Samstag, 28. Mai 2022
Freitag, 13. Mai 2022

Am restaurierten Prunkwappen fehlen nur noch Farbe und Gold

Restauratorin Christine Laubert arbeitet am Wappen von Schloss Hartenfels. In Kürze geht es an den ersten Farbauftrag. (Christian Wendt)

von Christian Wendt

Torgau. Die Restaurierung des Wappens über dem Haupteingang von Schloss Hartenfels biegt auf die Zielgerade ein. Nun fehlen nur noch Farbe und Gold.

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Torgau Den beiden ehemals kraftstrotzenden Löwen des Wappens am Haupteingang von Schloss Hartenfels geht es schon deutlich besser. Zwar noch immer ein wenig blass, haben die beiden Wächter die restauratorische Intensivstation verlassen. Für ihre Genesung arbeiten Christine Laubert und zuletzt auch Michael Huhn im Akkord.

Es war ein Albtraum, was hier unter dicken Farbschichten im vergangenen Jahr zum Vorschein kam. Schnell war klar, dass das Projekt Wappen nicht nur eine kosmetische Angelegenheit sein würde. Hier mussten deutlich schwerere Geschütze aufgefahren werden. Risse durchzogen das gesamte Ensemble - vor allem hervorgerufen durch rostende Verankerungen.

Das Ausmaß hat selbst Christine Laubert überrascht. Und die Dresdnerin hat in ihren 30 Berufsjahren schon viel gesehen. Die gesamte Statik des Wappens drohte aus den Angeln gehoben zu werden. Vor allem der rechten Wappen-Löwen mauserte sich wegen der Schäden an der Befestigung zu einem regelrechten Sorgen-Löwen.

Die recht kleine Baustelle am Haupteingang des Schlosses drohte tatsächlich zur Großbaustelle zu werden. Doch dieses Szenario konnte mit viel handwerklichem Geschick abgewendet werden. Mit Geduld und Erfahrung und mit noch mehr Verrenkungen wurde ein rostender Eisenträger aus dem Gefüge gemeißelt und durch eine neue Konstruktion ersetzt. Zuletzt sorgte Blechklempner Huhn von der Firma Osmann&Hempel noch dafür, dass eine passende Bleiabdeckung einen wiederholten Wassereintritt verhindert und somit die Steinsubstanz wieder deutlich besser als vorher geschützt ist.

Von der Brücke durch die am Gerüst befestigten Netze kaum zu erkennen signalisieren viele helle Stellen an dem Prachtwappen, wo Christine Laubert überall schon am Werkeln war. Ein regelrechter Fleckenteppich hat sich dort gebildet - ähnlich einem in die Jahre gekommenen Gebiss, in dem Plombe an Plombe die Funktionstüchtigkeit gewährleistet. Doch hier sind die Plomben beziehungsweise die Steinergänzungen bis zu 15 Kilogramm schwer. Von wegen Kunst braucht keine Muckis!

Ein regelrechter Flickenteppich überzieht das Wappen. Die hellen Stellen sind restauratorische Ergänzungen. (Christian Wendt)

Doch in den vergangenen Tagen näherte sich Christine Laubert weniger mit schwerem Gerät als vielmehr mit feinem Pinsel dem Prunkwappen, das längst seiner bröckelnden Farbschichten beraubt ist. Um dies zu ändern trug die Restauratorin bereits die erste Grundierungsschicht auf, der zwei weitere folgen. Erst danach geht es an die farbliche Gestaltung des Wappens. Und richtig: Auch diese beginnt erneut mit einer Grundierung. Diesmal aber einer gelblichen, um die spätere Farbbrillanz hervorzuheben und die Strahlkraft des Blattgolds zu erhöhen.

Mit der neuen Farbfassung werden inhaltliche Fehler früherer "Übermalungen" behoben. Farben und Maltechniken kommen zum Einsatz, die sich an denen der ursprünglichen Schöpfer des Prunkwappens orientieren und bereits bei der Restaurierung der Wappengalerie am Großen Wendelstein Verwendung fanden. Ziel ist, dass das Wappen wie zu Zeiten des Kurfürsten erstrahlt.

Allein von dem Blattgold benötigt Christine Laubert in den kommenden Wochen gleich mehrere Quadratmeter. Auf ihrer Bestellliste standen erst einmal 10 Quadratmeter. "Es ist immer schwer zu sagen, wie viel bei all den Feinheiten tatsächlich verwendet wird", sagt sie. Zur Anwendung kommt sogenanntes Sturmgold, was sich durch eine etwas mächtigere Stärke und somit Gewicht auszeichnet. Solch Sturmgold, das auf Papier aufgepresst ist und letztlich wie ein Rubbelbildchen aufgetragen wird, komme nach Angabe Lauberts im Außenbereich zur Anwendung, weil Wind das Auftragen von leichtem Blattgold stets zur Glückssache mache.

Läuft alles nach restauratorischem Plan brüllen beide Löwen über dem Haupteingang spätestens im August wieder um die Wette.

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