Donnerstag, 15. September 2022

Sören Wachsmann: "Wir lassen nichts unversucht!"

Sören Wachsmann: „Wir möchten einfach den eingeschlagenen Weg der letzten Jahre fortführen." Foto: SWB/HL

Von unserem Redakteur Henrik Landschreiber

Torgau. Sören Wachsmann ist im 7. Jahr Präsident des SC Hartenfels Torgau 04. Im SWB-Gespräch erklärt er, warum er sich ein Signal gegen die Energiekosten-Erhöhung von den Verbänden erhofft.

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SWB: Präsident eines Fußballvereins zu sein, ist seit März 2020 kein Vergnügen mehr, oder?

Sören Wachsmann: Da gebe ich Ihnen vollkommen recht.

Mit welchen Dingen wurden Sie seinerzeit konfrontiert? Waren alle Maßnahmen stets transparent und nachvollziehbar?

Nein, das sicher nicht. Während Corona stellte die Politik alle, also auch die Vereine, vor vollendete Tatsachen. Nach einigen Monaten des Stillstands erhob Hermann Winkler, Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) e.V. seine Stimme für die Amateurvereine. Aber die Lobby für die Basis ist nicht sehr groß. Wie alle Vereine erstellten wir Hygienekonzepte, setzten auf die Kontaktnachverfolgung, schafften Tests und vieles mehr an. Alles umsonst.

Gab es einen Punkt, wo Sie am Verzweifeln waren?

Dass Sporttreiben im Freien in Vereinen verboten war, empfand ich als undenkbar. Von heute auf morgen durften ab November 2020 keine Spiele mehr stattfinden, weil die Politik einen Riegel vorschob. Das war für alle ein Schlag in die Magengrube. Vor allem für unsere vielen Kinder und Jugendlichen. Das Ende des Spielbetriebs kam sehr abrupt. Für uns als Verein war das eine Katastrophe. Als schade empfand ich, dass niemand auf die Top-Virologen gehört haben.

Lassen sich Mitgliederschwund und Einnahmeverluste durch die Pandemie schon beziffern?

Glücklicherweise verloren wir kaum Mitglieder, nur durch die natürliche Fluktuation. Die fehlenden Zuschauereinnahmen fielen schon ins Gewicht, auch wenn wir einen gewissen Teil durch die Senkung der laufenden Kosten kompensieren konnten.

Die erste Herrenmannschaft stieg in der vergangenen Saison fast aus der Landesklasse ab.

Das war dem zweiten Lockdown geschuldet, als es schwer war, alle Spieler und Trainer bei der Stange zu halten. Aus meiner Sicht hätte die letzte Saison sportlich nicht gewertet werden dürfen. Die Quotientenregelung war auch nicht das Gelbe vom Ei. Zehntelpunkte entschieden über Nichtabstieg und Abstieg – mit einem glücklichen Ende für uns.

Ab Oktober wird Energie sündhaft teuer, fast unbezahlbar für Vereine. Welches Szenario droht?

Wenn es zu den angekündigten Preiserhöhungen kommt, können wir den sprichwörtlichen Schalter umlegen und zuschließen.

Haben Sie ein paar Zahlenbeispiele parat, was Sie jetzt an Kosten haben?

Während Corona verbrauchten wir 27.000 Kilowattstunden im Jahr, in Spitzenzeiten schon mal 39.000 Kilowattstunden. Die durchschnittlichen Stromkosten beliefen sich auf 10.000 bis 12.000 Euro pro Jahr. In diesem Jahr sind wir durch den langen, trockenen Sommer schon bei 25.000 Kilowattstunden angelangt, weil die Pumpen ununterbrochen liefen. Dabei haben wir noch kein Flutlichtspiel ausgetragen und trainieren noch im Hellen.

Wie soll in der dunklen Jahreszeit der Trainingsbetrieb abgesichert werden?

Wir wollen den Trainingsbetrieb für die Großfeldmannschaften vorverlegen, Trainingseinheiten zusammenlegen und ab Oktober möglichst in der Halle trainieren, wenn die Bedingungen so bleiben wie bisher. Das Training im Kleinfeldbereich beginnt in der Regel 16 Uhr, das wird Ende Oktober ohne Licht nicht gehen. Auch hier gilt: Das gesamte Training in die Halle verlegen, wird nicht möglich sein. Unsere Wäsche haben wir in der JVA waschen lassen, das geht seit Corona nicht mehr. Noch hoffe ich, dass sich niemand in einer kalten Kabine umziehen und ungeduscht nach Hause gehen muss. Ich hoffe, dass ein Signal aus den Verbänden kommt und die Politik für Vereine die Bremse zieht. Aber zurzeit ist es mir zu ruhig. Mir geht es nicht darum, permanent Spiele unter Flutlicht auszutragen, sondern vielmehr darum, den Trainingsbetrieb in der dunklen Jahreszeit abzusichern.

Sehen Sie in absehbarer Zeit ein Vereinssterben?

Bleibt die Unterstützung weiter so überschaubar, dann ja. Manche Aussage von Ministerpräsidenten empfinde ich als zynisch. Statt Duschen einen Waschlappen nehmen, ist so ein Beispiel.

Wie können Sie die zusätzlichen Kosten abfedern?

Das wird schwer, weil alles einen Rattenschwanz nach sich zieht. Unsere Sponsoren sind in der Vielzahl kleine und mittelständische Unternehmen, die selbst sehen müssen, wie sie ihre Unternehmen aufrechterhalten. Baubetriebe zahlen beim Einkauf drauf, dann steigen für Häuslebauer die Zinsen, sodass Bauen noch teurer wird. Ab Oktober kommt der Mindestlohn von 12 Euro. Im Februar und März 2023 flattern die ersten Nebenkosten-Abrechnungen ins Haus: Ich sehe auf alle erhebliche Mehrkosten und Probleme zukommen. Ich hoffe auf die Bereitschaft unserer Mitglieder und die Möglichkeiten der Sponsoren, die Beiträge und Sponsorengelder weiter zu entrichten.

Was unternehmen Sie als Verein selbst, um Kosten zu minimieren?

Wir lassen nichts unversucht. Zum Beispiel wollen wir das Flutlicht auf LED umstellen, aber die Anschaffungskosten sind nicht ohne. In Zusammenarbeit mit AVANCIS möchten wir eine Solaranlage installieren, um unseren eigenen Strom zu erzeugen. Möglich, dass wir einen Flutlicht-Euro für das Training einführen. Natürlich appellieren wir an alle, kein Licht brennen zu lassen und die Heizung herunterzudrehen, wenn sie nicht benötigt wird.

Ist es eine Option, steigende Kosten auf die Mitglieder umzulegen?

Wir haben uns im Erwachsenenbereich auf einen Jahresbeitrag von 150 Euro geeinigt und appellieren an die Mitglieder, pünktlich ihre Beiträge zu bezahlen. Natürlich haben wir als Verein eine soziale Verantwortung, Kinder und Jugendliche aus sozialen Brennpunkten zu holen und ihnen im Verein eine Heimat zu geben.

Gibt es einen Grund, optimistisch zu bleiben?

Auf das Sportliche bezogen, bin ich immer optimistisch. Unser Aushängeschild, die 1. Herrenmannschaft, wird zumeist mit Spielern aus den eigenen Reihen verstärkt. Wir bauen auf Jungs, die klar im Kopf sind. Auf meinen Vorstand kann ich mich immer verlassen: Wir sprechen mit einer Sprache. Der SC Hartenfels Torgau 04 ist keine One-Man-Show. Ich sehe mich mehr als Moderator mit einem starken Team im Rücken, als ein Alleinunterhalter.

Wird Fußballspielen auf Amateurebene ein Luxusgut?

Ich hoffe, dass die Probleme nur temporär sind. Die Politik ist gefordert, das Ehrenamt zu stärken, auch Sportvereine, welche die Gesellschaft zur Bewegung animieren sollen. Grundtugenden wie Zusammenhalt, Offenheit, Ehrlichkeit und Fairness werden durch die Vereinsarbeit transportiert. Das darf nicht verloren gehen.

Sie sprechen den gesellschaftlichen Auftrag der Vereine an.

Ein Lob an unsere Übungsleiter, die Wert auf Etikette wie das Grüßen oder Bitte und Danke sagen legen. Wir pflegen einen guten Umgangston und es kommt von den Spielern auch etwas zurück. Treffe ich Spieler in der Stadt, gibt es immer ein Hallo und ein Dankeschön für neue Trikots.

Welche Hoffnungen, Wünsche und Träume hegen Sie?

Ich möchte einfach den eingeschlagenen Weg im Verein fortführen, und dann träume ich von einem Kunstrasenplatz.

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