert- Programm. Ich hatte mich geirrt - es war wieder total voll."

Unter den Zuhörern befand sich auch der Notar Uwe Hoffman. Er gab den entscheidenden Anstoß dazu, einen Verein zu gründen, der es möglich machen würde, regelmäßig Konzerte in Melpitz zu veranstalten. Gemeinsam mit elf weiteren Kulturbegeisterten aus dem Umland sowie der Familie Dreßen wurde noch am Tag des zweiten Konzertes der Verein Musikscheune Melpitz gegründet. Das Kulturamt des Landratsamtes und die Kulturraumförderung des Leipziger Raumes, die Sparkasse und die Stadt Torgau offerierten Unterstützung und somit war der Grundstein gelegt für die erfolgreiche Geschichte der Musikscheune.

Durch die hervorragenden Kontakte von Familie Dreßen fanden berühmte Größen der Kulturszene ihren Weg auf die Melpitzer Bühne und viele beeindruckende Konzerte bleiben dem Publikum sicher für immer im Gedächtnis. Zu den Stammgästen zählen viele Mitglieder des Gewandhausorchesters, des MDR Orchesters und der Berliner Philharmoniker. Das Leipziger Sinfonieorchester wusste ebenso schon oft zu begeistern wie die Leipziger Bläserphilharmonie. Namen wie Theo Adam, Gerlinde Kempendorff, Angelika Mann, Otto Mellis, Rainer Süß, Brigitte Eisenfeld, Dieter Mann und Mathieu Carriere waren auf den Besetzungszetteln der Scheune zu finden.

Dorfbewohner wirken mit

Besonders beliebt waren die Opern und Operetten, die viele Jahre im Sommer im Garten der Musikscheune in großer Besetzung und vor großem Publikum stattfanden. Die "Fledermaus", "Die Czardasfürstin", "Der Vetter aus Dingsda", "Das weiße Rössl" und "Der Zigeunerbaron", "Cosi fan tutte", "Hänsel und Gretel" oder "La Cenerentola" und das Auftragswerk "Daphne" sind nur einige der zahlreichen Stücke, die in Melpitz mit Chor und Orchester zur Aufführung kamen. "Bei den Sommerproduktionen wirkten oft Melpitzer mit und wir wurden auch generell über die Jahre immer sehr von den Einwohnern unseres Dorfes unterstützt. Keiner warf den Rasenmäher an, während bei uns eine Gartenserenade stattfand, viele Melpitzer und Melpitzerinnen gehören zu unseren Stammgästen und wir fühlen uns im Ort sehr willkommen und angenommen", freut sich Elvira Dreßen.

Das Theater nach Hause geholt

Um die aufwendigen Operettenproduktionen möglich machen zu können, investierte Elvira Dreßen viel Zeit und Aufwand. Jeden Sommer beherbergte und verköstigte sie zahlreiche Musikerinnen und Musiker, den Chor und die Solisten und wirkte auch immer selbst bei den Aufführungen mit. "Ich liebe es, mir das Theater nach Hause zu holen. Der Geruch von Theaterkostümen und Schminke, das Licht der Scheinwerfer und der Klang des Orchesters waren so viele Jahre Heimat für mich - da war es fantastisch, hier in Melpitz einen Ort gefunden zu haben, wo ich selbst Theater veranstalten kann", sagt Elvira Dreßen. "Aber auch mein Tag hat nur 24 Stunden. Und mit der Gründung der Sängerakademie und dem damit verbundenen Aufwand war es mir nicht mehr möglich, große Opernproduktionen in Melpitz zu stemmen." Trotzdem muss das Publikum nicht auf Theaterflair verzichten. "Eine tolle Kooperation hat sich mit dem Theater Chemnitz entwickelt, deren Produktionen für die Studiobühne wir in Melpitz eins zu eins übernehmen können."

Für die Jubiläums-Spielzeit plant Elvira Dreßen neben altbewährten Traditionskonzerten wie den Studentenkonzerten der Sänger- und Pianisten der Leipziger Musikhochschule auch einige andere Höhepunkte. Das Salonorchester Cappucino, das bereits mehrmals in der Scheune auftrat, auch im Gründungsjahr 1997, lädt im Herbst zum Operettenkonzert, es wird eine Gartenserenade im Sommer geben und unter dem Titel "Heute Oper" werden die Sängerinnen Karola Sophia Schmid, Marie-Luise Dreßen und der Schauspieler Ben Knoop im September einige der größten Hits der Opernwelt zu Gehör bringen. "Das ist das Besondere an unseren Konzerten. Neben etablierten Stars der Szene kann man auch viele junge Talente erleben und Anteil an deren Karrierewegen nehmen. Einige der jungen Musikerinnen und Musiker, die vor vielen Jahren schon auf der Melpitzer Bühne aufgeregt ihr Examensprogramm vorgetragen haben, stehen nun auf den renommiertesten Bühnen der Welt. Leider kann ich noch nicht definitiv sagen, ob alles, was wir uns für die Festsaison vorgenommen haben, auch umsetzbar ist, denn es bleibt abzuwarten, wie sich die Pandemielage entwickelt. Aber wir konnten auch in den vergangenen schweren Jahren unter Einschränkungen und Auflagen viele Veranstaltungen möglich machen und ich bleibe optimistisch", verspricht die Musikscheunen-Chefin Elvira Dreßen.

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