Sonntag, 14. August 2022
Mittwoch, 29. Juni 2022

Arzberger Mieter in Not: Wassersperrung angedroht!

Verzweifelte Mieter vor dem Wohnblock. Rechts Verbandsgeschäftsführer Andreas Behlke, dem die Sorgen der Bewohner nicht egal sind. (Foto: Nico Wendt)

von Nico Wendt

Verzweifelte Mieter in Arzberg. Der Zweckverband hatte angekündigt, die Wasserversorgung für einen ganzen Wohnblock zu sperren. Trotz vieler Mahnungen habe der Vermieter kein Geld an den ZV überwiesen.

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Arzberg Helle Aufregung gestern früh in Arzberg. Vor einem Wohnblock in der Straße der Jugend haben sich zahlreiche Mieter versammelt. Die Stimmung ist aufgeheizt. Einige aus der Gruppe wirken verzweifelt. Grund ist ein Schreiben des Zweckverbandes Beilrode-Arzberg. Der ZV kündigt die Sperrung der Wasserversorgung an, weil der Vermieter die laufenden Kosten nicht bezahlt hat.

Katastrophe

Für die 16 Familien und Einzelpersonen in dem Haus eine Katastrophe. Ein Unding! "Hier wohnen Kinder und auch ältere Menschen. Das kann doch nicht sein, dass der Hahn zugedreht wird. Wasser ist lebensnotwendig", heißt es aus der Runde. In ihrer Not haben sich die Arzberger an die TZ gewandt. Der Redakteur kommt umgehend vor Ort, um sich ein genaues Bild zu machen. Anwesend ist auch Verbands-Geschäftsführer Andreas Behlke, dem die Sorgen der Mieter nicht egal sind und der die Ängste gut nachvollziehen kann. Allerdings sah sich der ZV zu dieser drastischen Maßnahme gezwungen, weil vonseiten des Vermieters bis Ende Mai und auch später trotz Mahnungen einfach kein Geld floss. Die aktuelle Frist laufe nun am 11. Juli ab. Wenn bis dahin nichts passiert, werde die Wasserversorgung am 18. Juli eingestellt. Wie groß die Anspannung ist, zeigt sich im Gespräch. Ein Großteil der Mieter möchte auf keinen Fall namentlich erwähnt werden. Man befürchtet umgehend die Kündigung der Wohnung.

Siegfried Petersohn - er zählt zu den älteren Bewohnern - macht auf zahlreiche Missstände aufmerksam. Vor vier Jahren habe der Eigentümer aus Grimma das Gebäude an eine Torgauer Firma übergeben. Seitdem gäbe es Probleme. "Die Hauptwasserleitung im Keller ist total verrostet. Es wird nicht lange dauern, bis die uns um die Ohren fliegt", schimpft er. An der Zufahrt zur Straße klafft seit Monaten ein tiefes Schlagloch. Viele setzen mit ihrem Pkw auf. Selbst der Rettungsdienst habe das schon beanstandet.

Aus der Runde der Bewohner wird beteuert, dass man die Miete immer regelmäßig bezahlt habe. Es könne nicht sein, dass das Geld nicht an den Zweckverband weitergereicht wird. Wenn man nur ein paar Tage säumig ist, treffe schon die Mahnung des Vermieters ein, lautet ein Vorwurf. Eine junge Frau mit Kind in einer oberen Etage war von einem Wasserschaden betroffen. Sie müsse seit Wochen ohne Küche auskommen. Die Gebäudeversicherung zahlt einfach kein Geld. Weil der Frust so tief sitzt, seien einige Mieter dabei, sich jetzt nach anderen Wohnungen umzuschauen. Man habe sich oft an den Vermieter aus Torgau gewandt, aber ihn meist nicht erreicht. "Eigentlich wollte er sich nach der Übernahme des Wohnblockes persönlich in Arzberg vorstellen. Das ist aber bis heute nicht passiert", kritisiert Siegfried Petersohn. Die meisten hätten den neuen Eigentümer noch nie zu Gesicht bekommen. Notfalls müsse man sich gemeinsam einen Anwalt nehmen, separat die Wasserkosten einsammeln und sie direkt an den Zweckverband überweisen. Dieser Betrag wäre dann von der Miete abzuziehen.

Wasserhänger

Andreas Behlke versucht, die Betroffenen am Mittwoch zu beruhigen. Man habe die Wasserabstellung jetzt angekündigt, um den Vermieter in Zugzwang zu bringen. "Notfalls organisieren wir einen Wasserhänger. Aber wir werden die Familien nicht in der Luft hängen lassen", verspricht der Geschäftsführer. Rund 2500 Gebührenzahler hat der Zweckverband in den Gemeinden Beilrode und Arzberg sowie im Ortsteil Graditz. Es gäbe nur wenige "schwarze Schafe", die allerdings ein Problem sind. Dadurch könnten schnell Außenstände in fünfstelliger Höhe auflaufen. "Wir versuchen immer eine Lösung zu finden. Manchmal einigen wir uns auch auf eine Stundung. Die Wasser-Sperrung ist das letzte und äußerste Mittel", betont er. Vereinzelt habe man das umgesetzt, sogar schon in diesem Jahr. Aber dass ein ganzer Wohnblock betroffen ist, sorgt für Aufsehen.

Kooperativ

Im Verlauf des Vor-Ort-Termins gelingt es dem TZ-Redakteur, den Vermieter telefonisch zu erreichen, der sich kooperativ zeigt und wiederum die allgemeine schlechte Zahlungsmoral beklagt. Es gäbe Mieter, die ständig Nebenkosten nicht begleichen und auch bei der Miete säumig sind. Auch die Corona-Krise habe für seine Firma schlimme Auswirkungen gehabt. "Es gibt eine Frist zur Begleichung der Kosten - nämlich den 11. Juli - und die werde ich einhalten", verspricht er.

Kurz nachdem der TZ-Redakteur ins Büro zurückgekehrt ist, trifft überraschend eine E-Mail vom Vermieter ein. Es handelt sich um einen Zahlungsnachweis, dass das Geld jetzt an den Zweckverband überwiesen wurde. Die Arzberger Mieter können also aufatmen.

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