Mittwoch, 12. August 2020
Samstag, 10. Dezember 2016

LOKALGESCHEHEN

Wird aus häßlichem Entlein bald ein stolzer Schwan?

Ein wenig digital retuschiert und mit großem Namenszug versehen: Das Torgauer Bahnhofsgebäude. Foto: Grafik: agentur BAHNSTATT

von unserem Redakteur Christian Wendt

Torgau. Noch im Mai fragte LINKE-Stadtrat Karl-Friedrich Potzelt, wer denn bitteschön die Katze im Sack kaufe? Mittlerweile ist klar: Die Stadt. Doch handelt es sich weder um eine Katze noch um einen Sack. Es ist der Torgauer Bahnhof - vielfach kritisiertes, wie auch immer Aushängeschild der Großen Kreisstadt an der Elbe.

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Torgau. Noch im Mai fragte LINKE-Stadtrat Karl-Friedrich Potzelt, wer denn bitteschön die Katze im Sack kaufe? Mittlerweile ist klar: Die Stadt. Doch handelt es sich weder um eine Katze noch um einen Sack. Es ist der Torgauer Bahnhof - vielfach kritisiertes, wie auch immer Aushängeschild der Großen Kreisstadt an der Elbe.

In der vergangenen Woche nun hat die Stadt nach Angabe von Bürgermeisterin Romina Barth (CDU) den Kaufpreis an den bisherigen Eigentümer überwiesen. Dabei beläuft es sich laut Stadtratsbeschluss um eine Summe von 250 000 Euro, wovon – falls öffentlich genutzt – bis zu 90 Prozent über Fördergelder getragen werden. Nun soll es daran gehen, der Absicht, das Einfallstor zur Stadt aufzuhübschen, auch Taten folgen zu lassen.
Einen Überblick über den bisherigen Planungsstand gab in dieser Woche Stephan Wilhelm. Was, den Namen haben Sie noch nie gehört? Wilhelm ist Geschäftsführer der „agentur BAHNSTADT“, die sich der Entwicklung von Bahnhofsobjekten verschrieben hat und mit der Koordinierung diverser Teilprojekte für den gestern feierlich eröffneten Wittenberger Hauptbahnhof ein weiteres Prestigeobjekt vorweisen kann.

Von einer feierlichen Eröffnung eines attraktiven Bahnhofs ist man in Torgau derweil noch um einiges entfernt. Einer, der sich über den aktuellen Zustand besonders ärgert ist Jürgen Hülse. Der Torgauer war bis 1998 stolze 40 Jahre lang auf dem Bahnhof beschäftigt. Hier hat er von der Lehre an eine Vielzahl an Stationen durchlaufen sowie Hochs und Tiefs erlebt. Doch so, wie der Bahnhof jetzt aussehe, drücke es ihm den Hals zu, sagte der Senior während der Präsentationsrunde im kleinen Ratssaal. Wenigstens müsste regelmäßig gekehrt werden. Vom Durchwischen mal ganz zu schweigen.

Doch Stephan Wilhelm schwebt deutlich mehr als nur das Kehren vor. „Wir wollen den Bahnhof wieder mit Leben füllen“, sagte er. Wie dies aussehen könnte stellte Wilhelm anhand von Beispiel-Bahnhöfen im mitteldeutschen Raum vor. Unter anderem kam er dabei auf die Einrichtungen in Falkenberg/E., Bad Schandau, Naunhof, Bad Belzig oder auch Haldensleben zu sprechen, die allesamt einen gewissen Vorzeigecharakter haben. Diesen hat auf jeden Fall auch der 140 Jahre alte Bahnhof in Lübbenau, in dem Besucher dank der Arbeit von Kunstschaffenden in die Sagenwelt des Spreewaldes eintauchen können. Hier kann im „Gemach des Wendenkönigs“ genächtigt oder die Eisenbahnromantik des Spreewaldexpresses „Abteil Miss Marple“ genossen werden – heißt es in der Werbung. Insgesamt elf Zimmer machen das Übernachten im Bahnhof zu einem unvergesslichen Erlebnis. „Wir hätten nicht gedacht, dass das derart gut läuft“, sagte Wilhelm.
Dass jener Pensionsgedanke auch in Torgau zum Tragen kommt, ist anhand der Rahmenbedingungen jedoch zweifelhaft. Denn alle bisherigen Mieter, so Wilhelm, hätten bereits bekundet, auch weiterhin im Bahnhof verbleiben zu wollen. Im Schnitt 1550 Reisende pro Tag sind auch ein gewichtiges Argument, zumal die Fahrgastzahlen in den vergangenen Jahren auch dank der S-Bahn-Anbindung stetig gestiegen seien.

Um aufzuzeigen, wie der Bahnhof künftig genutzt werden könnte, begann Wilhelm erst einmal mit einem „Allerweltsproblem“ – nämlich der Frage, wo Reisende auf Toilette gehen können. Angedacht ist, die Keller-Toiletten des Bistros für alle zugänglich zu machen und ins Erdgeschoss zu verlegen. Notwendige Reparatur-Arbeiten an der Kassettendecke in der Wartehalle, Arbeiten am Mauerwerk sowie den Türen dürften da gewiss das kleinere Problem sein. Derzeit sind etwa 50 Prozent des – Achtung: nicht unter Denkmalschutz stehenden! – Objekts vermietet. Für den Rest, so die Überlegungen, könnte unter anderem ein Fahrradverleih respektive eine Radstation in Frage kommen. Die bisherigen Unterstellmöglichkeiten für Räder sind nach Angabe Wilhelms an der Kapazitätsgrenze, sodass hier ohnehin über eine Verbesserung der Situation nachgedacht werden müsste. Stichwort abschließbare Fahrradboxen. Für einen Radverleih biete sich an, mit den Bahnhöfen in Riesa und Wittenberg zu kooperieren. Tagestourer auf dem Elbradweg könnten hier, egal aus welcher Richtung sie anreisen, problemlos ihre Räder wieder abgeben und mit dem Zug weiterfahren.

Demnächst sollen über die Internetadresse www.bahnhof-torgau.de nicht nur die freien Mietflächen im Objekt beworben werden. Vielmehr verspricht sich BAHNSTADT auch ein Sammelsurium an Ideen aus der Bevölkerung, wie die Freiflächen vor allem im Obergeschoss möglicherweise auch noch genutzt werden könnten – fernab bereits bestehender Vorstellungen. Dazu soll es spezielle Formulare geben, die einfach elektronisch übermittelt werden können. Zuerst müssen jedoch die Räumlichkeiten genau vermessen werden. Realistische Zielstellung für die Aufschaltung, so Wilhelm, wäre dann Ende Januar. Die Aufwertung des Bahnhofareals würde indes nicht nur durch ein attraktiveres Bahnhofsgebäude erfolgen. So laufen bei der Bahn derzeit parallel Planungen, die Bahnsteige samt Vordach zu sanieren. Allerdings wurde am Mittwoch im Rathaus deutlich, dass es hierfür noch einiges an Abstimmungen bedarf, zumal die Frage steht, ob Busreisende bequem und direkt den Bahnsteig erreichen können oder möglicherweise durchs Bahnhofsgebäude geleitet werden. Hier zeigte sich, dass sich die Interessen des Zweckverbands für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) nicht unbedingt mit den wirtschaftlichen Interessen der Mieter im Bahnhof decken. Die Bahn hat bereits signalisiert, mit der Sanierung des ersten Bahnsteigs, immerhin 170 Meter lang, Mitte 2018 beginnen zu wollen. Der zweite solle nach Angabe der Oberbürgermeisterin wohl 2022 folgen.
In diesem Zusammenhang soll auch überlegt werden, inwiefern der ehemalige Bahnübergang in der Dommitzscher Straße reaktiviert werden kann – möglicherweise auch mit einer Unter- oder Überführung. Hintergrund ist eine bessere Anbindung des Bahnhofareals an den Stadtteil Nordwest.

Für den fraktionslosen LINKE-Stadtrat Peter Deutrich steht fest: „Wir wollen nicht nur Mängel am Bahnhof abstellen. Andere Städte haben gezeigt, was man aus einem Bahnhof trotz einiger berechtigter Risiken machen kann. Warum soll uns das nicht auch gelingen.“ Romina Barth betonte, dass der Bahnhof für die Landesgartenschau 2022 ein Schlüsselobjekt für die Stadt sei. „Wir sollten das Projekt so schnell wie möglich nach vorne bringen“, sagte Gabriela Fröhlich vom ZVNL abschließend.

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