Freitag, 22. Juli 2022

Jens Straube - im Tor ganz groß

Handball VfB Torgau II – Belgern II Kreisklasse Derby 28:19 Männer (TZ-Archiv)

von Norbert Töpfer

Erst Fußball, jetzt Handball: Der Belgeraner Jens Straube hat als Torhüter die Sportart gewechselt. Wie das kam, lesen Sie hier

Facebook Twitter WhatsApp Mail Drucken

Torgau Wer Jens Straube sieht, hält es durchaus für möglich, dass er aufgrund seiner schlanken Figur einen Sportler vor sich hat. Aber dass der junge Mann mit Pferdeschwanz und nur 1,70 Meter (!) Körpergröße im Tor des Handball-Kreisligisten Roland Belgern steht, erscheint zunächst wenig glaubhaft.

Aber es ist so: Seit Januar 2020 hütet der 33-Jährige das Tor des Tabellendritten der Kreisliga Leipzig. Und das mit respektablen Leistungen. Im Vergleich dazu zeigen die Körpergrößen von Bundesliga-Torhütern wie Jogi Bitter (2,05 Meter/HSV Hamburg) und Silvio Heinevetter (1,94, Melsungen, demnächst Stuttgart), wie ungewöhnlich es ist, dass Straube im Kasten steht.

Die Bedingungen sind für den Pädagogen nicht gerade ideal, denn jedes Match ist ein Auswärtsspiel, da er in Eilenburg wohnt. Allerdings verbrachte er seine Kindheit in Neußen, das nur vier Kilometer von der Rolandstadt entfernt liegt.

Straube stand im Fußballtor von Roland Belgern. "Das war eine zumeist schöne Zeit. Zwölf Jahre hütete ich den Kasten im Herrenbereich." Und er fügt an: "Höhepunkt meiner Fußball-Kariere war die Kreisliga-Meisterschaft 2019 unter Trainer Martin Rössel. Leider gab es danach einige unglückliche Entscheidungen in der Abteilung, sodass ich 2019 zum Handball gewechselt bin."

Und das kam so: Belgerns Handball-Trainer und Ex-Torjäger Steffen Große (62), der ebenfalls am Torgauer Gymnasium als Lehrer tätig ist, hatte von den Problemen Straubes gehört und sprach ihn an, ob er nicht Handball spielen wolle. "Für mich war klar, ein Mann wie Jens muss dem Sport erhalten bleiben", meinte Große.

Nach dem Gespräch mit seinem Berufskollegen und Trainer war für Straube alles klar: "Da habe ich nicht gezögert und zugesagt. Die ersten Spiele wurde ich von den Routiniers geführt, habe auch in der zweiten Mannschaft gespielt. Und mir hat es sofort Spaß gemacht", sagt der Familienvater, der mit Gattin Madlen glücklich über den neun Monate alten Sohn Theo ist. "Ich habe meine Entscheidung nicht bereut. Wir sind eine gute Mannschaft und der Zusammenhalt stimmt auch." Und Große lobt: "Jens hat die Ratschläge unserer älteren Torhüter angenommen. Es hat geklappt. Die bisherige Bilanz: Jens wird zunehmend besser."

Sein erstes Punktspiel für die Belgeraner zweite Mannschaft bestritt Straube im Januar 2020. Sein Aufwand für den Sport hält sich für ihn als Familienvater in Grenzen. Die Belgeraner trainieren nur einmal in der Woche, freitags. Hinzu kommen die Punktspiele am Wochenende. Dabei kann er auch auf das Verständnis seiner Madlen zählen, denn sie kommt aus einer Fußballerfamilie.

In der vergangenen Saison erspielten sich die Roland-Städter einen respektablen Platz drei. Der erfahrene Mitspieler André Weihmann (50) charakterisiert Straube ganz locker: "Er kommt aus dem Fußballerlager und bewegt sich auch als Handballtorwart so. Er hechtet nach den Bällen, als stünde er noch wie früher im großen Tor. Er ist ein total cooler Typ."

Bei der Frage nach seinen Lieblingsmannschaften muss der sportbegeisterte Pädagoge Straube nicht lange überlegen. "Im Fußball bin ich Fan von Borussia Dortmund. Beim Handball drücke ich dem SC Magdeburg die Daumen. Es war klasse, wie souverän sich die Männer die Meisterschaft in der Bundesliga erspielt haben. Ich freue mich aber auch über das Leipziger DHfK-Team, das eine achtbare Saison absolvierte."

Seine besondere Frisur mit den extrem langen Dreadlocks trägt Straube bereits seit 13 Jahren. "Diese gehören einfach zu mir. Ich ernte dafür auch keine schrägen Blicke", sagt er locker. Auch bei den Kollegen und seinen Schülern im Torgauer Johann-Walter-Gymnasium ist dieser Haarschnitt nichts Besonderes. "Ich habe zu meinen Kollegen und Schülern ein gutes Verhältnis. Und ich versuche meinen Unterricht so zu gestalten, dass die Mädchen und Jungen gern bei mir lernen."

Im Torgauer Johann-Walter-Gymnasium leitet er einmal in der Woche auch einen Kurs für Lego-Robotik. Unter seiner Anleitung bauen die acht Schüler der Arbeitsgemeinschaft aus Lego-Bausteinen Roboter. "Die Jungs aus den Klassen sieben bis zehn stellen sich selbst Aufgaben, die ihr Roboter erfüllen soll. Gemeinsam besprechen wir, wie diese Aufgabe in die Praxis umgesetzt wird", erklärt der sportbegeisterte Pädagoge.

Sie interessieren sich für das Neueste aus Torgau und der Region? Dann bestellen Sie den Newsletter "Darüber wird morgen gesprochen"! Der kommt jeden Abend per E-Mail und bringt die wichtigsten Themen des nächsten Tages mit. >> Hier können Sie ihn bestellen.


Jetzt kostenlos anmelden

Das könnte Sie auch interessieren

epaper
 

Weitere Veranstaltungen unter:
www.leipzig.ihk.de
 

Aktuelle Bildergalerien

Wirtschaftsmagazin

Abenteuer Tiefschnee

AKTIONEN

Newsletter

Festtagsmagazins

Torgau-Plus

Riesenmagazin

Oschatz-Magazin

Azubi-Expo-Digital

INFOS & EMPFEHLUNGEN

laga