Mittwoch, 14. September 2022

Torgau: Autofahrer rast vor Polizeikontrolle quer durch die Stadt

Nicht nur schneller als die Polizei erlaubt, sondern ebenso rücksichtslos wie riskant: Wegen illegalen Kraftfahrzeugrennens musste sich jetzt ein junger Torgauer vor dem Amtsgericht verantworten. (dpa)

von Silke Kasten

Torgau. Wegen illegalen Kraftfahrzeugrennens musste sich ein junger Mann vor dem Amtsgericht Torgau verantworten

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Torgau Wenn das Fluchttier Pferd im Straßenverkehr scheut, kann es zu schweren Unfällen kommen. Desgleichen gilt für Autofahrer, wenn ihnen beim Anblick der Polizei die Sicherungen durchbrennen. Ein solcher Fall wurde jetzt vor dem Amtsgericht Torgau verhandelt. Der Tatvorwurf: Illegales Kraftfahrzeugrennen.

Verantworten musste sich der 26-jährige Niclas R. (Name geändert) aus Torgau. Am Ostersonntag, 17. April dieses Jahres, unternahm er am Vormittag mit einem Mercedes eine Probefahrt. Allerdings hatte er es versäumt, das vorgeschrieben Kurzzeitkennzeichen anzubringen. Polizisten fiel dies im Bereich Warschauer Straße/ Dr. Külz-Ufer auf. Sie wollten den Fahrer kontrollieren, nahmen die Verfolgung auf und schalteten das Martinshorn ein. Als Niclas R. dies bemerkte, flüchtete er. Die Anklage warf ihm vor, mit über 100 Stundenkilometern durch die Stadt gerast zu sei - unter anderem durch die Döbernsche Straße, Nordstraße, Welsauer Weg bis zur Güterbahnhofstraße - , dabei Kurven geschnitten und andere Verkehrsteilnehmer gefährdet zu haben. "Das war grob verkehrswidrig und rücksichtslos", so die Staatsanwältin, "und somit strafbar als illegales Kraftfahrzeugrennen."

"Eine Kurzschlussreaktion"

Der gelernte Kfz-Mechatroniker gab die Tat zu. "Ich war mit meiner Verlobten gerade auf dem Rückweg von der Probefahrt", berichtete er. "Als ich die Polizei im Rückspiegel hinter mir sah, war mir gleich klar, dass es um die fehlenden Kennzeichen ging. Ich fuhr dann einfach weiter." Das sei eine Kurzschlussreaktion gewesen, rechtfertigte er sich. Strittig war nun, wie schnell er gefahren war und ob er andere Menschen durch seine Fahrweise gefährdet hatte.

Niclas R. meinte, er habe auf "zwischen 70 und 100 km/h" beschleunigt. Die Kurven habe er aber nicht geschnitten, und an den Kreuzungen hätte seine Verlobte nach anderen Autos Ausschau gehalten.

Die beiden Polizisten, die die Verfolgung aufgenommen hatten, widersprachen dieser Darstellung. "Wir sind kaum hinterhergekommen", berichtete der Polizist, der am Steuer saß. "Der fuhr mindestens 100, eher mehr." Sein Kollege war sich zudem sicher, dass Niclas R. zumindest eine Kurve im Bereich der Bahnhofstraße geschnitten hatte. "Das war absolut rücksichtslos, wie der Gas gegeben hat", schilderte er. Es sei einfach nur Glück gewesen, dass an diesem Morgen wenig auf den Straßen los war.

"Er ist gestraft genug"

Deshalb blieb die Staatsanwaltschaft am Ende bei ihrer Einschätzung, dass der junge Mann wegen illegalen Kraftfahrzeugrennens zu bestrafen sei. Sie forderte eine Strafe von 630 Euro, was angesichts des Strafrahmens für dieses Delikt (Geldstrafe bis zu zwei Jahren Freiheitsentzug) noch recht moderat ist.

Die Verteidigerin plädierte dagegen auf Freispruch. "Man hat meinem Mandanten ja schon vor drei Monaten den Führerschein entzogen", argumentierte sie. "Damit ist er bestraft genug." Zudem verwies sie darauf, dass eine Tempoüberschreitung von etwa 50 Stundenkilometern in geschlossenen Ortschaften ansonsten als Ordnungswidrigkeit mit 320 Euro geahndet würde. Es sei nicht einzusehen, dass Niclas R. strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werde, zumal nichts Schlimmes passiert sei. Zudem sei es nicht erwiesen, ob Niclas R. tatsächlich eine Kurve geschnitten habe.

Mehr als doppelt so schnell

Richter Jonas Luberichs sah dies anders. Die Schilderungen der Polizisten seien glaubhaft gewesen. Er verurteilte den Angeklagten, der früher bereits eine Vorstrafe wegen Fahrerflucht kassiert hatte, zu drei weiteren Monaten Führerscheinentzug sowie 560 Euro Geldstrafe. "Niclas R. hat das Tempo um das Doppelte überschritten", begründete er. "Und er ist blind, mit dreistelliger Geschwindigkeit, in eine Kurve eingefahren." Dass es nicht zu einem folgenschweren Unfall kam, sei allein auf glückliche Umstände zurückzuführen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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