Sonntag, 14. August 2022
Mittwoch, 27. Juli 2022

Lieberseer meistert Extrem-Radrennen durch drei Länder

Der Lieberseer meistert bei der Tour des Mont Blanc seine bislang größte radsportliche Herausforderung. 330 Kilometer durch Frankreich, Italien und der Schweiz mit 8300 Höhenmetern hatten die Radrenner zu meistern. (Privat)

von Sven Zschiesche

Der Lieberseer Steffen Schulte hat vor einigen Jahren den Radsport für sich entdeckt und bestreitet inzwischen extreme Touren und Rennen. Vor wenigen Tagen startete er bei einem Extrem-Radrennen durch drei Länder der Alpenregion.

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Radsport Ein Jahr ist es her, da versuchte sich der Lieberseer Steffen Schulte (RSV Bad Liebenwerda) mit einem Everesting am Liebschützberg. Mit dem Ziel, an einem Tag 8848 Höhenmeter (Höhe des Mt. Everest) auf dem Rennrad zu erstrampeln, scheiterte er knapp. Im April dieses Jahres schaffte er die Herausforderung am Rochlitzer Berg (Landkreis Mittelsachsen). Doch damit nicht genug: Vor wenigen Tagen nahm er die nächste Härteprüfung unter die schmalen Reifen. Diesmal am höchsten Berg Europas, dem Mont Blanc.

Die Tour des Mont-Blanc führte ihn durch drei Länder einmal um den europäischen Riesen herum. Für die 330-km-Strecke saß er 18:08 Stunden im Sattel und sammelte dabei knapp 8000 Höhenmeter ein.

Alpe d`Huez live erlebt

Bevor die große Reifeprüfung bevorstand, hatte sich Schulte noch in den französischen Alpen die mythische Etappe der Tour de France nach Alpe d'Huez besucht und die 21 Kehren aus dem Oisans-Tal hinauf in den Skiort auch selbst in Angriff genommen. Zudem sah er die Profi-Rennstars direkt auf der Strecke.

Vor den Leistungen der Tour-Starter muss er sich nach dem Ausflug in die Haute Savoie nicht verstecken, denn die Tour des Mont-Blanc ist nichts für den normalen Hobby-Radler. Sein Startschuss gab es 5 Uhr mit über 450 anderen Solo-Startern in der Früh auf dem Gipfel des Col des Saisies. Danach ging es auf der nördlichen Flanke des Mont Blanc über Chamonix via Col des Montets (1461 m) in die Schweiz. Nach 111 km war zwar ein Drittel der Strecke geschafft, aber noch kein Drittel der Höhenmeter zusammengekommen. "Ich hatte am Anfang eine gute Gruppe erwischt, in der allerdings die Gefahr lauerte, das Rennen zu schnell anzugehen. Auch wenn ich es am Ende ein wenig bereute, so hat es mir doch einen guten Zeitpuffer eingebracht", blickte er nach dem Zieleinlauf zurück.

Scharfrichter Aostatal

Aus dem Schweizer Rhonetal bogen die Marathonis nach Süden ab und mussten auf dem Weg nach Italien mit dem Col du Grand St. Bernard (2473m) erstmals richtig schwer klettern. Wesentlich härter als die Kletterpartie sollte es im italienischen Aostatal werden, das in diesem Sommer wieder zum Glutkessel mutierte. "Nach dem kühlen Gipfel und der frischen Abfahrt, waren die knapp 40 Kilometer im Tal eine regelrechte Tourtur", fasste er die flache Verbindung zwischen den beiden Bernards zusammen, die mit Temperaturen von über 40°C aufwarteten.

Nach knapp zehn Stunden begann er mit der Kletterei auf den Col du Petit St. Bernard (2188 m). Dort wo sich die Blechkarawane durch einen Tunnel unter dem Mont Blanc viel Zeit erspart, legte Schulte in fast genau drei Stunden die Strecke bis zur französischen Grenze zurück. Mit dem Blick auf die Tarantaise ging es wieder ins Tal und nur noch ein Scharfrichter stand bevor: Der Cormet des Roselend (1967 m). "Zwischendurch habe ich tatsächlich überlegt, ob ich auf dem Gipfel aussteige. Jeder Meter wurde zum Kampf. Dann kamen mir die Worte eines befreundeten Radfahrers in den Kopf, der immer sagt: So lange sich die Räder drehen, ist alles gut!" Und die Räder drehten sich noch, auch wenn deutlich langsamer.

Angetrieben von Zuschauern

Noch immer konnte der Lieberseer den Anstieg ohne Pause fahren. Auf dem Roselend bekam er dann den Sonnenuntergang als High Light serviert. Die Verpflegungsstelle dort teilten sich die Radler übrigens mit Trailrunnern, die 144 km und 7500 hm, in 24 Stunden zurücklegten. "Zum Glück war die Abfahrt im Dämmerlicht, denn zwischendurch kamen einige gesplittete Kilometer dazu.", fasste er die letzten Kilometer bergab zusammen. Kurz vor Ende der Abfahrt ließ das Schild der letzten 20 km die letzten Kräfte mobilisieren. Die Veranstalter hatten dabei gücklicherweise die Teilnehmer nicht erst ins Tal rasen lassen, sondern ihnen einige Höhenmeter erspart und am Hang über Hauteluce in den Col du Saisies (1657 m) geführt. Auf den letzten Kilometern eröffnete sich für ihn immer wieder ein Blick auf den Mont Blanc. Wirklich genießen konnte er dies allerdings nicht mehr. "Auf den letzten zehn Kilometern hinauf zum Ziel musste ich zwei Mal absteigen, der Akku war leer. Dass nach 22Uhr noch Zuschauer an der Strecke anfeuerten, war jedoch motivierend, wieder aufzusteigen."

Zu Fuß auf Tour

Kurz nach 23 Uhr überquerte er endlich die Ziellinie in Saisies, stieg erschöpft und stolz bei etwa 10°C vom Rad. Der Stolz war auch in den Tagen danach noch riesig, auch wenn es ihn massiv enttäuschte, dass er die geplante weitere Raderkundung mit Freunden in den Savoyer Alpen absagen musste. Zu sehr machten sich die Strapazen bemerkbar, sodass das Rad stehen blieb, er per Fuß die Umgebung von Albertville erkundete, auf der Aiguille du Midi (3842 m) Abkühlung genoss und etwas früher als angedacht die Heimreise antrat.

Bei der Rückkehr nach Liebersee waren im Gepäck viele überwältigende Eindrücke, aber auch eine wichtige Erkenntnis: "Ohne den Rückhalt meiner Familie und meiner Frau Sandra wäre das alles nicht möglich gewesen. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar."

"Ohne den Rückhalt meiner Familie und meiner Frau Sandra wäre das alles nicht möglich gewesen"

Steffen Schulte

Extremradsportler aus Liebersee

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