Samstag, 3. Dezember 2022
Donnerstag, 1. Juni 2017

"Dazu braucht es Mut"

Corinna Thalheim (Betroffeneninitiative Mißbrauch in DDR-Heimen), Dr. Christine Bergmann, Prof. Dr. Jens Brachmann, Psychologe Norbert Prinz, Sabine Büchner, Prof. Dr. Barbara Kavemann und Gabriele Beyler. Foto: TZ/C. Wendt

PI/cw

Torgau. Die ehemalige Bundesfamilienministerin (1998-2002) Dr. Christine Bergmann, stattete der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau in dieser Woche einen Besuch ab.

 

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Grund ihres zweitägigen Aufenthalts waren vertrauliche Anhörungen mit neun von sexuellem Missbrauch betroffenen Opfern in DDR-Heimen. Die Kommission, der neben Bergmann auch Prof. Dr. Barbara Kavemann und Prof. Dr. Jens Brachmann angehören, habe damit dem Wunsch Betroffener entsprochen, die intensiven persönlichen Gespräche in einer ihnen vertrauten Umgebung zu führen, hieß es hierzu in einer Pressemitteilung. „Wir müssen für die Bereitschaft der Betroffenen, ihre Geschichten zu erzählen, äußerst dankbar sein.

Das klingt zwar einfach, bedeutet aber für jeden Einzelnen, noch einmal Unrecht, Leid und Missbrauch zu durchleben“, sagte Gabriele Beyler, Vorstandsvorsitzende des Trägervereins der Gedenkstätte. Dazu brauche es Mut. Eine Aufarbeitung sei ohne die Betroffenen kaum möglich, da Missbrauch nicht in Akten dokumentiert sei. Zudem verwies Beyler auf das zweite öffentliche Hearing „Sexueller Kindesmissbrauch in der DDR“ der Aufarbeitungskommission am 11. Oktober 2017 in Leipzig. In diesem Rahmen sprechen Betroffene und Experten erstmals öffentlich auch über Missbrauch in DDR-Heimen.

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs hatte im Mai 2016 ihre Arbeit aufgenommen. Sie will Ausmaß, Art und Folgen sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in der Vergangenheit aufzeigen, eine breite öffentliche Debatte anstoßen und zur Anerkennung der Opfer beitragen. Hierzu ermöglicht die Kommission bundesweit Betroffenen das Sprechen in vertraulichen und öffentlichen Anhörungen.

Mit der Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs in der DDR und damit auch in den dortigen Heimen setzt die Kommission einen weiteren Schwerpunkt innerhalb ihrer Arbeit. Das 14. Heimkindertreffen im September des vergangenen Jahres in Torgau signalisierte mit der Vorstellung und Teilnahme der Aufarbeitungskommission den Beginn der Aufarbeitung. Seitdem wurden zahlreiche vertrauliche Anhörungen durchgeführt.

„Es ist schon sehr beeindruckend mit welcher Intensität sich die Kommission dieser Aufgabe widmet. Bedenkt man, dass es fünf Jahre brauchte, bis der Bundestag nach der Missbrauchsdebatte 2010/2011 die Einrichtung einer unabhängigen Aufarbeitungskommission beschloss, kann man vor dem Engagement der Kommissionsmitglieder, die alle ehrenamtlich tätig sind, nur den Hut ziehen“, bemerkt Gabriele Beyler. Gegenüber der Torgauer Zeitung machte sie deutlich, dass die Aufarbeitung nicht in Zusammenhang mit der Zahlung möglicher Entschädigungsleistungen steht.

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