Samstag, 28. Mai 2022
Samstag, 14. Mai 2022

Diese Eindrücke haben junge Frauen aus Somalia von der Landesgartenschau in Torgau

Im Farbrausch: Saja (r.) und Fartun genießen den Bummel über das LAGA-Gelände. (Fotos: ) (Silke Kasten)

von Silke Kasten

In dem Land, aus dem Saja (24) und ihre Freundin Fartun (29) stammen, weiß man das satte Grün und die bunten Blumen ganz besonders zu schätzen. Sie kommen aus Somalia. Jetzt haben sie die Landesgartenschau in Torgau besucht. Das sind ihre Eindrücke.

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Torgau "Wow!" Der Anblick der Tulpen-Rhapsodie in Rot, Pink, Gelb und Weiß versetzt Saja in Begeisterung. Sie zückt ihr Handy, und wenig später sind TikTok und Snapchat um ein Video der Torgauer Blütenpracht reicher. In dem Land, aus dem Saja (24) und ihre Freundin Fartun (29) stammen, weiß man das satte Grün und die bunten Blumen ganz besonders zu schätzen. Sie kommen aus Somalia, einem Land, das nicht nur von Krieg, sondern immer wieder von Dürren geplagt wird - und wo Grünes nur sprießt, wenn endlich mal wieder der Regen fällt.

Immer wieder staunen die beiden beim Bummel über das Laga-Gelände. Zum Beispiel an der Mustergrabanlage. Grabsteine am Wegesrand - warum denn das? Wir erläutern, dass deutsche Gräber oft wie Mini-Vorgärten gestaltet sind und die Friedhofsgärtnerei ein Geschäftszweig ist. Und dass es Menschen gibt, die sich schon zu Lebzeiten für eine Grabgestaltung entscheiden. Einschließlich des Gedenksteins, auf dem sie vielleicht schon einen Namen mit Geburtsdatum eintragen lassen, nur das Todesdatum ist noch offen. Ein gruseliger Gedanken für die beiden - also schnell weiter.

Wir bummeln den Glacis entlang, im Schatten der großen, alten Laubbäume. Wie alt die wohl sind? Die beiden staunen, als wir auf etwa 100 Jahre tippen. In ihrem Heimatland haben die wenigsten Bäume die Chance, alt zu werden. Wassermangel, Hitze und die immerwährende Suche vieler Menschen nach Brennholz stehen einem langen Baumleben allzu oft im Weg.

Wir erreichen die "Elbebeach mit Bar", wo wir mit einem kühlen Getränk zufrieden in die Liegestühle sinken. Urlaubsfeeling inmitten feinen Sandes - und für die beiden ein wenig Erinnerung an die Heimat. Ob an den kleinen Palmbäumen, die überall in Kübeln das Flair ferner Gestade vermitteln, auch Datteln wachsen? Wohl nicht - und für uns Deutsche, die wir Datteln nur abgepackt im Supermarkt kaufen, kein nahe liegender Gedanke. Auch der helle Sand erinnert die beiden an ihre Herkunft in Ostafrika: "Bei uns sind nur die Straßen geteert. Die meisten Fußwege bestehen aus Erde und Sand."

Noch mehr Afrika entdecken die beiden im Streichelzoo "Torgauer Arche", wo Schafe, Ziegen und zwei Mini-Esel sich bereits eingelebt haben. "Als wir klein waren, mussten wir Ziegen hüten", erzählen Saja und Fartun. Manchmal in Begleitung von Erwachsenen, manchmal auch alleine. Vielen Nomadenfamilien sind nur die genügsamen Ziegen geblieben, da es aufgrund der Dürren immer schwerer wird, mit den Kamel- und Rinderherden zu überleben. Während viele deutsche Kinder Ziegen nur aus dem Bilderbuch oder dem Zoo kennen - in Somalia helfen sie, die Existenz ganzer Familien zu sichern. Und die Kinder sind Hüte-Experten, bevor sie lesen und schreiben lernen (sofern ihnen dies vergönnt ist).

Schließlich erreichen wir den Konzertplatz. Offenbar sind wir "Bummelletzte", denn alles hat bereits geschlossen. Die Rasta-bezopften Jungs aus dem Süden ("Bayrischer Reggae") haben längst eingepackt. Macht aber nichts, wir wollen den beiden sowieso noch die schöne Torgauer Altstadt zeigen.

Auch hier kommen die in Leipzig lebenden Somalierinnen aus dem Staunen kaum heraus: 500 Jahre alte Gebäude - noch älter als in Leipzig? Wir erzählen von dem Kurfürsten und seinem Hang zur Opulenz, der Zeit, als Deutschland einem Flickenteppich kleiner Reiche glich - die sich oft nicht leiden konnten, so wie die Clans in Somalia.

Oder von dem berühmten Handschlag zwischen Russen und Amerikanern an der Elbe. Erinnerung an einen verheerenden Krieg mit 60 Millionen Toten, der aber im April 1945 tatsächlich sein Ende fand. Eine faszinierende Vorstellung, wenn man aus einem Land kommt, in dem seit 31 Jahren Bürgerkrieg und Terror herrschen. Ein Handschlag, der tatsächlich die Epoche eines sehr lange währenden Friedens einläutete. Das ist tatsächlich etwas, das die beiden sich kaum vorstellen können.

Am Ende steht fest: Fartun und Saja wollen wiederkommen. Und wenn wir nicht so viel Zeit vertrödeln, schaffen wir es ja vielleicht beim nächsten Mal zu einem Konzert auf dem Festplatz.

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