Donnerstag, 12. Dezember 2019
Montag, 23. Februar 2015

LOKALGESCHEHEN

Eine rollende Tierarztpraxis

Die Werdauerin Eileen Heinrich gründete die erste mobile Tierarztpraxis in der Region. Foto: TZ/Engel

von unserer Volontärin Kristin Engel

Werdau. „Nun kann es los gehen!“, sagt Eileen Heinrich aus Werdau. Erst in der letzten Woche wurde ihr Auto mit den entsprechenden Aufklebern bestückt. Sie hat sich einige Taschen und Gerätschaften zugelegt, die man als Tierärztin benötigt. Auch das „Okay“ der Landestierärztekammer und dem Veterinäramtes erfolgte bereits.

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Werdau. „Nun kann es los gehen!“, sagt Eileen Heinrich aus Werdau. Erst in der letzten Woche wurde ihr Auto mit den entsprechenden Aufklebern bestückt. Sie hat sich einige Taschen und Gerätschaften zugelegt, die man als Tierärztin benötigt. Auch das „Okay“ der Landestierärztekammer und dem Veterinäramtes erfolgte bereits. Nun kann es also tatsächlich los gehen mit der mobilen Tierarztpraxis.
Die Idee hierzu hatte sie, als sie in einer Tierarztpraxis in der Region arbeitete. Oft stellte sie fest, dass es für die Leute mit ihren Tieren zum Teil schwierig war, den Weg in die Praxis anzutreten. „Für Tierbesitzer mit kleinen Kindern kann es zum Beispiel sehr anstrengend sein, zum Teil mehrere Stunden in der Praxis zu sitzen. Es gibt natürlich auch Tiere, die Angst haben oder mit anderen Tieren unverträglich sind und daher nicht in einem Warteraum mit vielen anderen Tieren sein können. Auch für ältere Leute ist der Weg mit einem kranken Tier oft beschwerlich.“ Daher bietet sie an, die Tiere in ihrem gewohnten Zuhause zu behandeln. Wenn es erforderlich ist, kann sie ihre Patienten auch mit dem Auto in eine naheliegende Klinik oder in umliegende Praxen schaffen. „Ich bin quasi Notfallambulanz und Krankenwagen in einem.“ Ein Service, den es in der Region kein zweites Mal gibt. „Erst in Dresden gibt es die nächste mobile Tierarztpraxis. Ich habe hier diese Lücke erkannt und sehe mich als Ergänzung zu den ortsansässigen Tierarztpraxen.“

Erfahrungen in diesem Bereich bringt Eileen Heinrich natürlich bereits mit. 2010 schloss sie ihr Veterinärmedizin-Studium in Leipzig ab, arbeitete eineinhalb Jahre am Institut für Veterinär-Pathologie als wissenschaftliche Assistentin und ab 2012 als praktizierende Tierärztin. Sie sammelte viele Erfahrungen in Tierarztpraxen in Mühlberg und Langenreichenbach. Nun der Schritt in die Selbstständigkeit. „Ich wollte bereits als Sechsjährige Tierärztin werden. Den Tieren zu helfen war schon immer ein wichtigstes Anliegen für mich.“ Als echtes Bauernmädchen wuchs sie in der Altmark auf. Oft entschwand sie still und heimlich aus dem Kindergarten, um ihrer Oma im Schweinestall bei den kleinen Ferkeln zu helfen – sehr zum Leidwesen ihrer Kindergartenerzieher, die bald wussten, wo sie das entschwundene Kind wieder finden konnten. „Ich habe zum Beispiel Küken große gezogen. Alles was nicht bei drei auf dem Baum war habe ich mitgenommen und gepflegt. Eben alles, was man als Bauernmädchen so macht“, erinnert sie sich. Erst im letzten Jahr hat sie rund 20 Katzen aufgenommen, gesund gepflegt und vermittelt. Einmal waren elf Katzen gleichzeitig bei ihr zuhause. „Das war schon ziemlich anstrengend“, gibt die 30-Jährige zu. Sie unterstützt zudem den Verein TSV Notpfote Animal Rescue Düsseldorf. „Das ist ein Verein, der Tiere vermittelt. Der ursprüngliche Schwerpunkt lag auf der Vermittlung älterer Tiere, die ein Zuhause suchen. Doch heute ist das Aufgabenfeld des Vereins weit gefächert. Er arbeitet vom Ruhrpott aus mit Rumänien, Ungarn und Deutschland zusammen“, erklärt die Werdauerin. Sie erinnert sich noch sehr gut an eine Aktion, bei der sie vom Verein mitten in der Nacht nach Hannover geschickt wurde, um dort einen kranken Hund abzuholen. Am nächsten Tag musste sie in der Tierpraxis wieder ihren Mann stehen. Bei den Kastrationsaktionen in den Auffangstationen ist sie regelmäßig mit dabei. „Auch wenn es sehr anstrengend ist, ist es wahnsinnig schön, hier helfen zu können.“ Dem Verein hat sie auch noch etwas anderes zu verdanken. Und zwar ihre mittlerweile etwa eineinhalb-jährige Hundedame Lena, die sie über den Verein ursprünglich hier in Deutschland vermitteln sollte. „Lena wurde, wie viele ungarische Hunde zur Tötungsstation gebracht. Die Leute dort in Györ arbeiten sehr eng mit dem Tierheim zusammen, sodass Lena mit ihren Geschwistern dorthin gebracht wurde. Dort war es aber sehr eng, sodass das Tierheim die Notpfoten um Hilfe gebeten hat. Die haben hier nach Pflegestellen gesucht und so ist Lena dann bei uns gelandet und nie mehr gegangen.“

Auch für die Zukunft hat sie viele Ideen. So möchte sie einen Förderverein für Tierheime und Naturschutzprojekte mitgründen. „Sieben Gründungsmitglieder sind bereits dabei“, sagt Eileen Heinrich. „Die Idee dahinter ist, dass wir die Tierheime bei verschiedenen Arbeiten unterstützen. So würden wir zum Beispiel bei diversen Bauprojekten mit anpacken. Wir können Aufklärungsarbeit leisten, Gelder sammeln, oder auch ein Naturschutzprojekt auf die Beine stellen.“ Auch hier schwebt ihr bereits einiges vor. Denn da sie selbst regelmäßig mit Lena auf den Elbwiesen unterwegs ist, bemerkt sie besonders den Müll, der hier hinterlassen wird. „Man könnte eventuell gemeinsam mit den Pfadfindern und anderen Freiwilligen die Elbwiesen bereinigen – mit einem Basar und all dem. Alle hätten Spaß und es würde etwas Gutes dabei raus kommen.“ Doch erst einmal konzentriert sie sich auf ihren neuen Weg mit der mobilen Tierarztpraxis. Um zu wissen, was nun genau auf sie zukommen wird, besuchte sie ein Existenzgründerseminar. „Ich habe auch einen Coach, der mich wirklich sehr gut unterstützt.“ Nun fehlen nur noch Kleinigkeiten. So muss die Homepage fertiggestellt werden. Doch eigentlich kann es nun los gehen. Sie ist motiviert und arbeitet nach dem Motto: „Im Zweifel immer für das Tier.“

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