Sonntag, 14. August 2022
Mittwoch, 27. Juli 2022

Waldbrand-Bekämpfung zehrt an Kräften

Im Arzberger Gerätehaus werden die Einsatzkräfte von einem Versorgungszug des DRK Torgau/Delitzsch bestens verpflegt. Acht Mitarbeiter kümmern sich um das Wohl der Kameraden. (Nico Wendt )

von Nico Wendt

Unliebsame Kehrtwende beim Waldbrandeinsatz in Lönnewitz: Warum die Feuerwehrleute einen 1000-Meter-Sperrkreis nicht mehr betreten dürfen.

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Arzberg Tag 2 nach dem Großbrand bringt eine unliebsame Kehrtwende. Die Lagebesprechung am Mittwoch um 10 Uhr im Arzberger Gerätehaus: Gerade noch hat Einsatzleiter Klaus Grabein einen "optimistischen" Großüberblick gegeben, wie er es nennt. Man sei dabei, Glutnester zu bekämpfen. Das betrifft die sächsische Seite des Waldgebietes, aber vor allem die brandenburgische. An einigen Stellen steigt noch starker Rauch auf. Den Abschnitt, für den Torgau zuständig war, hätte die Freiwillige Feuerwehr Leipzig übernommen. Den zweiten Abschnitt, den zuvor Beilrode sicherte, löst Torgau ab. Im Vordergrund stände das Ablöschen, so wie wir reinkommen, so Grabein zum aktuellen Stand.

Detonationen

Doch schon im nächsten Satz geht der Arzberger auf ein Problem ein, das alle Pläne über den Haufen wirft. Der ehemalige Flugplatz Lönnewitz und das gesamte Umfeld seien mit Kampfmitteln belastet. "Es gibt ständig Detonationen, die zum Teil bis Arzberg zu hören sind", so der Einsatzleiter. Derweil scheitert auch das Schlagen von Schneisen, weil der anglieferte Bergepanzer ausfällt. Nun sind Alternativen gefragt. Man sieht in den Gesichtern der Frauen und Männer, dass es ein herber Rückschlag ist. "Mit den Erfahrungen in Neiden (gemeint ist der Brand im Sperrgebiet 2021 d.Red.) müssen wir einen Sperr-Radius von 1000 Metern einrichten und sämtliche Kräfte abziehen", spricht Sebastian Klaus, der zum Stab des Kreisbrandmeisters gehört, Klartext. Das bedeutet zugleich, dass ab sofort die Hubschrauber der Bundeswehr mit ihrem Löscheinsatz aus der Luft zumindest in der Gefahrenzone ausscheiden. Aber wie groß die genau ist, weiß keiner.

"Rings um den Flugplatz Lönnewitz befanden sich zu Kriegszeiten Flakstellungen (Flugabwehr), die intensiv bombardiert wurden", erklärt Sprengmeister Jörg Lange vom Kampfmittelbeseitigungsdienst Sachsen. Im Gespräch mit TZ wird er später noch deutlicher: Es gibt in dem Waldgebiet zahlreiche Sprenggruben. Hier sollte Munition vernichtet werden. Man müsse mit allen Kalibern rechnen, mit Granaten und Sonstiges. "Wir haben vor einigen Wochen allein aus diesem Bereich fünf Splitterbomben geräumt", so Lange. Nicht auszudenken, wenn ein Feuerwehrmann zu Schaden kommt. "Jetzt, wo wir diese Information von offizieller Seite haben, müssen wir reagieren und auch die Einsatzleitung in Brandenburg verständigen", fasst Sebastian Klaus zusammen. Wurde einige Minuten zuvor noch überlegt, große Beregnungsanlagen aus der Landwirtschaft im Brandgebiet aufzustellen, ist man erstmal geplättet. Denn es heißt, jegliche Kräfte vorerst zum Arzberger Gerätehaus zurückzuführen und neue Lösungen zu finden. Sogar über eine Evakuierung von Kötten und Elsterberg wird kurzzeitig nachgedacht, weil sie sich im 1000-Meter-Bereich befinden.

Hubschrauber

René Fischer, ebenfalls vom Stab des Landkreises, übermittelt während der Lagebesprechung den Stand der Einsatzleitung aus Brandenburg. Demnach sei die Situation im Elbe-Elster-Kreis entspannter und nicht mehr so akut. Man habe dort zwei Abschnitte gebildet, nämlich "Nord" mit Rehfeld und Kölsa einschließlich Windpark sowie "Süd" mit Lönnewitz und dem ehemaligen Flugplatz. Geplant war, am Mittwoch fünf Lösch-Hubschrauber von 10.30 bis 12 Uhr fliegen zu lassen. Anschließend wollte die Bundespolizei das Gebiet mit einem Hubschrauber erkunden, um mittels Wärmebildkamera Glutnester zu ermitteln. Fischer macht darauf aufmerksam, dass jeglicher Drohnen-Betrieb strikt verboten ist. Die B 183 bleibe bis auf Weiteres gesperrt. "Im Beilroder Abschnitt auf sächsischer Seite haben wir aktuell neun Fahrzeuge und 35 Kräfte sowie einen Traktor mit Anhänger vor Ort. Im Torgauer Abschnitt sind es neun Fahrzeuge, 42 Kameraden sowie zwei Traktoren mit Tank", fügt er hinzu.

Während Klaus Grabein noch die Unterstützung aus Sachsen-Anhalt lobt - ein ganzer Zug mit Kräften habe die ganze Nacht vorbildlich gearbeitet - und beruhigt, dass es bislang keine Verletzten auf sächsischer Seite gibt, wird bereits der Rückzug der Feuerwehren aus dem Sperrkreis veranlasst. Ab sofort soll das Löschen nur noch "von außen" erfolgen. Bürgermeister Holger Reinboth zeigt Verständnis. Es sei das Wichtigste, dass alle Männer und Frauen unversehrt bleiben, sagt er der TZ. Das Oberhaupt lobt darüber hinaus den Einsatz des Versorgungszuges des DRK, das am Gerätehaus die Verpflegung der Kameraden übernommen hat. Die Kosten trägt der Landkreis. Ansonsten hofft er, dass der Großbrand - der am Montag 13.30 Uhr auf brandenburgischer Seite ausbrach und nach Sachsen übergriff - bald gelöscht ist. Nachtrag: Ein Gerücht am Mittwochnachmittag, es sei eine Bombe im Wald entdeckt worden, bestätigt sich nicht. Es handelt sich um eine Übermittlungsfehler, der sich auf den 1000-Meter-Sperrkreis bezieht.

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