Mittwoch, 17. Juli 2019
Samstag, 16. Dezember 2017

TORGAU

Aufstand in Artland

Die Beilroder Oberschüler gestalten ihren „Wert der Freiheit“ auf Leinwand.Foto: TZ/C. Wendt/Gedenkstätte(1)

von unserem Redakteur Christian Wendt

Torgau/Beilrode. Welchen Wert hat Freiheit? Um sich diesem Thema gemeinsam mit Schülern zu näheren, schuf die Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau in Kooperation mit dem Verein BAFF Theater Delitzsch und dem Verein Schweizerhaus Püchau gleich mehrere Denkanreize.

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Im Theaterstück „Durst nach Meer“ ging das Baff-Theater in Zusammenwirken mit der Theaterakademie Sachsen dem „Wert der Freiheit“ nach. Aus Zeitzeugendokumenten und Schriftenreihe der Gedenkstätte sowie den niedergeschriebenen Eindrücken und Gedanken jugendlicher Besucher, verfasste die Autorin Ulrike Zeitz das Theaterstück für das Projekt „Klassenzimmertheater“. Für die Aufführung zeichne Schauspielstudenten der Theaterakademie verantwortlich. Es ist für Schüler ab Klasse 7 geeignet, und wie es der Name „Klassenzimmertheater“ schon verrät: Die Schüler kommen für die Aufführung nicht ins Theater, sondern das Theater kommt an die Schule.

Nach langer Vorarbeit war es am 30. November endlich so weit und „Durst nach Meer“ wurde erstmals in Torgau aufgeführt. Zu Gast waren Schüler des Beruflichen Schulzentrums Grimma, die zum einen die Gedenkstätte besuchten und zum anderen das Theaterstück erlebten. Als Aufführungsort für die Premiere entschied sich Manuela Rummel, die Bildungsreferentin der Gedenkstätte, für die Wintergrüne. „Gemeinsam mit Beate Senftleben haben wir schon einige Projekttage gestaltet, die eine Auseinandersetzung mit eigenen Wertvorstellungen bei Schülern anregen“, so Rummel. „Gerade mit unserem aktuellen Bildungsangebot „Wert der Freiheit“ können natürlich sehr gut Bezüge zur Ausstellung vom Jugendbildungsprojekt wintergrüne hergestellt werden.“

„Durst nach Meer“ spielt im fiktiven Artland – einem riesigen Schiff, in dem jeder  Passagier eine definierte Rolle ausübt. Demjenigen, der schön artig ist und die Regeln befolgt, öffnet sich die Karriereleiter. Doch wehe dem, der die Regeln der Artisten hinterfragt und von dem Schiff fliehen will ... Das Stück thematisiert dabei nicht nur die Ebene des Aufstands gegen das Artigsein. Es zielt auch auf soziale Spannungen, die sich innerhalb von Familien ergeben sowie den inneren Kampf von Individuen, denen systemimmanente Vorteile plötzlich nichts mehr bedeuten.
Bei der sich anschließenden Gesprächsrunde diskutierten die Schüler auch die Frage, ob die Flucht aus einem solchen System eine Lösung sein kann oder jene Insellösung trotz ihrer Einschränkungen individueller Freiheiten für die Allgemeinheit ein Sicherheitsgewinn ist.

Bevor „Durst nach Meer“ erstmals aufgeführt wurde, setzten sich die angehenden Schauspieler in verschiedenen Workshops und Gesprächen auch intensiv mit der Geschichte des Geschlossenen Jugendwerkhofs Torgau auseinander.  
Theateraufführung und Gedenkstättenbesuch können Ausgangspunkt sein, um einen künstlerischen Prozess in Gang zu setzen, in dem sich die Schüler selbst darstellend, fotografierend, bildnerisch gestaltend mit ihrer ganz persönlichen Deutung des Wertes „Freiheit“ auseinandersetzen. Dies kann zum einen von der Schule im Rahmen des Kunstunterrichtes umgesetzt werden. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass ein Medienpädagoge oder eine bildende Künstlerin des Kooperationspartners Schweizerhaus Püchau zugegen ist. Für diesen künstlerischen Projektbaustein entschied sich beispielsweise unlängst die Oberschule Beilrode mit ihren beiden zehnten Klassen. Nachdem sich die Schüler in der Gedenkstätte mit der Geschichte des Geschlossenen Jugendwerkhofs auseinandergesetzt hatten, gestalteten sie unter Anleitung von Martina Jacobi ihren eigenen „Wert der Freiheit“. Dazu wurden Gedanken zur Freiheit auf kleine Leinwände gebannt. Das Projekt kam bei den Schülern und Lehrern gleichermaßen gut an. Die so entstanden „Freiheitsbilder“ von verschiedenen Schulklassen sollen 2018 in der Gedenkstätte einer breiten Öffentlichkeit präsentiert werden.


Weitere Infos zum Projekt und Anmeldungen unter Tel. 03421 714203


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