Sonntag, 14. August 2022
Donnerstag, 7. Juli 2022

Junge Frau fährt auf ganz viel PS ab 

Josefin Meißner mit ihrem "Riesenbaby", einem Schlepper Claas Xerion 4000. Foto: Nico Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Josefin Meißner vom Lehr- und Versuchsgut Köllitsch ist gerade mal 21 Jahre alt und steuert bereits Mähdrescher und tonnenschwere Schlepper, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. 

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Köllitsch. Die Sonne prasselt noch immer erbarmungslos vom Himmel. Dabei ist bereits Feierabend-Zeit. Wieder so ein Hitze-Tag im Sommer 2022. Während viele junge Menschen längst auf dem Weg zum Badestrand sind oder es sich in einem Café gemütlich machen, hat Josefin Meißner einen ganz anderen „besten Platz der Welt“ für sich entdeckt. 

Die 21-Jährige steuert einen Mähdrescher vom Typ Claas Lexion 750 und dreht damit unaufhörlich ihre Runden auf einem Feld bei Arzberg. Gerade würde sie mit nichts anderem tauschen wollen. Die blonde Bortewitzerin (Altkreis Oschatz) liebt PS-starke Landtechnik. Im Lehr- und Versuchsgut Köllitsch hat sie ihren Traumjob gefunden. 

Alles im Blick 

Der Claas Lexion ist gefräßig. Unaufhörlich nimmt das neun Meter breite Mähwerk die Halme auf. Nur wenig später verschwinden die Körner im Bauch des Riesen, während das Stroh am Heck wieder herausgeblasen wird. Die Maschine dröhnt. Eine dicke Staubwolke erhebt sich gen Himmel.

Josefin Meißner sitzt entspannt in der klimatisierten Kabine und hat alles im Blick. Das gut 450 PS starke Erntegerät strotzt nur so vor Hightech. GPS-Steuerung, Bordcomputer. Hier ein Display, dort eine Anzeige. Die Rückfahrkamera schickt bewegte Bilder auf einen separaten Schirm. 

Wie am Schnürchen 

Zwei männliche Kollegen stehen derweil mit ihren Traktoren am Feldrand bereit, um das Korn gleich in Richtung Köllitsch abzutransportieren. Das klappt wie am Schnürchen. Nach jeweils 10 bis 15 Minuten ist die Kammer voll. Dann signalisiert ein rotes Lämpchen auf dem Dach, dass ein Hänger benötigt wird.

Die 21-Jährige geht routiniert mit Hebeln und Tasten um, kontrolliert, steuert nach, versucht, die Kornverluste gering und den zahmen Koloss auf  Tempo zu halten. Im Prinzip ist das genau nach dem Geschmack der taffen Landwirtin. Bis gegen 23 Uhr wird sie den Lexion an jenem Tag noch über den 30-Hektar-Schlag Wintergerste lotsen. Dann ist Schluss. Erstmal. 

Denn normalerweise  hat Josefin Meißner im Lehr- und Versuchsgut ein ganz anderes „Riesenbaby“ unter ihren Fittichen. Stolz präsentiert sie am darauffolgenden Tag einen Claas Xerion 4000. Einen Schlepper, der fast genauso viele Pferdestärken unter der Haube hat wie der Mähdrescher. Groß, wendig, ein Kraftpaket.

Sie habe beim Einbringen der Wintergerste nur einen Kollegen vertreten, der normalerweise die moderne Erntemaschine lenkt. Deshalb muss der Zeitungsredakteur unbedingt noch einmal mit der Kamera anrücken, um das richtige „Patenkind“ in Szene zu setzen. 

Mit dem Claas Xerion 4000 ist nun Stoppelbearbeitung angesagt. Die junge Frau hat einen Grubber mit Gänsefuß-Scharen angehängt und bearbeitet damit einen elf Hektar großen Acker, auf dem bis vor Kurzem noch Wintergerste stand. Das macht sie mit dem gleichen Eifer und Elan wie beim Dreschen am Vortag. 

Eigentlich, so verrät die hübsche LVG-Mitarbeiterin später bei einer Pause am Feldrand, wollte sie nach der 10. Klasse  in die „soziale Schiene“. Ein Berufsweg, den ein paar Jahre zuvor schon ihre Schwester eingeschlagen hatte. Bei diversen Praktika in Krankenhäusern in ihrer Heimatregion aber wurde Josefin Meißner mit dem gängigen harten Alltag der Pflegekräfte konfrontiert. Die Schülerin war sich plötzlich nicht mehr sicher, ob das der Traumberuf fürs Leben sein sollte.

„Das Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, ist klein. Mein Vater hatte ein paar Schafe. Landwirtschaft und  Technik haben ihn immer fasziniert. Wahrscheinlich ist der Funke auf mich übergesprungen“, lacht die Bortewitzerin. „Ich bin keine Partymaus und auch keine Shopping-Queen. Eigentlich war ich als Kind auch immer mehr mit den Jungs zusammen.“ So entschied Josi – wie Freunde sie nennen – damals sehr spontan: „Ich werde Landwirtin“.

Super Erfolg 

Eine Entscheidung, die sie bis heute nicht bereut hat. Bei der dreijährigen Ausbildung war sie das einzige Mädel in der Klasse. Vielleicht waren einige der 14 Mitschüler  auch anfangs skeptisch. Aber das habe sich rasch gelegt. Josefin Meißner wurde Klassenbeste, schloss mit einem Notendurchschnitt von 1,69 ab und hätte es fast zur Jahrgangsbesten in Nordsachsen geschafft, wenn da nicht noch eine andere ehrgeizige Dame gewesen wäre. Dennoch ein super Erfolg.

Dass es im November mit einer Dauer-Anstellung im Lehr- und Versuchsgut Köllitsch klappte, macht die 21-Jährige besonders stolz. „Ich hätte kein Problem damit, mein ganzes Leben lang Schlepper zu fahren“, schmunzelt sie. Die Anerkennung ihrer neun  Kollegen der Feldbau-Brigade hat sie auch längst  erworben: Nach der Ernte-Saison darf Josefin Meißner die Wartung des Claas Xerion 4000 mit allem Drum und Dran ganz alleine durchführen. Ein echter Vertrauensbeweis. 

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