Sonntag, 14. August 2022
Freitag, 22. Juli 2022

Mann raucht bei Waldbrandstufe 5 im Torgauer Stadtwald

Blick auf einen Waldweg in Torgau. Für Fahrzeuge ist dieser gesperrt. (Norbert Töpfer)

von Norbert Töpfer

Torgau. Wie verhält man sich richtig, wenn man Menschen auf offensichtliche Missstände aufmerksam macht? Peter Müller vom Polizeirevier gibt Tipps.

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Torgau Unglaublich, aber war: Vorigen Mittwoch sitzt ein Mann am Ende des Separationsweges im Torgauer Stadtwald vor der Brücke in Richtung Stadt auf der Bank und raucht gegen 12.30 Uhr bei 38 Grad Celsius im Schatten in Ruhe eine Zigarette. Als der Autor dieses Beitrages jene Stelle mit seinem Fahrrad passiert, kann es der 69-Jährige nicht glauben. Der Torgauer lässt sich vor Erregung gehen und schreit den Rauchenden an, ob er denn noch klar im Kopf sei.

Und was macht der Raucher? Er schaut den Radfahrer nur an und denkt nicht im Geringsten daran, seine Zigarette auszumachen. Dabei denkt der Senior noch nicht mal an die Folgen, die ein Funken entfachen kann. Der Autor weiß schon nach dem Weiterfahren zwei Minuten später, dass er sich einen Fehler geleistet hat. Er hätte den Mann auffordern müssen, die Zigarette auszumachen. Stattdessen ist er nur wütend aufs Rad gestiegen und weitergefahren.

Zehn Minuten später fragt er Fritz Potzelt, einen ambitionierten Jäger in der Region, was hätte passieren können, wenn der Leichtsinn des Rauchers zum Waldbrand geführt hätte. "Der Wald ist derzeit extrem trocken. Es liegen auch viele trockene Stämme herum. Die Brandgefahr ist riesig", sagt der 68-Jährige, der den Torgauer Wald wie seine Westentasche kennt. Und er fügt an: "Wenn es brennt im Wald, könnte auch die Siedlung neben dem Wald abfackeln. Und unsere Häuser in Nähe des alten Bahnhofes würde es dann vielleicht auch erwischen. Ich habe übrigens heute auch zwei Männer im Forst getroffen, die rauchten. Ich habe sie ermahnt und sie haben ihre Stummel gelöscht."

Bereits am 26. Mai dieses Jahres hatte ein Nachbar des Autors einen noch schlimmeren Fall in Nähe des Benkenteiches erlebt, der ebenfalls zum Torgauer Ratsforst gehört. Am Himmelfahrtstag entdeckte eine Familie aus Torgau beim normalen Spaziergang am Nachmittag in Nähe des Benkenteiches ein Glutnest und daneben einige leere Bierflaschen und Speisereste. Mann und Frau handelten schnell und löschten sofort. An diesem Tag hätte ein schlimmer Waldbrand entstehen können.

Der Vorfall mit dem Raucher an der Brücke passierte am bisher wärmsten Tag des Jahres, als 39 Grad Celsius die Leute ins Schwitzen kommen ließen. Um in solch einer gefährlichen Situation demnächst richtig zu reagieren, hörte sich der Autor um, damit er beim nächsten Mal richtig handelt. Peter Müller, stellvertretender Revierleiter der Torgauer Polizei, klärt auf: "Zunächst ist die Person im höflichen, aber bestimmenden Ton aufzufordern, die Zigarette auszumachen. Wenn sie der Aufforderung nicht nachkommt, muss die Polizei alarmiert werden." Das ist eindeutig. Leider ist es heutzutage oft so, dass die Leute bei solch einem geistlosen Verhalten eines Mitbürgers einfach vorbeigehen.

Besonders kritisch in Bezug auf Waldbrände ist die Lage für die Bewohner der Südseite der Siedlung Am Pflückuffer Wald. Vom Wald bis zu den zwölf Grundstücken betragen die Abstände nur zwischen 15 und 20 Meter. Und wenn der Wald brennt, sind das Abstände, bei denen das Feuer auf die Grundstücke leicht übergreifen kann. Zumal die gebäudefreie Fläche zwischen Siedlung und dem Wald mit trockenem Gras bedeckt ist, was vor Wochen Mitarbeiter der Stadtwerke abgemäht haben. Hinter zwei Häusern haben offenbar die Bewohner diese Fläche zwischen Grundstück und Wald gewässert.

Doch wenn der Wald brennt, rettet das die Grundstücke auch nicht. "Wenn wir an die Waldbrandgefahr denken, wird uns doch ganz schön mulmig. Aber ändern können wir es doch nicht", sagt eine Rentnerin. Sie erinnert sich, dass an Tagen wie jenem Mittwoch, als die Waldbrandstufe 5 ausgerufen wurde, entsprechende Schilder an den Wegen von der Siedlung in Richtung Wald aufgestellt wurden. Diese verbieten, den Wald zu betreten.

Übrigens: Am Sonntag, an dem für Nordsachsen die Waldbrandstufe fünf ausgerufen wurde, gab es kein entsprechendes Schild an den Waldeingängen. Zwischen 9.55 und 10.05 Uhr zählte der Autor dieses Beitrages am alten Bahnhof an der Siedlung am Pflückuffer Wald sechs Jogger, drei Fußgänger und fünf Radfahrer, die aus dem Wald kamen beziehungsweise ihn betraten.

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