Sonntag, 14. August 2022
Montag, 18. Juli 2022

Bleibt die evangelische Schulgemeinschaft in Belgern?

Beim Schulfest in der vergangenen Woche überbrachte Stefan Branig die frohe Kunde, dass die Oberschule nun staatlich anerkannte Ersatzschule ist, was ein Mehr an finanzieller Unterstützung bedeutet. Gleichwohl stellte er auf Grund von Unstimmigkeiten mit dem Stadtrat nun den Standort infrage. (privat)

von Christian Wendt

Belgern. Mit dieser Ankündigung schockte Geschäftsführer Stefan Branig vor wenigen Tagen nicht nur Oberschüler und Eltern sondern auch die künftigen Erstklässler sowie deren Eltern.

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Belgern Ein Wechselbad der Gefühle durchlebten in der vergangenen Woche die Eltern der Evangelischen Oberschule Belgern-Schildau: Einerseits war zum Schuljahresabschluss die Freude über die frische Nachricht der Anerkennung des Hauses als staatlich anerkannte Ersatzschule riesengroß. Andererseits bereiteten Aussagen Stefan Branigs, dem Geschäftsführer der Evangelischen Schulgemeinschaft Niederlausitz, große Sorgen. Auslöser waren mit Blick auf die im kommenden Schuljahr an den Start gehende Grundschule des privaten Trägers Unstimmigkeiten mit der Stadt beziehungsweise dem Stadtrat.

Wie groß eben jene Unstimmigkeiten sind, konnten Gäste der jüngsten Stadtratssitzung nur erahnen. Deutlicher wurden Bürgermeister Ingolf Gläser (CDU) und dessen zweiter Stellvertreter Jochen Werner (Freunde der Feuerwehr) im Gespräch mit der Heimatzeitung kurze Zeit später, nachdem Stefan Branig bereits für diesen Donnerstag Eltern zu einer Demonstration aufgerufen hat.

Gleich zwei Punkte sorgten im Stadtrat im öffentlichen Teil für Irritationen: Auf Antrag Jochen Werners war erneut ein Tagesordnungspunkt gekippt worden, der die Verlängerung einer Nutzungsvereinbarung zwischen Stadt und Schulträger zum Inhalt hatte. Mit der Begründung der Vertagung hielten sich die Stadträte jedoch auffällig zurück. Dem gegenüber stand die Diskussion über ein Nutzungsrecht für ein kommunales Grundstücks, das bei der Etablierung der künftigen evangelischen Grundschule in der Neußener Straße ein K.o.-Kriterium ist.

Über jenes Grundstück soll die Zufahrt zum künftigen Schulgelände erfolgen. Solange die Schulgemeinschaft aber keine Wegerecht eingeräumt bekommt, gibt es für den Ausbau des Gebäude vom Bauordnungsamt des Landkreises auch keine Erlaubnis. Ein genehmigter Bauantrag wiederum ist Grundlage für die Beantragung der Grundschule. Nutzt also die Stadt die ungeklärte Grundstücksfrage mit der Grundschule jetzt als Hebel für bessere Konditionen beim Nutzungsvertrag für die Oberschule?

"Mitnichten!", erklärte Ingolf Gläser Ende der vergangenen Woche. Grundschule und Oberschule würden vollkommen isoliert im Stadtrat betrachtet. "Wir sind uns alle einig, dass die Oberschule eine Bereicherung für die gesamte Stadt Belgern-Schildau ist", betonte der Bürgermeister. Mehrfach habe man wegen des Nutzungsvertrags mit dem Schulträger verhandelt. Problem sei gewesen, dass die kommende erste Klasse vorübergehend in der Oberschule untergebracht werden müsse, weil es - wie beschrieben - die baulichen Voraussetzungen in dem angedachten Schulgebäude aktuell nicht hergeben. Über genau jene Sonderregelung habe man nun aber Einigkeit erzielt, bestätigte auch Jochen Werner.

Gleichwohl kann sich Stefan Branig, Geschäftsführer der evangelischen Schulgemeinschaft Niederlausitz, des Eindrucks nicht erwähren, dass die Belgern-Schildauer Stadträte alles dafür tun, die eigene staatliche Grundschule in Belgern gegen das zusätzliche Angebot des freien Trägers zu schützen. "Das ist ja auch vollkommen normal. So würde ich sicherlich auch reagieren", sagte Branig. Doch dürfe dies eben nicht dazu führen, dass man der Schulgemeinschaft Steine in den Weg lege. "Wir sind nicht erpressbar", gab sich Branig auf TZ-Nachfrage kämpferisch. Und mehr noch: Bei besagter Elternversammlung in der vergangenen Woche stellte der Geschäftsführer sogar die Zukunft der Grundschule sowie die der Oberschule in Frage. Sollte es keine Einigung mit der Stadt hinsichtlich der Zuwegung zum künftigen Grundschulgebäude geben, stehe die Alternative im Raum, die Grundschulkinder vorübergehend im brandenburgischen Tröbitz zu unterrichten, was dann natürlich mit einem Mehraufwand an Fahrzeit verbunden sei.

Branigs Ankündigung empfindet ein mehr als überraschter Ingolf Gläser wiederum als das Schwingen der ganz großen Keule. "Hier geht es nicht um Protektionismus", war er bemüht, die Situation nicht noch weiter eskalieren zu lassen. Dass sich die Stadt mit dem Wegerecht schwer tue, habe folgenden Grund: "Ist die evangelische Grundschule an der Neußener Straße erst einmal genehmigt, ist die Stadt verpflichtet, das Grundstück entlang der Staatsstraße mit einem etwa 150 Meter langen Fußweg samt Beleuchtung anzubinden. Abgesehen von dem enormen planerischen Aufwand fehlen uns angesichts eines enormen Sanierungsstaus in den Kindereinrichtungen dazu die finanziellen Mittel." Die Stadt stehe nach wie vor zu der in Gründung befindlichen evangelischen Grundschule. Doch derartige Investitionen dürften trotz aller terminlichen Zwänge nicht übers Knie gebrochen werden. In diesem Zusammenhang kritisierten Gläser und auch Werner Branigs Aufruf an die Eltern, am Donnerstag in Belgern für die Belange der Schulgemeinschaft zu demonstrieren. Eine solche Mobilmachung täusche nur über eigene Planungsfehler hinweg. Dazu zähle auch, dass ein Antrag auf Änderung des Nutzungsvertrags für die Oberschule (hier sollen eigentlich die Erstklässler ein Jahr lang unterrichtet werden) erst am 14. Juli bei der Stadt eingegangen sei.

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