Donnerstag, 22. September 2022

Prozess in Torgau nach brutalem Raubüberfall: Vergebliches Warten auf das Opfer

Amtsgericht Torgau (Silke Kasten)

von Silke Kasten

Ein 25jähriger Kameruner wurde im Juli letzten Jahres in Torgau brutel niedergeschlagen und ausgeraubt. Am Amtsgericht Torgau begann jetzt der Prozess - doch das Opfer schien nicht.

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Torgau Gerichtsdarstellungen im Fernsehen sind meist spannend: Emotionsgeladene Reden und Gegenreden, dramatische Zeugenaussagen. In der Realität bestehen Prozesse zu einem Großteil auch aus: Warten. So auch jetzt am Amtsgericht Torgau. Verhandelt werden sollte ein Raub in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Zwei junge Torgauer sollen einen 25-jährigen Kameruner Jean L. (alle Namen geändert) brutal niedergeschlagen und ausgeraubt haben. Allein - der Geschädigte kam nicht.

Die Situation gab allen Anwesenden Rätsel auf. Richter Christiansen war sich nämlich sicher, den Geschädigten bereits eine halbe Stunde vor Prozessbeginn in unmittelbarer Nähe des Gerichts gesehen zu haben. Als Jean L. auch eine halbe Stunde nach seiner Ladung nicht erschienen war, begaben sich die Richter und andere Prozessbeteiligte auf die Suche: Sie schauten im Umkreis des Amtsgerichts nach dem Afrikaner und versuchten, ihn telefonisch zu erreichen.

Schließlich wurde auch die Polizei beauftragt, im Bereich des Bahnhofs nachzuschauen, ob Jean F. eventuell wieder die Heimfahrt antreten wolle - denn gemeldet ist Jean F. in einer Stadt im Nachbarland. Doch vergeblich. Und ohne die Aussage des Geschädigten habe es keinen Sinn, die übrigen vier Zeugen zu vernehmen, so das Gericht. Unverrichteter Dinge wurden sie deshalb wieder nach Hause geschickt.

So blieb es an diesem Vormittag bei der Verlesung der Anklage - und die hatte es in sich: Der 20-jährige Stefan S. und der 22-jährige Karsten F. sollen in den frühen Morgenstunden des 17. Juli 2021 den Afrikaner im Bereich des Glacis attackiert und ausgeraubt haben. Zunächst soll einer der beiden Jean F. einen Faustschlag ins Gesicht verpasst haben. Der zweite Täter habe das Opfer dann von hinten traktiert. Als der Kameruner Richtung Bahnhof flüchtete, verfolgten sie ihn. Schließlich stürzte der Jean L. in ein Gebüsch, wo Stefan S. und Karsten F. weiter auf ihr Opfer einschlugen und traten. Sie entwendeten ihrem Opfer eine Bauchtasche mit Geld, zwei Handys und eine Armbanduhr im Gesamtwert von rund 2900 Euro. Beide Täter flüchteten, doch Stefan S. konnte wenig später gestellt werden. Das Opfer erlitt blutende Wunden und erhebliche Schmerzen. Stefan S. und Karsten F. wird deshalb gemeinsamer Raub in Tateinheit mit gemeinsamer gefährlicher Körperverletzung vorgeworfen.

Die Anklage legte Stefan S. zudem weitere Delikte zur Last. So soll er am 17. Oktober 2021 in der Torgauer Bar "Deja Vu" einen anderen Mann attackiert und an Gesicht und Schulter verletzt haben. Zudem wird ihm vorgeworfen, am 1. Januar 2021 gegen 5 Uhr die Scheiben des Garderobenraums im Kulturhaus zerschlagen zu haben (Sachschaden: 700 Euro). Schließlich soll er am 5. März dieses Jahres in der Eilenburger Straße in den Kotflügel eines dort parkenden Autos getreten haben (Sachschaden: 724 Euro).

Da Stefan S. zum Zeitpunkt der Taten Heranwachsender war, muss noch geprüft werden, ob auf ihn das Erwachsenen- oder das Jugendstrafrecht anzuwenden ist. Bei Karsten F. wird das Erwachsenenstrafrecht Anwendung finden. Beide Täter sind von Verteidigern vertreten. Dies gilt auch für den deutschen Geschädigten, der in der Bar "Deja Vu" geschlagen wurde; er hat einen Nebenklage-Anwalt beauftragt. Dem Kameruner Jean F., der zweimal bereitwillig bei der Polizei aussagte, steht bislang weder ein Rechtsanwalt noch ein Mitarbeiter einer Opferberatungsstelle zur Seite.

Die Verteidiger der beiden Angeklagten hatten angekündigt, dass sich ihre Mandanten zunächst nicht zu dem Vorwurf des Raubes äußern wollen. Sie werden zunächst die Aussagen des Opfers abwarten und sich dann gegebenenfalls einlassen.

Der Prozess wird nun zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt.

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