Samstag, 3. Dezember 2022
Dienstag, 6. September 2022

Neue Leiterin des DIZ in Torgau wünscht sich "Lern- und Gedenkort für alle"

Elisabeth Kohlhaas übernahm jetzt die Leitung der Gedenkstätte Dokumentations- und Informationszentrums DIZ in Torgau. (Silke Kasten)

von Silke Kasten

Elisabeth Kohlhaas wurde zur neuen Leiterin des Dokumentations- und Informationszentrums Torgau (DIZ) ernannt. Die Vermittlung von Zeitgeschichte ist ihr ein Herzensanliegen

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Torgau Seit längerem ist sie in leitender Funktion im DIZ aktiv - und seit Kurzem fungiert sie nun auch ganz offiziell als neue Leiterin der Gedenkstätte Dokumentations- und Informationszentrums Torgau: Die Politikwissenschaftlerin Elisabeth Kohlhaas tritt damit die Nachfolge des langjährigen Leiters des DIZ, Wolfgang Oleschinski, an, der Ende 2021 in den Ruhestand verabschiedet wurde.

Derzeit steckt Kohlhaas in der Vorbereitung für die neue Dauerausstellung. Dabei widmet sie sich nicht zuletzt der NS-Zeit - einem Forschungsschwerpunkt, der sie schon seit langem beschäftigt. Wie berichtet, wird die neue Schau sich schwerpunktmäßig mit NS-Militärjustiz und -Militärhaft sowie dem DDR-Jugendgefängnis in Torgau beschäftigen. Diese wird voraussichtlich Ende 2023 ihre Tore öffnen.

Dabei ist es Kohlhaas besonders wichtig, eine Brücke in die Gegenwart zu schlagen. "Mein Ziel ist es, die Gedenkstätte für alle attraktiv zu gestalten - egal, ob es sich um Menschen handelt, die sich schon für Geschichte interessieren und viel lesen oder nicht", formuliert Kohlhaas ihren Anspruch. Und tatsächlich hat sie sich sowohl auf dem Gebiet der Zeitgeschichte als auch auf dem der Geschichtsdidaktik profunde Kenntnisse angeeignet.

Aufgewachsen in Nordrhein-Westfalen und Bayern, studierte Kohlhaas nach dem Abitur Politikwissenschaft und Germanistik an der FU Berlin sowie im italienischen Urbino. Es folgten unter anderem Forschungsaufträge an der FU Berlin (Schwerpunkt: NS-Täter). Später baute sie in Mecklenburg-Vorpommern einen freien Bildungsträger mit auf.

In den 90er- Jahren verlegte sie ihren Lebensmittelpunkt nach Frankfurt am Main, wo ihr Mann damals arbeitete. Hier betrieb sie freiberuflich ihr "Geschichts-Büro", wobei sie ihrem thematischen Steckenpferd treu blieb. Zu ihren Aufträgen zählten ein langjähriges Forschungsvorhaben zur NS-Militärjustiz in Aschaffenburg und ein geschichtsdidaktisches Forschungsprojekt in Kooperation mit dem Jüdischen Historischen Institut in Warschau, das von der Uni Leipzig getragen wurde. Zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen flankierten dabei ihre forschende und praktische Tätigkeit.

Besonders begeisterte sie später ihre Arbeit für das Projekt "Sächsisches Geschichts-Camp". Dort haben geschichtsinteressierte Jugendliche die Möglichkeit, vor Ort mehr über Zeitgeschichte zu erfahren.

2016 trat sie die Stelle für Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit im DIZ an. Vor zwei Jahren übernahm sie dann offiziell die Verantwortung für das Mammut-Projekt "Neue Dauerausstellung".

Ihr Wunsch ist es, Torgau als "Lern- und Gedenkort" noch stärker in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. "Hier kann man viel über Diktatur, Ausgrenzung, Unterdrückung und Unrecht erfahren", so die engagierte Politikwissenschaftlerin. "Aber eben auch viel über Widerstand, Zivilcourage und Mut." Das DIZ verstehe sich als "Partner für alle, die Demokratie stärken wollen".

Deshalb will sie vermehrt den Blick in die Gegenwart lenken. "Wir werden dazu ermuntern, eigene Haltungen und Urteile zu überdenken." Die Auseinandersetzung mit der Geschichte solle dazu beitragen, den Wert einer unabhängigen Justiz zu erkennen: "Freiheit für alle kann es nur geben, wenn die Grundrechte gewahrt werden."

Zu ihren Stärken zählt Kohlhaas konzeptionelles Denken und die Fähigkeit, Teams zu leiten. "Ein Vorteil ist sicher auch, dass ich keine Scheu vor Haushaltszahlen habe", ergänzt sie schmunzelnd. Neben ihrer Arbeit liebt Kohlhaas, die zwischen Leipzig und Torgau pendelt, Joggen und Radfahren.

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