Montag, 27. Juni 2022
Donnerstag, 16. Juni 2022

Was ist aus dem Tankrabatt geworden? - Torgauer über Spritpreise verärgert

Nach einer kurzen Entlastung für Autofahrer kletterten die Literpreise für Sprit in Torgau und der Region bereits nach wenigen Tagen wieder über die 2-Euro-Marke. (Tobias Hase)

von Laura Krugenberg

Um Autofahrer zu entlasten hat der Bund die Energiesteuer zum 1. Juni gesenkt. Doch die geplante Entlastung kommt nicht bei den Bürgern an. Das Verärgert viel Torgauer und auch Tankstellen der Region berichten von schlechter Stimmung bei den Kunden.

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Torgau Vor knapp zwei Wochen startete der von Bundesregierung versprochene Tankrabatt. Dieser ist, ebenso wie das am 1. Juni gestartete 9-Euro-Ticket, Teil des Entlastungspakets, das die Ampel-Koalition im Frühjahr auf den Weg gebracht hat. Doch der erhoffte positive Effekt auf die Entwicklung der Preise an der Zapfsäule bleibt aus. Das verärgert auch die Menschen aus Torgau und Region: "Viele unserer Kunden sind richtig sauer, weil sie sich mehr erhofft hatten. Am Ende bekommen wir den Ärger ab, obwohl wir auch nur das letzte Glied in der Kette sind. Die großen Konzerne machen am Ende die Preise", berichtet ein Mitarbeiter einer Torgauer Tankstelle.

Seit Beginn des Ukraine-Kriegs ist das Tanken deutlich teurer geworden. In den vergangenen Monaten waren die Spritpreise starken Schwankungen unterlegen und zeitweise so hoch wie noch nie. Laut Statistiken des ADAC und Statista, einer deutschen Online-Plattform für Statistik, erreichte der Preis für einen Liter Super E10 am 15. März ein Rekordhoch von durchschnittlich 219,2 Cent. Zum Vergleich: Am 4. Januar bezahlten Autofahrer im Durchschnitt 164,8 Cent pro Liter.

Darauf reagiert der Bund mit der vorübergehenden Absenkung der Energiesteuer auf das europäische Mindestmaß von 35,9 beziehungsweise 33 Cent pro Liter Kraftstoff. Das zeigte auch kurzzeitig Wirkung: Am 1. und 2. Juni sanken die Preise auf unter zwei Euro pro Liter. Doch schon wenige Tage später kletterten sie wieder nach oben - der Tankrabatt scheint verpufft. Das verärgert auch die Torgauer Autofahrer: "Ich bin wirklich sehr enttäuscht, da ich mir mehr vom Tankrabatt erhofft hatte. Man merkt gar nichts von der Entlastung. Ich bin Auszubildende und muss jeden Tag nach Torgau fahren. Das Einzige, was mir ein bisschen hilft, ist meine Tank-App, die mir anzeigt, wo es gerade am günstigsten ist", erklärtLydia Wosnitza. .

Entspannter sieht Lucas Werner die Situation . Der 22-Jährige ist viel auf Montage und deshalb selten mit dem eigenen Pkw unterwegs: "Mich treffen die hohen Benzinpreise nicht so stark. Aber ich denke dabei an die sozial schwächeren Familien, die ja trotzdem Auto fahren müssen, weil auf dem Land nicht so viele Busse fahren. Oder an die, die ihr Auto dienstlich nutzen."

Dazu zählt auch Carolin Salewski, die alle vier Wochen muss die 36-Jährige geschäftlich nach Dresden: "Das reißt schon ein ordentliches Loch ins Portemonnaie. 300 Euro gehen jeden Monat nur in den Tank. Letztes Jahr war es gerade einmal die Hälfte. Deshalb nehme ich jetzt für lange Strecken das Auto meines Vaters, weil es ein Diesel ist. So kann ich wenigstens ein bisschen sparen." Und auch Anne Becker ist auf ihr Auto angewiesen. Jeden Tag legt sie, wie viele aus der Region, rund 70 km Arbeitsweg zurück: "Ich zahle jede Woche im Schnitt 80 Euro nur fürs Tanken, was eine unheimliche Belastung ist. Ich finde es eine Frechheit, wie teuer Autofahren geworden ist. Deshalb versuche ich so oft es geht Fahrgemeinschaften zu bilden."

Andere sparen, indem sie in Polen oder Tschechien tanken: "Wir fahren einmal im Monat nach Polen zum Einkaufen und Tanken. Im Schnitt ist da das Benzin 50 Cent günstiger. Wenn ich die Preise sehe und von Tankrabatt höre, komme ich mir belogen vor. Ich hoffe, das Versprechen der Politiker wird noch eingehalten", so Dietmar Kurt. Wenig Hoffnung auf eine baldige Entlastung hat hingegen Karsten Schwarz: "Wenn man sich die ganzen Krisen anschaut, war zu erwarten, dass sich die langfristig auch auf die Spritpreise auswirken. Da helfen einem nur die eigenen Erfahrungswerte, wann man etwas Geld an der Tankstelle sparen kann."

Die dauerhaft hohen Preise haben zudem auch Auswirkungen auf den Alltag von Familien. "Man versucht, das Auto so wenig wie möglich zu nutzen und legt Termine zusammen, damit man nicht unnötig viel Sprit verfährt. Das schränkt den Familienalltag dann ein", weiß Jeannette Geßwein.

Das Problem liegt daran, dass die Mineralölkonzerne den Tankrabatt nicht komplett an die Autofahrer weitergeben, denn dazu sind sie nicht verpflichtet. Christian Baer, Betreiber einer Tankstelle in Mockrehna, sieht ganz klar die Regierung in der Verantwortung: "Wenn ich es entscheiden könnte, hätte ich die 30 Cent an den Kunden weitergegeben. Zwischen Mineralölgesellschaft und Kunde sind wir leider nur das Bindeglied, welches derzeit mit dem Unmut kämpfen muss. Was vonseiten des Bundes beschlossen wurde, sollte auch eins zu eins am Bürger ankommen und entsprechend kontrolliert werden."

Wie setzt sich der Spritpreis zusammen?

Einfluss von Marktkräften: Einkauf- und Rohstoffpreise sind von der Konjunktur und der politischen Lage abhängig

Dollarkurs: Öl wird weltweit fast ausschließlich in der US-Währung gehandelt. Steigt das Kursverhältnis zum Euro, dann steigen auch die Preise für Benzin und Diesel.

Deckungsbetrag: Umfasst Transport- Lager und Weiterverarbeitungskosten sowie CO2-Steuer und Gewinn der Mineralölkonzerne

Energie- und Mehrwertsteuer: Rund 48 Prozent des Benzin- und rund 39 Prozent des Dieselpreises gehen an den Staat. Die Energiesteuer lag vor Juni bei 65,45 Cent für einen Liter Benzin und 47,04 Cent für einen Liter Diesel.

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