Samstag, 25. September 2021
Montag, 18. September 2017

"Hat Mut gemacht und bestärkt"

Matthias Grimm-Over im Zeitzeugengespräch mit Elisabeth Kohlhaas.Foto: TZ/Leukhardt

Nick Leukhardt

Zeitzeugengespräch im DIZ Torgau zum Olof-Palme-Friedensmarsch 1987

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Torgau. Der Saal war voll besetzt, als es am Samstagnachmittag im Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) Torgau um den Olof-Palme-Friedensmarsch am 11. September 1987 ging. Im Mittelpunkt stand ein Gespräch mit Matthias Grimm-Over, das Elisabeth Kohlhaas vom DIZ Torgau mit ihm führte. Er hatte die Beteiligung der kirchlichen Gruppen und Regimekritiker in Torgau an diesem Friedensmarsch des Staates mitorganisiert. Andere Zeitzeugen saßen im Publikum und trugen ihre Erinnerungen und historischen Bewertungen bei. Darunter waren als damalige Vertreter der evangelischen Kirche der frühere Superintendent Hans-Christoph Sens und auch Christian Sachse, als Jugendpfarrer ein weiterer Organisator der Aktionen. Fotos von Erdmute Bräunlich und Ulf Podbielski, einige davon erstmals öffentlich gezeigt, sowie Aufnahmen der Stasi-Kreisdienststelle Eilenburg gaben einen Eindruck vom Geschehen rund um die Kundgebung.

Bis zum Ende der DDR blieb der Olof-Palme-Friedensmarsch, der in Ost und West stattfand, die einzige vom Staat organisierte Demonstration, zu der auch Regimekritiker zugelassen waren. Von Stralsund bis Dresden, dem Weg des Friedensmarschs in der DDR, gingen sie auf die Straße und nahmen an sogenannten Pilgermärschen teil. In Torgau waren es am 11. September 1987 etwa 60 bis 80 unabhängige Demonstranten, erinnerte sich Grimm-Over. Auf ihren Plakaten traten sie beispielsweise für einen Zivildienst und für die Abschaffung des Wehrkundeunterrichts, aber auch für eine andere Umweltpolitik ein. Während der offiziellen Kundgebung am Nachmittag wurden sie behindert: Immer wieder mussten sie sich Platz für ihre Plakate erkämpfen, zudem wurden sie von einer Vielzahl der offiziellen Demonstranten geradezu eingekesselt. Schon seit Ende August überwachte die Stasi die kritischen und kirchlichen Gruppen in Torgau.

Grimm-Overs Wohnung wurde am Tag des Friedensmarsches durchsucht. Dass die Hoffnung auf größere Freiräume trügerisch war, zeigte sich bereits am selben Abend, als die Demonstranten im Torgauer Gemeindehaus in der Leipziger Straße festgesetzt wurden und nur nach größten Mühen am offiziellen Fackelzug teilnehmen durften. Die Schikanierungen hatten sich verschärft, nicht zuletzt nachdem Erich Honecker an gerade diesem Tag von seinem Staatsbesuch in der Bundesrepublik zurückgekommen war.

„Wie eine Schwalbe, die zwar noch keinen Sommer macht, ihn aber erahnen lässt“, so beschrieb der Bürgerrechtler Heiko Lietz im Publikum die Wirkung des Friedensmarsches auf die Oppositionellen in der DDR. Der Friedensmarsch war kein Vorbote für die Friedliche Revolution im Herbst 89, aber ein wichtiger Schritt dorthin, weil er beflügelte und Mut machte.

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