Montag, 27. Juni 2022
Donnerstag, 2. Juni 2022

Die "alte Dame" hat so einige versteckte Problemzonen

Dietmar Heinrich, Vorsitzender des Heimatvereins, im Inneren der Beilroder Holländermühle. (Nico Wendt)

von Nico Wendt

An der Beilroder Holländermühle nagt kräftig der Zahn der Zeit. Das Wahrzeichen muss unbedingt erhalten bleiben. Warum das schwer fällt und weshalb sich der Chef des Heimatvereins auf Pfingstmontag freut.

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Beilrode Eine völlig herunter gekommene Mühle wieder aufzubauen, ist ein riesiger Kraftakt. Sie dauerhaft in Schuss zu halten, stellt aber mindestens eine genauso große Herausforderung dar. Davon kann Dietmar Heinrich ein Lied singen. Der Vorsitzende des Beilroder Heimatvereins unternimmt zusammen mit seinem Techniker Siegfried Petrat alle Anstrengungen, um das ostelbische Wahrzeichen zu erhalten wie es gerade ist: intakt und voll funktionsfähig.

Derzeit haben beide Männer und der gesamte Verein den Blick auf ein wichtiges Ereignis gerichtet: das Mühlenfest am Pfingstmontag. Nach zwei Jahren Zwangspause soll das technische Denkmal endlich wieder scharenweise Besucher anlocken. In Beilrode findet sogar die zentrale Eröffnung des Deutschen Mühlentages auf Kreisebene statt. Kein Wunder, dass das ehrwürdige Schmuckstück möglichst glänzen soll.

Gerettet

20 Jahre liegt die Rettung der Holländer-Windmühle zurück. Es war damals maßgeblich Dr. Gerhard Kramer (91) zu verdanken, dass die Sanierung mit einem brillanten Konzept, vielen Unterstützern und zahlreichen Fördermitteln überhaupt klappte. Über Jahrzehnte hatte der Zahn der Zeit genagt. Das historische Bauwerk am Ortsrand war zur Ruine verkommen. Jedoch das Unmögliche gelang: Dr. Kramer, Träger des Heimatpreises und des Mühlenpreises, erhielt unter anderem dafür die Ehrenbürgerschaft von Beilrode.

Schmale Stufen

Nun ist es an Dietmar Heinrich und seinem Team, das beeindruckende Zeugnis baulicher Handwerkskunst am Leben zu halten. Wehwehchen hat die "alte Dame" genug, schmunzelt der Vereinschef und klettert die schmalen Treppen hinauf. Es geht Stockwerk für Stockwerk bis ganz nach oben. Hier und da Spinnweben, das Licht schimmert spärlich. Sogar ein paar Vögel haben sich ins Innere verirrt. Heinrich macht die Fenster weit auf, um die Tiere ins Freie zu entlassen, bevor er sich wichtigen Bauteilen widmet.

Sturm ist gefährlich

"Hier diese Stahlsturmbänder halten das Kammrad fest, damit sich die Flügel nicht drehen", erklärt er. Ohne Arbeitslast und damit ohne Widerstand würden die zwölf Meter langen Ruten - so die offizielle Bezeichnung - viel zu schnell rotieren und wahrscheinlich abbrechen. Nach jedem Sturm sei eine Kontrolle wichtig. "Beim Orkantief Friederike waren alle Bänder gerissen. Zum Glück hat die Eisenbandbremse noch gehalten", so der Vereinschef fachmännisch.

Man habe danach stabilere Bänder besorgt. Nun öffnet Heinrich die Luke, die sich an der Turmhaube befindet. Wir stehen unvermittelt im Freien, genießen die herrliche Aussicht in luftiger Höhe. Schräg über uns dreht sich die Windrose. Sie ist eine geniale Erfindung: Dieses kleine Windrad an der Rückseite dreht die Mühlenkappe und damit die vorderen Flügel immer automatisch gegen den Wind. "Dazu muss aber die Kette an der Windrose gut gespannt und der große Rollkranz unter der Haube ordentlich gefettet sein", weiß der Vorsitzende.

Viele Mühen

In den unteren Etagen wiederum weiß der Beilroder ebenfalls sofort, auf was er achten muss. Die Treibriemen, die die Maschinen in Bewegung setzen, sind aus Leder und dürfen nicht porös werden . Regelmäßiges säubern und pflegen hilft, so Dietmar Heinrich, der sein Augenmerk schon wieder auf andere Problemstellen gerichtet hat. Holz verwittert, Putz bröckelt, Metall rostet. Die Mühle besteht nun mal aus vielen Balken, Mauerwerk und Eisenteilen. "Man muss also ständig hinterher sein", versichert er.

Die lädierten Fenster zu wechseln, schlug neulich mächtig ins Kontor. "Etwa 800 Euro waren für jeden einzelnen Rahmen hinzulegen", bringt der Vereinschef nur ein Beispiel dafür, wie Wartungsarbeiten schnell ins Geld gehen. Aber der Beilroder weiß: Alle Mühe, alle Kosten und alle Anstrengungen lohnen sich, um dieses einzigartige Wahrzeichen zu bewahren. Wer am Pfingstmontag einen Ausflug nach Ostelbien geplant hat, darf sich auf eine spannende Führung durch die Mühle freuen.

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