Sonntag, 14. August 2022
Donnerstag, 21. Juli 2022

Landesgartenschau in Torgau startet in die zweite Halbzeit

(Bärbel Schumann)

von Bärbel Schumann

"Entgegen aller Unkenrufe möchte ich betonen: Wir erhalten, so viel es geht!" Das sagt Bettina Klein, Chefin der Landesgartenschau in Torgau, die nunmehr in die zweite Halbzeit gestartet ist.

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Torgau Auf der 9. Sächsischen Landesgartenschau ist Halbzeit. Bei der Vorbereitung der Großveranstaltung gab es Hindernisse zu meistern. Auch die langanhaltende Sommerhitze stellt das Team vor Herausforderungen, die es so auf keiner LAGA zuvor gab. Anlass für die Torgauer Zeitung, Geschäftsführerin Bettina Klein auf ein Gespräch zu bitten.

Wie viele Besucher konnten bisher auf der Torgauer Landesgartenschau begrüßt werden? Sind Sie als Organisatorin damit zufrieden?

In dieser Woche werden wir den 200 000. Besucher auf unserer Landesgartenschau in Torgau begrüßen können. Eine große Aktion planen wir deshalb nicht, denn der erste ist uns genauso lieb wie jeder weitere der folgt oder noch zu uns kommen wird. Insgesamt stimmen uns die aktuellen Besucherzahl froh, unser gestecktes Ziel zu erreichen.

Täglich sieht man mehr Menschen in der Stadt, als das zu anderen Zeiten üblich war. Welche Synergieeffekte hat die Landesgartenschau auf die Elbestadt?

Unser Wunsch, dass die LAGA auf das Leben in der Stadt ausstrahlen wird, es Synergieeffekte gibt, ist in Erfüllung gegangen. Wenn ich durch die Stadt laufe, sieht man volle Freisitze. In den Gesprächen mit unseren Gastronomen erfährt man, dass sie gut zu tun haben. Viele Besucher verlängern sogar ihren Aufenthalt um ein, zwei Tage oder wollen uns erneut besuchen. Gäste aus Leipzig und dem Umland haben nach einem LAGA-Besuch anschließend Torgau zusätzlich als attraktives Städtchen für sich neu- oder wiederentdeckt und wollen wiederkommen. Von der Gartenschau profitieren aber auch Bereiche der Kultur wie die Dornröschen-Ausstellung auf Schloss Hartenfels. Genauso wollten wir es haben, alles ist aufgegangen.

In den sozialen Medien gibt es viele kritische Stimmen zur Torgauer Landesgartenschau: Mehr Blumenbeete, mehr Gärtnerisches wurde vermisst. Was sagen Sie dazu?

Ich habe mich oft mit Leuten unterhalten, habe bei Führungen Begeisterung für das stimmige Gefüge unserer gesamten Anlage erhalten. Beeindruckt sind die Leute von den vielen kleinen Steinen, die sich zu einem Mosaik zusammenfügen und so für jede Altersgruppe ganz gleich ob Kind, Jugendlicher, sportlicher Mittdreißiger oder aktiver Senior etwas bietet. Begeistert sind viele von dem Mix aus Alt und Neu. Wir haben mit dem Glacis einen großen alten Baumbestand mit Parkcharakter auf einer nicht gerade kleinen Fläche einbringen können. Das setzt auch Grenzen für die Gestaltung. Kritisch gestaltete sich der Florwechsel nach der Frühjahrspflanzung.

Können Sie darauf näher eingehen?

Das ist anders als bei einem Hallenumbau, wo nach dem Wechsel sofort die volle Blütenpracht zu sehen ist. Bei Wechselflorflächen müssen die Pflanzen nicht nur in den Boden kommen, sondern benötigen Dünger, Zeit zum Anwachsen, müssen sich an neue Bedingungen gewöhnen, um sich zu entfalten. Da gibt es eine Phase, in der es dann eben nicht so blüht. Aber das kennen ja viele aus dem heimischen Garten. Den Lauf der Natur kann man da nicht immer beeinflussen. Hinzu kam noch die Hitze, die auch nicht unbedingt förderlich ist. Die große Trockenheit hat uns bisher mehr als einmal an den Rand unserer Möglichkeiten gebracht - und leider war nicht immer alles zu retten. Gießbeginn ist teilweise schon morgens 4 Uhr und dauert bis 9 Uhr an. Da können bei den Pflanzen zur Mittagszeit schon wieder die Köpfe hängen und aussehen, als wenn sie kein Wasser erhalten hätten. Wir versuchen alles, dem so gut wie möglich entgegen zu treten. Täglich verbrauchen wir 120 000 bis 150 000 Liter Wasser.

Haben Sie auf die Kritik der Besucher reagiert?

Wir haben auf Kritik und die Situation beim Wechsel reagiert und die Eintrittspreise eine Zeit lang gesenkt. Ich möchte noch unbedingt dazu ergänzen, dass unser mit 24 Hektar Gesamtfläche doch sehr großes Gartenschaugelände 4000 Quadratmeter Wechselflorflächen besitzt. Das ist nicht weniger als auf vorherigen Landesgartenschauen, wirkt aber anders aufgrund unserer Größe und Struktur. Kritik der Besucher hat uns aber auch motiviert.

Können Sie das an Beispielen aufzeigen?

Wir haben uns alle kritischen Hinweise genau angesehen und überlegt, wie wir das Angesprochene verbessern oder abstellen, Missstände beseitigen können. Ich möchte das an den Holzfiguren zum Traumzauberbaum im Glacis aufzeigen. In diesem Bereich wurde bemängelt, dass es keine Bänke gibt. Wir haben darauf reagiert, nun kann man dort auch sitzend verweilen.

Was waren und sind für Sie die schönsten Momente auf der Landesgartenschau?

Ein großer Höhepunkt war für mich wie auch für viele andere von unserem Team der Einzug der Arche-Tiere. Das werde ich persönlich nicht vergessen. Es ist aber auch toll, wenn mich von den LAGA-Besuchern in der Stadt bei zufälligen Begegnungen jemand am Arm nimmt und sagt: "… das habt ihr super hinbekommen!" Dann hat sich jeder Einsatz gelohnt. Wir hatten allerhand Hindernisse zu bewältigen, die so bei der Vorbereitung einer LAGA noch nie da waren. Corona, Baustoffmangel, Preisexplosionen beim Material, Munitionsfunde - es gab nichts, mit dem wir nicht fertig werden mussten. Mit diesem Erfahrungsschatz eine Gartenschau zu organisieren, das könnte reizen und man würde dann auch vieles anders angehen.

Wird es nach dem Ende der LAGA viel Rückbau geben?

Es sind tatsächlich nicht viele Dinge, für die es einen Rückbau gibt. Dazu gehören zum Beispiel die Mustergrabanlagen im Glacis oder das Grüne Klassenzimmer. Unser Konzept war sehr auf Nachhaltigkeit für die Stadt ausgerichtet. Viele Projekte in der Stadt waren zudem mit der LAGA eng verbunden. Entgegen aller Unkenrufe möchte ich betonen: Wir erhalten, so viel es geht! Das Ziel mit der LAGA für Torgau bestand auch darin, die Lebensqualität in der Stadt, ihre Attraktivität auch für junge Leute und Familien zu stärken und zu verbessern. Das ist wichtig für die Kreisläufe. Torgauer Unternehmen stehen vor der Frage: Wie gelingt es, benötigte Arbeitskräfte nach Torgau zu locken? Da spielen Fragen der Lebensqualität eine immer größere Rolle. Damit sind wir nun vorangekommen. Synergieeffekte wird es ebenso mit den Sport- und Freizeitanlagen für unsere Jugendherberge geben.

Alle Investitionen sind also gerechtfertigt?

Sie sind nicht nur gerechtfertigt, sondern traumhaft. Die Chance, in solchen Größenordnungen in einem doch so kurzen Zeitraum zu investieren, wird es wohl kein zweites Mal geben. Zudem muss man dabei bedenken, dass der Eigenanteil nur 16 Prozent beträgt. Bei anderen Förderungen ist er bedeutend höher. Hätten wir das nicht genutzt, dann hätten man uns als Stadt zurecht kritisieren können.

 

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