Montag, 20. Juni 2022

Vorhang gibt Ausstellung frei

Am Samstag wurde in Torgau dieser begehbare Seecontainer eingeweiht. Eine Ausstellung erinnert an das repressive DDR-Heimerziehungssystem. (Gedenkstätte)

von Christian Wendt

Torgau. Knapp 100 Gäste verfolgten am Samstag vor der Torgauer Kulturbastion die "Freilegung" eines Seecontainers . Dieser gibt fortan einen Überblick über die repressive DDR-Heimerziehung.

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Torgau Zum zweiten Male - 2006 war es im Fischerdörfchen ein großes Hinweisschild auf die Einrichtung - konnte die Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau eine Enthüllung feiern: Am Samstag fiel im Zuge des Treffens ehemaliger Heiminsassen vor der Kulturbastion der Vorhang für ein mobiles Denkzeichen. Dieses erinnert unter dem Titel "Blackbox Heimerziehung" an das repressive System der DDR-Heimerziehung.

Die Ausstellung beleuchtet die ideologischen Hintergründe sozialistischer Umerziehung und die Funktionsweise des DDR-Heimsystems. Unter den knapp 100 Gästen weilte auch Evelyn Zupke, die Bundesbeauftrage für die SED-Opfer. Sie wies auf die folgenschweren Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen in DDR-Umerziehungsheimen hin. "Ein Aufenthalt in einem Jugendwerkhof oder Spezialkinderheim war nicht einfach nur eine Episode. Er prägt das Leben der Betroffenen bis heute", sagte sie. Doch die vielen Orte ehemaliger Umerziehungsheime seien bis auf Torgau zumeist in Vergessenheit geraten. Mit der Blackbox solle nun ein neues Kapitel für deren Aufarbeitung aufgeschlagen werden.

 

Die Ausstellung über Repressionen des DDR-Heimsystems soll zunächst im Osten der Republik an historischen Orten gezeigt werden. (Gedenkstätte)

 

"Die Diktatur fand nicht nur hinter den Gefängnismauern von Hohenschönhausen oder der Stasizentrale statt", so die Bundesbeauftragte. "So wie andere gesellschaftliche Bereiche wurde auch die Jugendhilfe zu einem Instrument der Diktatur."

Zupke ist die Gedenkstätte in Torgau nicht unbekannt: Hier wurden zu DDR-Zeiten Tausende Jugendliche untergebracht, um sie auf sozialistischen Kurs zu bringen. Der Mann, unter dessen Ägide der Geschlossene Jugendwerkhof errichtet worden war, heißt Eberhard Mannschatz. In einem Lehrbuch einer Hamburger Hochschule verharmloste er die Geschehnisse in der Einrichtung. Zupke hatte daraufhin als Studentin diesen Umstand kritisiert, was überregional ein großes Medienecho zur Folge hatte.

Bis Sonntag kann der ausrangierte Seecontainer in Torgau besucht werden, bevor er seine Reise an die historischen Orte ehemaliger Umerziehungseinrichtungen antritt. Nächste Station ist die Burg Scharfenstein im Erzgebirge, wo zu DDR-Zeiten ein Jugendwerkhof eingerichtet war. Derweil wurde am Samstag die Idee geboren, den Seecontainer auch vor dem Deutschen Bundestag zu parken, um das Thema einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Die Ausstellung vor der Kulturbastion Torgau ist täglich von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

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