Sonntag, 14. August 2022
Dienstag, 2. August 2022

Zwingen die Energiepreise viele Torgauer Haushalte finanziell in die Knie?

Im Bestand der Torgauer Wohnstätten, deren Geschäftsführer Andreas Huth ist, befinden sich derzeit 2667 Wohnungen. Würden hier mit den Jahresendabrechnungen viele Mieter die gestiegenen Kosten nicht begleichen können, hätte das fatale Folgen. Hier, wie überall sind die Vermieter beim Einkauf von Gas und anderer Energie in Vorleistung gegangen. (Foto: Bärbel Schumann)

von Bärbel Schumann

Die Entwicklung bei den Kosten für Haushaltsenergie sind enorm gestiegen. Das hat nicht nur für Mieter Folgen. Auch wohnungswirtschaftliche Unternehmen stehen dadurch vor Herausforderungen.

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Torgau Eine warme Wohnung, Warmwasser zu jeder Zeit - das ist für uns im Alltag Selbstverständlichkeit. Bisher waren die Kosten dafür für Wohnungseigentümer oder Mieter trotz bereits gestiegener Preise aufgrund der Maßnahmen zum Ausstieg aus den fossilen Energieträgern und zum Senken des CO2-Verbrauchs bezahlbar. Anders jetzt. Die Energiekosten beim Wohnen steigen in Deutschland im Zuge der unsicheren Gasversorgung durch den Ukraine-Krieg massiv. "Angesichts des Ernstfalls eines Gasmangels drohen weitere Preissprünge, die noch weit über die bisherigen hinausgehen können. Die sozial orientierten Wohnungsunternehmen kommen durch massiv gestiegene Summen für die Betriebskosten, die sie aktuell in Vorleistung an die Energieversorger zahlen müssen, in Liquiditätsschwierigkeiten", warnt der Verband der Sächsischen Wohnungs- und Immobilienwirtschaft. Das treibe schon jetzt einige Unternehmen an den Rand der Existenz. "Mit Blick auf das kommende Jahr werden im Zuge der Betriebskostenabrechnung viele Haushalte nicht in der Lage sein, die massiv gestiegenen Heiz- und Warmwasserkosten zu bezahlen."

Feste Verträge ausgehebelt

Das sieht auch Andreas Huth, Geschäftsführer der Torgauer Wohnstätten, so. In deren Bestand befinden sich derzeit 2667 Wohnungen und 62 Gewerbeeinheiten. "Mit unserem Gasversorger haben wir bis Ende 2023 feste Verträge für die Versorgung. Aber das nützt uns mit dem Inkrafttreten der Reform des Energiesicherungsgesetzes nichts mehr. Bestehende Verträge werden nun dadurch ausgehebelt", so der Geschäftsführer.

Die Gesetzesreform ermöglicht den Energieversorgern, die signifikant gestiegenen Gaspreise viel einfacher an die Kunden weiterzureichen, vor allem wenn es zu einer weiteren Verknappung kommt. Schon jetzt, nach Informationen des Verbandes der wohnungswirtschaftlichen Unternehmen, gibt es Beispiele, dass Energieversorger Preissteigerungen bei der Fernwärmeversorgung um 300 Prozent den Unternehmen der Immobilienwirtschaft in Rechnung stellten.

Damit stützen die Gesetzesänderungen einschließlich die Energieunternehmen - die Kosten werden allein auf die Wohnungswirtschaft und die Mieter abgewälzt. "Wir als Unternehmen gelangen damit in eine Art Sandwichposition. Wir gehen in Vorleistung gegenüber dem Versorger und erhalten über die Abschlagszahlungen sowie die jährlichen Nebenkostenabrechnungen die aufgelaufenen Kosten erst später zurück", erklärt Andreas Huth.

Angesichts der zu erwartenden Nachzahlungen für Mieter besteht die Gefahr, dass wohnungswirtschaftliche Unternehmen bei Zahlungsunfähigkeit der Mieter auf den Kosten sitzen bleiben. Wie hoch die Gefahr ist, wird an einigen Zahlen deutlich. Durch die neuen Regelungen im Energiesicherungsgesetz können Umlagen, und damit weitere Preissteigerungen, auf den Verbraucher ab Oktober mit bis zu fünf Cent pro Kilowattstunde zukommen.

Mehrkosten bis zu 800 EUR

Andreas Huth rechnet damit, dass für Mieter einer klassischen Durchschnittswohnung Kosten von bis zu 800 Euro anfallen. Geld, dass Unternehmen wie die Torgauer Wohnstätten erst einmal zwischenfinanzieren. Umgerechnet auf 1000 Wohnungen bedeutet das 800 000 Euro. Im Falle insolventer Mieter kann dieser Umstand zudem zu Liquiditätsproblemen bei Wohnungswirtschaftlern führen.

Ein weiteres Problem: Durch die erheblich gestiegenen Vorleistungen steht Geld in anderen Bereichen, vor allem für Investitionen, nicht wie bisher zur Verfügung. Das würde auch für die Torgauer Wohnstätten nicht ohne Folgen bleiben. Immerhin investierten sie im vergangenen Jahr 6,5 Millionen Euro in den Immobilienbestand. Ein Investitionsstau könnte zum Beispiel Auswirkungen auf Erneuerungen im Bereich der Wärme- und Stromversorgung entsprechend der Festlegungen zum Ausstieg aus fossilen Energieträgern, wie im Koalitionsvertrag festgelegt, haben. So wird die Gesetzgebung künftig auch den Unternehmen der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft ermöglichen, selbst Energie durch Solar- und andere Anlagen auf ihren Gebäuden zu erzeugen, um ihre Mieter selbst zu versorgen. "So war das bisher kaum möglich. Will man diese Technik sinnvoll nutzen, bedeutet dies, in nicht gerade geringem Maße aufgrund der Preisentwicklung auch bei den entsprechenden Anlagen zu investieren", sagt Andreas Huth.

Weitere Kosten fallen an

Angesichts des Stufenmodelles zur Umlage der CO2 -Abgabe auf Mieter und Vermieter in den nächsten Jahren fallen weitere zusätzliche Kosten an. Der Verband der wohnungswirtschaftlichen Unternehmen fordert daher vom Staat nicht nur die Energieversorger zu schützen, sondern zeitgleich auch die Mieter.

Wie das aussehen soll? Ein Baustein wäre der Bereich des Kündigungsschutzes für Wohnungen. Ein weiterer: die Belastungen sozial erträglich gestalten - und zwar nicht nur für Empfänger staatlicher Hilfen wie Wohngeld und anderen Leistungen entsprechend der Regelungen im Sozialgesetzbuch. Denn die Mehrkosten schlagen sich markant bis in den Bereich des Mittelstandes unter den Mietern nieder, so erste Untersuchungen. Ein weiterer Baustein: Es muss Lösungen, Angebote auch für Wohnungsunternehmen mit Liquiditätsschwierigkeiten geben. "In Sachsen wurde begonnen, über die Gewährung von zinslosen Darlehen in begründeten Fällen unter bestimmten Voraussetzungen nachzudenken", so Huth. Es sei aber fraglich, ob Betroffene das schultern können, denn ein Kredit muss wieder zurückgezahlt werden. Insofern vom Energieversorger konkrete Preisanpassungen vorliegen, findet eine Anpassung der Nebenkostenvorauszahlungen im Zuge der jährlichen Nebenkostenabrechnung statt. Darüber hinaus besteht unterjährig die Möglichkeit der Anpassung im Einvernehmen zwischen Mieter und Vermieter, um hohe Nachzahlungen zu vermeiden. "Diesbezüglich sind bereits Mieter an uns herangetreten", erklärt der Geschäftsführer. Appelliert wird deshalb an Mieter, sich freiwillig mit ihrem Vermieter in Verbindung zu setzen und höhere Zahlungen zu vereinbaren.

Wo kann man Kosten sparen?

Fest steht die gesetzlich geregelte Mindesttemperatur von 21 Grad Celsius für Wohnräume. Hier bleibt abzuwarten, wie der Gesetzgeber im Krisenfall vorgeht. Nach Erachten des Geschäftsführers sind hier Einsparungen möglich. Die Warmwasserversorgung zu unterbrechen, wie es andere Vermieter in Sachsen schon praktizieren, davon hält Huth nichts. "Ich halte persönlich nichts von so einer zeitweisen Unterbrechung. Der Spareffekt, wenn es überhaupt einen gibt, fällt eher sehr, sehr gering aus", ist der Geschäftsführer überzeugt.

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