Freitag, 22. Juli 2022

Kampf um freies Grundschulangebot in Belgern

Etwa 100 Unterstützer der Schulgemeinschaft versammelten sich am Donnerstag auf dem Markt, um dem Vorhaben, in Belgern ein zusätzliches Grundschulangebot zu etablieren, Gewicht zu verleihen. (Christian Wendt)

von Christian Wendt

Belgern. Belgeraner Eltern und künftige Erstklässler der evangelischen Grundschule demonstrierten am Donnerstag auf dem Belgeraner Marktplatz.

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Belgern Mit einer Demonstration auf dem Belgeraner Markt sowie der Übergabe von 350 Unterschriften an Bürgermeister Ingolf Gläser (CDU) machte die Evangelische Schulgemeinschaft Niederlausitz am späten Donnerstagnachmittag auf die Probleme rund um ihre geplante Grundschule am Standort aufmerksam.

Das Kettenrasseln der vergangenen Tage - Geschäftsführer Stefan Branig hatte wenige Wochen vor Schuljahresbeginn nicht nur die evangelische Grundschule sondern auch perspektivisch die evangelische Oberschule infrage gestellt - war offensichtlich verstummt. Branig wie auch Gläser waren auffällig darum benüht, die Diskussionen über die Änderung des Nutzungsvertrags für die Oberschule sowie das der Schulgemeinschaft zum Erreichen ihres Grundschulkomplexes in der Neußener Straße noch fehlende Wegerecht nicht noch weiter anzuheizen. Gleichwohl war beiden Lenkern die Anspannung anzumerken, als sie zu den etwa 100 Demonstranten sprachen.

Finanzielles Engagement

Als Versammlungsleiter war Branig einer der ersten, die am Donnerstag mit den Vorbereitungen zur Demo loslegten. Dabei betonte er im Gespräch mit der Torgauer Zeitung nochmals, dass das Miteinander mit Stadt und Stadtrat aktuell viele Fragen aufwerfe. Im Kern gehe es um die Frage, inwieweit sich der Schulträger finanziell weiter in Belgern engagieren solle. "Wir sind keine Millionäre", sagte Branig, der sich darüber gewundert habe, dass im Stadtrat erst jetzt die Themen Nutzungsvertrag und Wegerecht zu derlei heißen Diskussionen geführt hätten. Allen Beteiligten sei im Vorfeld die Stoßrichtung der Schulgemeinschaft längst klar gewesen.

 

Stefan Branig (l.) überreichte Bürgermeister Ingolf Gläser eine 350 Unterschriften schwere Liste. (Christian Wendt)

 

Wie groß derzeit die Ängste vor allem bei den künftigen Erstklässlern und deren Familie sind, veranschaulichte Manuela Jahn aus Belgern: "Meine Tochter und meine Enkelin sind fix und fertig. Alles steht in den Sternen. Vorfreude auf das Fest der Einschulung gibt es bei uns nicht, weil die Verunsicherung sehr groß ist." Hintergrund ist die noch offene Frage, ob die in Gründung befindliche evangelische Grundschule in Kürze die Oberschule als Ausqweichquartier nutzen kann, bis es irgendwann in die Neußener Straße geht. Als Notvariante steht die Möglichkeit im Raum, die Jungen und Mädchen im brandenburgischen Tröbitz einzuschulen und vorübergehend auch zu beschulen. Doch für Manuela Jahn und ihre Familie sei dies keine Alternative. Bus und Hort würden Probleme mit sich bringen.

Ums Wohl der Kinder

Ingolf Gläser erklärte, dass es jetzt vordergründig um das Wohl der Kinder gehe, denen ein langer Schulweg erspart werden müsse. Für den Bürgermeister könne dies nur über den Weg des Miteinanders erreicht werden. Deswegen auch seine Einladung zu einem Runden Tisch am 1. August. "Wir werden zusehen, dass wir bis zur nächsten Stadtratssitzung am 3. August unsere Aufgaben umgesetzt bekommen", schürte er Hoffnung - Hoffnung unter anderem auch für Tilo Kunze. Zwei Söhne des Neußeners besuchen bereits die Oberschule in Belgern. Für die noch 3-jährige Tochter erhofft er sich einen Schulstart in der evangelischen Grundschule in Belgern. Kunze ist überzeugt davon, dass auch hier das ihm bekannte pädagogische Konzept Früchte tragen werde.

"Für ein breiteres Lehrangebot bin ich gern bereit, Schulgeld zu zahlen", betonte Nicole Lorenz. Die Frau aus Liebersee ist davon überzeugt, dass dem freien Schulträger die Erziehung der Kinder zu Teamfähigkeit besser gelinge, als es die staatliche Grundschule könne. Auch sie sei in der vergangenen Woche daher wie vom Blitz getroffen worden, als Stefan Branig wegen Unstimmigkeiten mit der Stadt bei einer Elternversammlung plötzlich hinter Grundschule und Oberschule ein Fragezeichen gesetzt habe. "Ich glaube nicht, dass der Schulträger diese Situation so zu verantworten hat", sagte Lorenz.

"Plätze sind rar"

Zu den Unterstützern der Schulgemeinschaft zählt auch Olivia Schneidewind, die ihre 4-jährige Tochter bereits für einen Platz in der evangelischen Grundschule Belgern angemeldet hat. "Die Plätze sind rar", sagte sie. Da müsse man schnell sein. Vater Holger Schneidewind kann nicht akzeptieren, dass bürokratische Hindernisse die Arbeit des privaten Bildungsträgers behindern. "Wenn alle wollen, gibt es immer eine Lösung", sagte er.

Für Stefan Branig stehen nun wichtige Tage im Bemühen um die Etablierung eines eigenen Grundschulangebots in Belgern an. Der Stadtverwaltung hatte er zuletzt zugesichert, sich an den Kosten für den Bau eines Fußwegs zur künftigen Grundschule in Höhe von 75 Prozent beteiligen zu wollen. Auf TZ-Nachfrage, was dies konkret bedeute und ob die finanzielle Hilfe der Schulgemeinschaft möglicherweise gedeckelt sei, sagte Branig am Donnerstag jedoch nichts.

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