Dienstag, 6. September 2022

Belgern früher und heute: Ausstellung blickt auf die Altstadtsanierung

Auf dem Hof des Klosterhofs wurde nach einer kurzen Besichtigung der Altstadt noch zum vom Förderverein St. Bartholomäus angebotenen Brot gegriffen. (Christian Wendt)

von Christian Wendt

Belgern. Da verschlug es sogar eingefleischten Belgeranern die Sprache: Was in drei Jahrzehnten Altstadtsanierung im Ort geschaffen wurde, ist beachtlich.

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Belgern Gerlinde Hille konnte es nicht glauben. Auch wenn die ehemalige Stadträtin und Unternehmerin kurz zuvor noch aus der Erinnerung heraus von schlimmen Wohnzuständen sprach, sorgten die Bilder der neuen Ausstellung im Museum bei ihr für Fassungslosigkeit. So schlimm hatte sie es wirklich nicht mehr in Erinnerung. Große Teile der Belgeraner Innenstadt glichen zu DDR-Zeiten einem heruntergekommenen, trost- und zukunftslosen Wohnquartier. Doch nach drei Jahrzehnten Altstadtsanierung sind diese Eindrücke längst Geschichte.

Am Montag wurde im Museum auf dem Topfmarkt eine Ausstellung eröffnet, die es in sich hat: Die von Stadtverwaltung und der KEM Kommunalentwicklung Mitteldeutschland GmbH konzipierte Rückschau blickt auf viele Errungenschaften zurück, die mit dem Förderprogramm Altstadtsanierung Anfang der 90er Jahre ihren Anfang nahmen. Belgern-Schildaus Bürgermeister Ingolf Gläser (CDU) konnte zur Eröffnung auch einige interessierte Bürger begrüßen, die sich nur allzu gern auf jene Zeitreise einließen, darunter beispielsweise Gerlinde Petersohn aus der Reihzecher Straße.

Gläser würdigte die Weitsicht des damaligen Belgeraner Bürgermeisters Harald Thomas, der 1992 gemeinsam mit dem Stadtrat den Grundstein für die Altstadtsanierung legte. Ursprünglich knapp 20 Hektar groß, war das Gebiet auf Drängen des damaligen Regierungspräsidiums Leipzig jedoch noch ein wenig zusammengedampft worden. Gläsers Dank ging auch an die Belgern-Schildauer Bauamtsleiterin Ute Simon, die nicht nur Archive wälzte und somit maßgeblichen Anteil am Zustandekommen der Ausstellung hat. Simon begleitete die Altstadtsanierung fachlich von Anfang an.

Gleich zu Beginn der sich über zwei Etagen erstreckenden Ausstellung zeigen alte Fotos im Erdgeschoß gefühlt noch ältere Häuserbeispiele aus der Elb-, der Linden- oder auch der Kirschbergstraße. Der Sanierung der Stadtkirche St. Bartholomäus, des Klosterhofs, des alten Elbbergs, der Alten Post oder auch des Rathauses sowie der Neugestaltung des Markplatzes sind sogar eigene Schautafeln gewidmet. "Wer sich dies alles in Erinnerung ruft, kann ermessen, wie stark sich Belgern zum Positiven hin verändert hat", betonte Bürgermeister Gläser. Ohne die Förderung aus dem Programm der Altstadtsanierung sei dies nicht möglich gewesen. Jetzt müsse darauf geblickt werden, das Geschaffene zu erhalten und neue Wege zu finden, wie Belgern für junge Familien attraktiver werden könne.

Im Jahre 2018 war das Ende des Förderprogramms eingeläutet worden. Dieses brachte Belgern ein Investvolumen von etwa 10,5 Millionen Euro. Begonnen als Landessanierungsprogramm wurde es nach Angabe von Constanze Schill-Krutzki zu einem Bund-Länder-Programm ausgeweitet. Ein Drittel steuerte die Kommune bei. Die KEM-Projektleiterin attestierte der damaligen Belgeraner Innenstadt einen desolaten Zustand. Zu den großen Mängeln an der Bausubstanz gesellte sich noch eine überdurchschnittliche Überbauung der Grundstücke. Soll heißen: Es fehlte schlichtweg an Platz. Auch Bürgersteige und Parkplätze fehlten. "Mittlerweile sind fast alle Straßen der Altstadt nach einem einheitlichen und mit dem Denkmalschutz abgestimmten Gestaltungskonzept saniert worden", hob Schill-Krutzki ein Belgeraner Alleinstellungsmerkmal hervor.

 

Kaum zu glauben: In diesem alten Gebäude ist die Bibliothek untergekommen. Ein zusätzlicher Anbau macht das Eckhaus heutzutage zu einem echten Hingucker am Topfmarkt. (Christian Wendt)

 

Manja Neubert, die von 1996 bis 2001 die Altstadtsanierung in Belgern fachlich begleitete, war ebenso ob der guten Zusammenarbeit mit der Verwaltung voll des Lobes. "Vieles konnte damals sehr zügig auf die Beine gestellt werden", sagte die heutige Mitarbeiterin des Landesamts für Denkmalpflege. Noch gut könne sie sich an Beratungstage erinnern, an denen die Belgeraner Schlange standen.

Eine Art Vorbildfunktion für weitere Baumaßnahmen, die nicht über die Altstadtsanierung finanziert wurden, sprach Bauamtschefin Ute Simon dem Förderprogramm zu. So waren beispielsweise in der Reihzecher Straße "nur" acht private Verträge geschlossen worden. In der Folge kümmerten sich jedoch weit aus mehr Bauherren verstärkt um ihren Grund und Boden.

Die Ausstellung kann zu den Öffnungszeiten des Museums/der Bibliothek besucht werden: montags 10-15 Uhr, dienstags 9-15 Uhr, donnerstags 9-12 Uhr sowie 13-18 Uhr, freitags 9-12 Uhr.

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