Donnerstag, 30. Juni 2022
Freitag, 17. Juni 2022

Roland Ziesmann: "Ich bin immer neugierig"

Roland Ziesmann: „Ich muss in Sekundenschnelle Entscheidungen treffen.“ Foto: privat

Von unserem Redakteur Henrik Landschreiber

Torgau.Im SonntagsWochenBlatt-Gespräch erklärt Roland Ziesmann, Firmenlenker der Ziesmann Baugeräte GmbH, was ihm das 30-jährige Firmenjubiläum bedeutet.

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SWB: or wenigen Tagen feierten Sie das 30-jährige Firmenjubiläum. Bedeutet Ihnen diese Tatsache etwas? Wie groß war die Gratulantenschar?

Roland Ziesmann: rundsätzlich ist mir das Jubiläum nicht so wichtig, weil ich nicht der Typ bin, der gern im Vordergrund steht und irgendwelche Likes erheischen möchte. Wichtiger ist mir zu reflektieren, dass der Weg, den wir eingeschlagen haben, nicht ganz falsch war. Das beweist unsere Entwicklung, zudem sehe ich gute Zukunftsaussichten. Unsere Jubiläumsfeier war nicht offiziell, weil wir sie nicht publik gemacht hatten. Ich weiß aber, dass viele Geschäftspartner, Kunden, Lieferanten sowie Freunde an uns gedacht haben.  Besonderer Dank gilt deshalb all denjenigen für ihr Vertrauen und ihre langjährige Treue und auch vor allem unseren Mitarbeitern für ihr Engagement und ihre Arbeit. Coronabedingt war eine größere Feier schwer planbar.

Können wir einen kurzen Blick in die Firmengeschichte wagen? Wann und wo begann alles?

Eigentlich könnte ich darüber ein Buch schreiben oder einen Film drehen (lacht). Ich war schon als Kind an Technik interessiert, habe mein Spielzeug auseinandergenommen, weil ich neugierig war, wie es funktioniert. Meine ersten Sporen in der DDR habe ich mit einem Werkstattwagen als Landmaschinenschlosser auf dem Feld verdient. Später studierte ich, wurde Ingenieur für Landtechnik, war Werkstatt- und Fuhrparkleiter. Nach der Wende heuerte ich bei der Firma Hermann Franz in Torgau an, kam das erste Mal mit dem Kundendienst von Baumaschinen in Berührung und dachte: Das kann ich besser!

Das war der Auslöser, um sich selbstständig zu machen?

Die Idee der Selbstständigkeit schwirrte damals schon in meinem Kopf umher, allerdings gab es viele bürokratische Hürden zu überspringen. Mich trieb der Service-Gedanke an. Mit meiner Ausbildung in der DDR war ich nicht automatisch Handwerksmeister und stand nicht in der Handwerksrolle. So konnte ich auf dem Amtsgericht keine GmbH eintragen lassen. Meine Idee lag zunächst auf Eis.

Wie ging es weiter?

Monate später gab es einen Gleichstellungsbeschluss und ich konnte am 1. Juni 1992 am alten Glaswerk in Torgau meinen Betrieb eröffnen. Wir haben in die Hände gespuckt und losgelegt. Die baulichen Voraussetzungen waren alles andere als gut. Ich bin aber gelernter Ossi (lacht). Wir haben zum Beispiel selbst Fenster und Türen vermessen und eingebaut. So entstand nach und nach ein Büro- und Verkaufsraum sowie die Werkstatt. An einer Tür stand der Aufdruck „Wanne C“, was an die frühere Bestimmung erinnerte. Schließlich begannen am heutigen Standort am Gewerbering die Bauarbeiten Ende 1995, wo wir schließlich im Frühjahr 1996 einziehen konnten. Die Zeit damals war unglaublich spannend. Mein  Glück war auch, dass ich viele gute Fachleute, die sich durch die Wende umorientieren mussten, für mein Unternehmen gewinnen konnte. Ich glaube auch sagen zu können, dass ich mir eine soziale Ader bewahrt habe. Ich halte es mit dem verstorbenen Präsidenten der Handwerkskammer zu Leipzig, Claus Gröhn, der sagte: Ein Meister ersetzt drei Sozialarbeiter.

Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie aktuell?

40 Mitarbeiter in fünf Betriebsstätten. Die älteren Mitarbeiter stehen loyal zur Firma, bestimmen maßgeblich unsere gesellschaftlich-fachliche Entwicklung des Unternehmens mit. Ich bin optimistisch, dass uns das mit den jüngeren Mitarbeitern auch gelingt.

Wie stehen die Ausbildungschancen in Ihrem Unternehmen?

Wir haben seit 1996 31 Lehrlinge ausgebildet. Der heutige Baumaschinenmechatroniker:in muss sowohl mit den Händen als auch mit Köpfchen arbeiten, da auch immer mehr Elektronik in den Maschinen verbaut ist und unsere Projekte anspruchsvoller, aber dadurch auch interessanter werden. Dazu kommen die üblichen Tätigkeiten wie Schweißen, Hydraulik und Kundenberatung. Viele unserer Azubis konnten wir erfolgreich übernehmen und im Betrieb einsetzen. Für die Zukunft ein wichtiger Baustein.

Ist es schwer, Azubis zu finden?

Durch die Wohlstandsgesellschaft wollen immer weniger mit ihrer Hände Arbeit ihr Brot verdienen. Eine weitere Schwierigkeit ist, die Kinder in der Schule für Technik zu begeistern. Deshalb engagieren wir uns seit Jahren auf Ausbildungsmessen und gehen aktiv in die Schulen. So schaffen wir es erfolgreich, die Jugendlichen für die Faszination Baumaschinen zu gewinnen!

Sie sprachen von guten Zukunftsaussichten. Woran machen Sie das fest?

In den letzten Jahren hat sich das Umfeld in Torgau deutlich verbessert. Es gibt es eine gute Anbindung nach Leipzig, Arbeit und Verdienstmöglichkeiten gibt es auch hier, die Leute bauen, machen sich sesshaft. Dies haben wir auch einer guten Stadtverwaltung zu verdanken! Ich sehe viel Potenzial in der Region. In unserem Betrieb werden Macher und Technikfreaks gesucht, denn unsere Projekte werden immer größer und anspruchsvoller: Ich muss in Sekundenschnelle entscheiden und mich den neuen Herausforderungen stellen. Baumaschinen werden als Geräteträger aufgerüstet. Alles wird komplexer und anspruchsvoller, auch für uns Service-Techniker.  Aber wer das verstanden hat, hat bei uns einen zukunftssicheren Arbeitsplatz mit kurzem Anfahrtsweg und geregelten Arbeitszeiten.

Ist die Nachfolge in Ihrem Unternehmen schon geregelt?

Meine Tochter Carolin wird den eingeschlagenen Weg fortsetzen. Sie war schon als Vierjährige mit dabei, wächst in die Aufgaben und ist fast ihr gesamtes Berufsleben an meiner Seite.

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