Donnerstag, 28. Juli 2022

Auf "Leni" ruhen die größten Hoffnungen der Brandbekämpfer

Maria Schulz, Tochter des Firmenchefs, darf den Löschpanzer vom Typ "Marder" selbst steuern. Die 17-Jährige hat die offizielle Berechtigung. (Nico Wendt)

von Nico Wendt

Die Waldbrand-Bekämpfung hat seit Mittwoch keine großen Fortschritte mehr gemacht. Woran das liegt und welche Schritte der Einsatzstab nun eingeleitet hat, lesen Sie hier.

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Kötten/Lönnewitz Betrübte Gesichter am Tag 3 nach Ausbruch des Großbrandes bei Lönnewitz. Auf einem Feld bei Elsterberg stehen einheimische Feuerwehrkräfte und blicken sorgenvoll auf den Wald, aus dem noch immer dunkle Rauchwolken aufsteigen. Seit Mittwoch mittag darf auf sächsischer Seite niemand mehr das Gebiet betreten, auf dem am Montagabend nach einem Gewittersturm die Flammen lichterloh wüteten. Es gilt ein 1000-Meter-Sperrkreis. Den hat der Kampfmittelbeseitigungsdienst veranlasst, weil das ehemalige Flugplatz-Areal stark mit Munition und Bomben belastet sei. Mehrfach waren starke Detonationen bis Arzberg zu hören.

Doch seitdem die Kräfte aus dem Wald abgezogen wurden, macht die Brandbekämpfung keine Fortschritte mehr. Im Gegenteil. Ein Auflodern des Feuers am Mittwochabend hätten Kräfte aus dem Elbe-Elster-Kreis eingedämmt, wie TZ vor Ort erfährt. Nun beschränkt man sich auf sächsischer Seite darauf, angrenzende Flächen zu bewässern, um ein eventuelles Übergreifen zu verhindern - falls der Wind das Inferno wieder anfacht. Ein Löschwasserbecken der Feuerwehr Eilenburg mit 21 000 Litern Fassungsvermögen wird ständig befüllt. Dazu kommt auch ein Traktor mit Wasserhänger der Agargenossenschaft Arzberg zum Einsatz. Die Tanklöschfahrzeuge wiederum nehmen das Nass im Pendelverkehr auf und sorgen mit dem Ausbringen mittels Strahlrohren für die sogenannte Riegelstellung, wie es fachmännisch heißt.

Darüber hinaus hat die Bundeswehr am Mittwoch mit einem Bergepanzer an der B 183 und an anderen prägnanten Stellen Schneisen geschlagen. Die Ideallösung ist das nicht. Das wissen auch die Feuerwehrleute. Frieder Voigt, Leiter der Unteren Forstbehörde, kommt gegen 10.30 Uhr persönlich vorbei, um sein Unverständnis zu zeigen. "Die Flammen werden wieder größer. Da sind noch intakte Baumbestände. Warum löscht niemand?" Klaus Bechstedt, stellvertretender Kreisbrandmeister, vehement: "Es gilt ein Betretungsverbot. Die Polizei hat uns streng untersagt, in das Gebiet vorzurücken!" Warum es auf brandenburger Seite offensichtlich anders gehandhabt wird, könne man nicht sagen. Selbst für die Löschhubschrauber der Bundeswehr, die am Donnerstagvormittag im Dauereinsatz sind - teilweise sind fünf Maschinen gleichzeitig zu erkennen - gelte ein Überflugverbot in der Sperrzone.

Später wird der TZ-Redakteur im Einsatzstab nochmal explizit auf die drohende Gefahr hingewiesen. Am ehemaligen Militärflugplatz Lönnewitz existierten zu Kriegszeiten Flakstellungen und Sprenggruben. Hier sollten tonnenweise Munition und Bomben vernichtet werden, doch Vieles im Erdreich behielt seine tödliche Wirkung. "Wir werden keine Menschenleben aufs Spiel setzen!", heißt es klipp und klar.

Glücklicherweise trifft gegen 11 Uhr am Donnerstag die größte Hoffnung auf sächsischer Seite ein. Ein Tros mit zwei Panzern, einem T55 Bergepanzer sowjetischer Bauart und einem Löschpanzer "Marder" westdeutscher Bauart. Beide Kolosse sollen das tun, was die Feuerwehrleute nicht mehr dürfen: In das munitionsbelastete Kerngebiet vordringen und Brandstellen und Glutnester ausmerzen. Die DiBuKa GmbH aus Seehausen (Altmark) hat sich auf solche Einsätze spezialisiert. Fünf Stunden war der Konvoi bestehend aus Tiefladern und Begleitfahrzeugen am Donnerstagmorgen unterwegs. Über 300 Kilometer haben die acht Mitarbeiter eigens zurückgelegt. Geschäftsführer Joachim Schulz und Tochter Maria sind zumindest den ostelbischen Feuerwehrleuten noch gut bekannt und werden mit Handschlag begrüßt. Vor zwei Jahren halfen sie mit ihrer Technik beim Großbrand in der Falkenstruth mit. Nun also ein Wiedersehen. Der Löschpanzer "Leni", benannt nach der jüngsten Tochter des Seniorchefs, fasst 8000 Liter Wasser. Die 17-jährige Maria Schulz darf beim anspruchsvollen Einsatz selbst an den Steuerknüppel. Mehrere Tage hat die Mannschaft aus der Altmark eingeplant, um in Lönnewitz den Durchbruch zu erzielen. Schlafen wollen sie vor Ort in ihren Lkw.

Christian Heinrich, Chef der Agrargenossenschaft Arzberg, ist einer von vielen, der auf den schnellen Erfolg hofft. Der Großbrand, der am Montag 13.30 Uhr auf brandenburgischer Seite ausbrach und nach Sachsen übergriff, kam für den Landwirt zur Unzeit. Zehn Mitarbeiter hat er seitdem zur Unterstützung der Wehren abgestellt, obwohl gerade die Getreideernte auf Hochtouren läuft. Wie groß der Schaden allein für seinen Betrieb ist, kann er noch nicht sagen. Wahrscheinlich dürften ein Mais-Bestand stark betroffen und eine Kiefernaufforstung von vier Hektar Fläche komplett zerstört sein. Insgesamt hatte sich der Großbrand am Montagabend auf 850 Hektar ausgeweitet. Auf brandenburger Seite brannte sogar ein Ferkelstall ab. Viele Tiere wurden getötet.

Jens Kabisch, Zweiter Beigeordneter des Landrates, machte darauf aufmerksam, dass die Brandbekämpfung auch in Dresden mittlerweile sehr aufmerksam verfolgt wird. Ministerpräsident Kretzschmer erkundige sich fast täglich. Am Mittwoch war die Präsidentin der Landesdirektion vor Ort und am Freitag werde der Landespolizeipräsident erwartet. Froh sei man über drei Wasserwerfer der Polizei, die eigens zum Löschen zur Verfügung gestellt wurden.

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