Montag, 19. September 2022

Strom, Gas und Wärme: Preisssteigerungen kommen beim Kunden an

Nichts für schwache Nerven: Der Blick auf die Strom- und Gaszähler wird viele Verbraucher in den nächsten Monaten erschrecken. (Imago Images)

von Silke Kasten

Torgau. Kunden der Stadtwerke müssen sich auf eine Verdopplung von Strom- und Wärmepreisen einstellen. Beim Gas droht sogar die Verdreifachung. Neue Kunden werden nicht mehr angenommen. Die TZ hat zusammengestellt, was genau auf private und gewerbliche Verbraucher zukommt.

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Torgau ?Die Turbulenzen am Energiemarkt werden auch in Torgau zu massiven Steigerungen der Strom- und Gaspreise führen. Die Gründe dafür und weitere Auswirkungen erläuterte Stadtwerke-Chefin Renate Mühlner in einem Gespräch mit der TZ. Damit die städtische Gesellschaft in der Lage ist, auch weiterhin Energie an den Märkten zu beschaffen, beschloss der Aufsichtsrat zudem, in diesem Jahr keine Gewinne an die Stadt abzuführen. Hier alles Wichtige rund um die Stadtwerke im Überblick:

Kosten für Privatkunden: Mühlner rechnet damit, dass sich die Strom-, Gas- und Wärmepreise ab Januar verdoppeln werden. Beim Gas ist sogar eine Verdreifachung möglich. Derzeit versorgen die Stadtwerke in und um Torgau 15 000 private Haushalte sowie 1000 Gewerbetreibende. "Die neuen Preise werden wir in die neuen Abschläge für das Jahr 2023 einrechnen müssen", so Mühlner.

Bislang könnten die Stadtwerke dank langfristiger Lieferverträge noch weitgehend mit Gas wirtschaften, das vor der Krise günstig eingekauft worden war. "Wir haben Rahmenverträge mit Großhändlern und kaufen sukzessiv ein", erläutert Mühlner. "Das Gas für 2022 hatten wir zum Beispiel bis September 2021 erworben. Wir kaufen möglichst dann ein, wenn die Preise niedrig sind." Da diese bekanntlich inzwischen explodiert sind, seien die Stadtwerke gezwungen, weitere Käufe mit Hilfe der Großhändler zu den aktuellen Konditionen zu tätigen.

Gewiss ist: Sollte die Mehrwertsteuer für Gas ab 1. Oktober von 19 auf sieben Prozent gesenkt werden, wie von der Bundesregierung geplant, so werden die Stadtwerke dies komplett an die Kunden weitergeben.

Keine neuen Verträge. "In der derzeitigen Lage können wir keine neuen Kunden aufnehmen", so Mühlner. "Das liegt daran, dass wir nur seriöse Angebote machen wollen." Dies sei aber in der aktuellen Lage, da der Gaspreis an den Börsen exorbitant steige, nicht möglich. Die Verteuerung liege beim Gas zwischen dem 10- oder sogar des 20-fachen des Vor-Krisen-Niveaus.

Die Bestandskunden wüssten die Stadtwerke als zuverlässigen, solide wirtschaftenden Partner zu schätzen, freut sich Mühlner: "Wir genießen einen hohen Vertrauensbonus." Dies zeige ich unter anderem an der geringen Wechselquote.

Sondervertragskunden/Großkunden. "Großkunden sind Sondervertragskunden, mit denen wir immer extra Verträge abschließen", erläutert Mühlner. Da diese oft nur eine relativ kurze Laufzeit hätten, zum Beispiel von ein bis zwei Jahren, seien die Kostensteigerungen für Firmen derzeit meist drastisch. Muss etwa ein Unternehmen aktuell einen neuen Vertrag abschließen, so muss es die aktuell an den Börsen geltenden Konditionen akzeptieren. Neue Großkunden nimmt die Stadtwerke derzeit ebenfalls nicht an.

Gewinne zur Sicherung der eigenen Liquidität. "Als Stadtwerke sind wir verpflichtet, Gewinne zu erwirtschaften", erläutert Mühlner. "Aber diese bleiben immer in der Stadt." In den letzten fünf Jahren hatten die Stadtwerke stets Überschüsse erzielt, von denen sie circa 80 Prozent - meist um eine Million Euro - an die Stadt als Gesellschafter ausschütteten.

"Der Aufsichtsrat hat jetzt beschlossen, dass der Gewinn aus dem Jahr 2021 bei den Stadtwerken verbleibt". Dies sei wichtig, um auch in Krisenzeiten an den Börsen einkaufen zu können, denn dort werden hohe Sicherheiten und Finanzreserven verlangt. Zahlreiche Stadtwerke geraten deshalb aktuell in Bedrängnis; so zum Beispiel die Stadtwerke Leipzig, die kürzlich mit einer 150-Millionen-Euro-Spritze der Stadt unterstützt werden mussten.

Risiko von Zahlungsausfällen. Die Stadtwerke Torgau fürchten, dass es aufgrund der finanziellen Engpässe bei den Kunden zu Zahlungsausfällen kommen wird. "Wir gehen davon aus, dass bis in die Mittelschicht hinein viele Kunden Probleme haben werden, ihre Energierechnungen zu bezahlen", so Mühlner. In solchen Fällen würden die Stadtwerke, wie schon in der Vergangenheit, oft Ratenverträge anbieten, um eine eventuelle Sperrung der Energieversorgung zu vermeiden.

Hinzu kommt für die Stadtwerke das Risiko von Insolvenzen bei Gewerbebetrieben, das größere Löcher in die Kasse zu reißen droht. "Wir befinden uns in Gesprächen mit den Banken", sagt Mühlner. Ziel sei es, auf entsprechende Kreditrahmen bauen zu können. Ein Problem sei diesbezüglich auch das Insolvenzrecht, das dringend reformiert werden müsse; derzeit drohten den Stadtwerken im Fall von Firmenpleiten häufig Rückforderungen.

Aquavita. Im Schwimmbad wurde die Wassertemperatur des großen Beckens bereits von 28 auf 26 Grad reduziert, eine weitere Absenkung auf 24 Grad sei möglich. "Darunter wollen wir nicht gehen", versichert Mühlner. Zudem ist die Sauna, die früher von dienstags bis sonntags geöffnet war, jetzt nur noch von Mittwoch bis Freitag zugänglich, um Energie zu sparen.

Beleuchtung in der Stadt. "Die Umrüstung auf LED-Beleuchtungen, die wir begonnen haben, wird weitergehen", kündigt die Stadtwerke-Chefin an. Man sei diesbezüglich in Gesprächen mit den politischen Entscheidungsträgern. Denkbar sei auch, einige Leuchten ab 24 Uhr abzudimmen oder einzelne Laternen - sofern vertretbar - ganz abzuschalten. Geprüft werde zudem, wie die Weihnachtsbeleuchtung kostensparender ausfallen könnte.

Sparappell. Die Stadtwerke appellieren an alle Kunden, möglichst Energie zu sparen. "Wer seine Zimmertemperatur nur um ein Grad senkt, hat schon bis zu sechs Prozent Energie gespart". Am Ende mache sich diese Anstrengung nicht nur in der eigenen Haushaltskasse bemerkbar. Zugleich komme es allen zugute, wenn sich deutschlandweit die Gasreserven langsamer leeren als befürchtet.

Mühlner betont, dass man die Verbraucher nicht allein lasse. Sowohl Privat- als auch Gewerbekunden stehe man bei Fragen mit Rat und Tat zur Seite.

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