Montag, 27. Juni 2022
Montag, 20. Juni 2022

CSD in Torgau: Demonstranten verärgert über Stadtverwaltung

Gegen 13 Uhr startete am Sonntag die Christopher-Street-Day-Demonstration am Bahnhof in Richtung Markt. (Silke Kasten)

von Laura Krugenberg

200 queere Personen machen in Torgau zum ersten Christopher Street Day auf Diskriminierung und Probleme im ländlichen Raum aufmerksam. Dabei gibt es auch Kritik an der Stadtverwaltung und der Oberbürgermeisterin.

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Torgau So bunt wie am Wochenende war es noch nie in Torgau. Am Sonntag feierten zahlreiche Menschen aus der Region mit Gästen aus Rostock, Halle, Altenburg, Leipzig und weiteren ostdeutschen Städten den ersten Christopher Street Day (CSD) der Stadt. Laut Veranstalter Torge Dermitzel kamen rund 200 Teilnehmende zu der Demonstration und Parade: "Die Resonanz war sehr gut und hat gezeigt, dass in der Region viel zu wenig für queere Personen getan wird. Alles ist aber gut gelaufen. Größere Zwischenfälle gab es während der Demo keine." Lediglich am Markt kam es laut Polizei zu einer Störung durch einen 38-Jährigen, der die Teilnehmenden beleidigte und einen nationalsozialistischen Gruß zeigte. Es wurde Anzeige aufgenommen sowie gegen ihn und andere Provozierende ein Platzverweis erteilt.

Ursprünglich habe man mit mehr Teilnehmenden gerechnet. Doch die Hitze machte den Demonstrierenden zu schaffen. "Wir hatten sogar überlegt, den CSD kurzfristig abzusagen, doch haben ihn dann mit ausreichend Wasser und Sonnenschutz durchgezogen." Unterstützung erhielt der CSD von den örtlichen Parteien Die Linke und den Bündnisgrünen sowie von dem Leipziger Verein RosaLinde. Der Verein bietet queere Begegnung, Bildung und Beratung in Nordsachsen an.

Am Sonntag berichteten jungen Leute aus Torgau von diskriminierenden Erfahrungen aufgrund ihrer Geschlechtsidentität oder ihrer sexuellen Orientierung. "Im ländlichen Raum brauchen wir mehr Sichtbarkeit, deutlich mehr Beratungs- und Begegnungsangebote und ganz viel Aufklärung", so Torge. Besonders verärgert war Torge deshalb über das Auftreten der Stadtverwaltung und Oberbürgermeisterin Romina Barth (CDU) am Bahnhof: "Eine Viertelstunde kommen, um Fotos für Facebook zu machen und mir erzählen, dass Torgau ja so weltoffen sei, finde ich scheinheilig. Wäre die Stadt so weltoffen, bräuchten wir hier keinen CSD. Außerdem gehen Weltoffenheit und Toleranz für mich nicht mit Frau Barths Werbung für ein traditionelles Familienbild sowie von der AfD im Stadtrat unterstützt zu werden, überein. Diese Doppelmoral hat sehr viele verärgert."

Zudem wirft Torge der Stadtverwaltung geheucheltes Interesse und Symbolpolitik vor: "Würde man wirklich wollen, dass sich in Torgau das Leben für queere Personen verbessert, dann hätte man schon längst etwas getan. Der Verein RosaLinde habe schon mehrmals versucht, in Torgau Fuß zu fassen und sich an Stadtverwaltung und kommunale Träger für Beratungs- und Weiterbildungsangebote gewandt. Bis jetzt gab es da keinerlei Interesse seitens der Stadt. Das ist sehr schade." Damit weiter auf das Thema aufmerksam gemacht wird, plant man bereits den zweiten Torgauer CSD für 2023.

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