Freitag, 9. September 2022

Kultur-Spur führt Rätselkönige zur Schatztruhe

Von unserem Redakteur Heiko Betat

Dahlen. Dahlener Schloss- und Parkverein wartet mit einer Premiere zum Tag des offenen Denkmals auf

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Geschichts- und Kulturinteressierte, Erlebnishungrige, Wissensdurstige oder einfach nur Neugierige – sie alle sehen jedes Jahr erwartungsfroh dem zweiten Sonntag im September entgegen. Seit 1993 öffnen sich deutschlandweit zu diesem Zeitpunkt Türen und Tore vielfältigster Denkmale, womit sich für die breite Bevölkerung die oftmals einmalige Gelegenheit für Einblicke in historische Bauten oder Anlagen bietet. Unter dem Motto „KulturSpur. Ein Fall für den Denkmalschutz“ bereichern am 11. September auch in der Region Oschatz mehrere Akteure den diesjährigen Veranstaltungsreigen – unter anderen das Renaissanceschloss Hof, das Barockschloss Naundorf, die Heimatstube Staucha, das Heimatmuseum Strehla, Schloss Hubertusburg in Wermsdorf, Schlosskirche und Schloss Jahnishausen, der Dreiseitenhof Börln … und das Barockschloss in der Heidestadt Dahlen. Womit Letzteres zum Tag des offenen Denkmals aufwartet? Die Antwort hierauf und zu weiteren Fragen gibt Jana Richter, Vorstandsmitglied vom Schloss- und Parkverein Dahlen, im Gespräch am Sonntag.

SWB: Frau Richter, die Offerten zum Tag des offenen Denkmals sind zahlreich, der Tag hat dennoch bloß 24 Stunden. Interessierte müssen sich also entscheiden. Was spricht für Dahlen?

Jana Richter: Es lohnt sich auf jeden Fall, an diesem Sonntag auch nach Dahlen zu kommen. Im Schloss kann man ab 10 Uhr den ganzen Tag über etwas erleben. Ebenfalls am 11. September findet auf dem Kirschberg der Naturmarkt statt. Außerdem kann man an den Besuch bei uns im Schloss eine kleine Wanderung in der nahen Dahlener Heide anschließen.

Was haben Sie für die Schlossbesucherinnen und -besucher vorbereitet?

Wir bieten ein sehr vielfältiges Programm in diesem Jahr. Dieses beinhaltet Führungen zur Schlossgeschichte und zur gegenwärtigen Nutzung, und zwar um 10 und um 12 Uhr. Um gezielt Familien anzusprechen, ist eine spezielle Kinderführung um 11 und um 13 Uhr neu im Programm, die sich vor allem an Mädchen und Jungen im Schulalter richtet. Es können sich aber gern auch jüngere Kinder anschließen, was bei der Zusammenstellung der Gruppen berücksichtigt wird.

Worauf dürfen sich die Teilnehmenden freuen?

Bei der Führung durch das Schloss werden den Gruppen unterschiedliche Aufgaben, Rätsel und Fragen gestellt. Werden diese richtig beantwortet beziehungsweise gelöst, wartet am Ende eine kleine Überraschung auf die Rätselkönige im Schlosskeller: die große Schatztruhe. Allein schon deshalb lohnt es sich, an diesem Sonntag mit der ganzen Familie ins Dahlener Schloss zu kommen. Da wir das erste Mal zu einer Kinderführung einladen, sind wir im Verein schon sehr gespannt, wie das Angebot ankommt.

Welche Empfehlungen für einen rundum schönen Tag des offenen Denkmals in Dahlen gibt es noch?

Die Eltern können, falls sie sich nicht doch einer der Kinderführungen mit anschließen wollen, im Schlosspark spazieren gehen. Auch fürs leibliche Wohl ist in diesem Jahr wieder bestens gesorgt. Es gibt selbst gebackenen Kuchen, Bratwurst und Getränke. Man muss sich ums Mittagessen also keine Gedanken machen.

Die Stiftung Denkmalschutz gab für den diesjährigen Tag des offenen Denkmals das Motto „KulturSpur. Ein Fall für den Denkmalschutz“ aus. Ist das auch in Dahlen ein Thema?

Ja. Das Motto „KulturSpur“ wollen wir bei den Kinderführungen aufgreifen. Das Thema Denkmalschutz spielt bei der Beantwortung der Fragen und dem Lösen der Rätsel ebenfalls eine Rolle. Wir begeben uns mit den Kindern im wahrsten Sinne des Wortes auf die Kultur-Spur.

Das Schloss Dahlen ist mittlerweile eine feste Größe im Veranstaltungsprogramm zum Tag des offenen Denkmals. Was motiviert dazu, sich Jahr für Jahr erneut einzubringen?

Es liegt uns sehr am Herzen, anderen die Geschichte des Schlosses näherzubringen. Der Grund dafür, dass es unseren Verein schon seit mehr als zehn Jahre gibt, ist der Erhalt und die Sicherung des Schlosses. Wir haben schon sehr viel erreicht durch ganz viel Engagement des Vereins, aber auch ganz vieler Menschen, die sich ebenfalls dem Schloss verbunden fühlen. Da ist es folgerichtig, dass wir uns am 11. September, am Tag des offenen Denkmals, beteiligen. Zumal der Tag dazu einlädt, Museen und Denkmäler kostenfrei zu besuchen, sodass die Barriere niedrig ist und dazu ermuntert, einfach mal hinzugehen, mitzumachen, etwas zu entdecken oder wiederzuentdecken. Wir finden, das ist ein sehr schönes Konzept.

Es finden monatlich Führungen durch das Schloss statt. Warum lohnt es sich, zum „Wiederholungstäter“ beziehungsweise zur „Wiederholungstäterin“ zu werden und sich beispielsweise an diesem Sonntag einer der Führungen anzuschließen?

Wir haben viele Besucher, die schon einmal hier waren, die gerne wiederkommen, weil sie es schön fanden. Dadurch, dass wir sehr rührig sind in der Sanierung und Sicherung des Schlosses, ergibt sich auch immer wieder Neues, das die Gäste bei einem Besuch vorfinden können. Aber auch die Ausführungen der unterschiedlichen Gästeführer sorgen stets für neue Erkenntnisse, weil jeder andere spannende Geschichten aus der Schlosshistorie weitergibt. Was er konkret mitteilt, legt jeder Gästeführer übrigens selbst fest.

Welchen „Neuzugang“ können Sie im Schloss vorzeigen?

Zum Tag des offenen Denkmals können wir unseren Besucherinnen und Besuchern ein neues Highlight präsentieren. Uns wurden aus dem Nachlass eines Dahlener Privatmannes Teile einer aus mehreren Tausend Figuren bestehenden Zinnfigurensammlung zur Verfügung gestellt. Es handelt sich um selbst hergestellte und bemalte Figuren, mit denen unter anderem verschiedene Schlachten nachgestellt wurden. Aber auch ganz lustige Figuren, Tiere und Häuser befinden sich darunter. Ein Mitglied unseres Vereins hat Teile der Sammlung aufgearbeitet, sodass diese nun im Schloss präsentiert werden können. Es ist einfach schön anzuschauen. Auch die Herstellung lässt sich anhand von Gussmustern nachvollziehen, was durchaus interessant ist, da es sich doch um ein in gewisser Weise aussterbendes Hobby handelt.

Wenn der von den Vereinsmitgliedern geschulterte Kraftakt am 11. September bewältigt wurde – was sind die nächsten Programmpunkte in den verbleibenden Tagen bis zum Saisonende?

Am nächsten Wochenende haben wir den Waldbesitzertag hier zu Gast im Schloss. Organisiert wird dieser vom Sachsenforst, wir sind der Gastgeber. Es liegen bereits viele Anmeldungen vor. Und wir beratschlagen noch im Verein das Saisonende im Oktober. Hierzu kann ich zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nichts Konkretes mitteilen.

Welche Schwerpunkte setzt der Verein in puncto Sanierung und Sicherung?

Weitere Teile des Schlosses zu sichern, daran arbeiten wir ständig. Nachdem die Sanierung der Nebengebäude abgeschlossen wurde, ist unser nächster Herzenswunsch die Erneuerung der Toranlage. Außerdem wollen wir den Kelleraufgang mit den alten Sandsteinstufen sanieren. Hierzu hat unser Vorstandsvorsitzender schon die Anträge beim Landesdenkmalamt gestellt. Und auch die Förderung bei der Stiftung Denkmalschutz wurde bereits beantragt. Wir hoffen sehr auf einen positiven Bescheid, sodass wir unsere Vorhaben im nächsten Jahr in Angriff nehmen können.

Gibt es schon konkrete Pläne für einen Ersatz der alten Linden beiderseits der Toreinfahrt, deren Fällung nicht wenige sehr bedauerten?

Eine Nachpflanzung ist sinnvollerweise im Zusammenhang mit der Sanierung der Toranlage zu betrachten. Allerdings ist die Stadt Dahlen für die Ersatzpflanzung zuständig. Dessen ist man sich bewusst, weil es sich ja auch um eine Vorgabe des Denkmalschutzes handelt.

Jetzt, in der ersten Septemberhälfte, zeigt sich das Wetter ja noch von seiner milden Seite. Doch mit Beginn der Heizperiode verschlechtern sich durch die aktuellen Probleme die Rahmenbedingungen. Stichwort: Betriebskosten. Fürchtet man im Schloss Dahlen den Winter?

Das Dahlener Schloss verfügt über keine Heizungsanlage und ist deshalb nur von Frühjahr bis Herbst geöffnet. Im Winter pausieren wir. Dadurch, dass wir nicht heizen können, ist das genannte Problem für uns glücklicherweise nicht das ganz große Thema. Andere Kultureinrichtungen haben es da sicherlich schwerer. Gegenwärtig diskutieren wir darüber, ob wir, um Strom zu sparen und um solidarisch zu sein, in der Adventszeit den Weihnachtsstern im Kaisersaal einschalten oder nicht.

Hätten Sie und Ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter im Verein drei Wünsche frei – wie würden diese lauten?

Wünsche haben wir natürlich immer. Auch ganz bodenständige. Zum Beispiel, dass wir weiterhin mit dem Landesdenkmalamt und der Stiftung Denkmalschutz so gut wie bisher zusammenarbeiten. Beide unterstützen uns wirklich sehr. Ohne deren Unterstützung, auch finanzieller Art, wären die Sicherungsmaßnahmen der vergangenen Jahre durch uns als Verein gar nicht zu stemmen gewesen. Außerdem wünschen wir uns weiterhin so engagierte Mitglieder im Verein. Die momentane Situation ist wunderbar. Die Bereitschaft, sich bei Veranstaltungen mit einzubringen, ist groß. Da werden Kuchen gebacken, es wird gegrillt, organisiert – es ist ein sehr schönes Arbeiten. Und das soll sehr, sehr lange noch so bleiben. Hätte man nicht so viele engagierte Leute hinter sich, würde das alles nicht funktionieren. Und wir wünschen uns – nicht nur für uns, sondern für alle – eine Entspannung der politischen Lage, weil die Auswirkungen auf den Kulturbetrieb erheblich sind. Wenn die Menschen den Gürtel enger schnallen müssen und alles unsicher ist, dann wird zuallererst an der Kultur gespart.

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