Donnerstag, 18. Oktober 2018

 
Mittwoch, 17. Januar 2018

TORGAU

Debatte: "Glyphosat ist nicht krebserregend und gesundheitsgefährdend"

Landwirtschaft in Nordsachsen, auch im Landkreis wird Glyphosat verwendet. Foto: Wolfgang Sens

Nick Leukhardt

Da es in letzter Zeit auch in der TZ mehrere Veröffentlichungen zu Glyphosat und Landwirtschaft im Allgemeinen gab, beschrieb der Vorsitzende des Regionalbauernverbandes Torgau, Ehrhard Neubauer, die Sicht der konventionellen Landwirte:

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Ehrhard Neubauer

Einige Wahrheiten über Glyphosat: Glyphosat ist seit ca. 40 Jahren bekannt und wird seit etwa 20 Jahren in Deutschland in der Landwirtschaft eingesetzt. Es ist ein flüssiges Herbizid, das in der Regel vor der Aussaat flächendeckend ausgebracht wird, um Unkräuter wirksam zu vernichten. Die Aufwandsmenge beträgt dabei ca. 0,2 Gramm pro Quadratmeter. Nach zehn Tagen Einwirkzeit wird der Acker für die Aussaat der neuen Kultur vorbereitet, die dann anschließend erfolgt. Nach weiteren 10 Tagen keimen die Saaten und das Wachstum beginnt.

Rund 90 Prozent der konventionellen  Landwirte wenden Glyphosat an und sie konnten auch nach langjährigem Einsatz keine negativen Auswirkungen auf das Wachstum der neuen Kulturen feststellen. Vor dem Hintergrund, dass die jungen Saaten sehr empfindlich sind, kann auf eine negative Einwirkung auf diese, und damit auf eine längere schädigende Verweildauer im Boden nicht geschlossen werden. Dies spiegelt auch die geringe Aufwandmenge wider.

Festgestellt wurde auch, dass durch die Anwendung von Glyphosat die Erträge gesteigert werden konnten. Ursache dafür ist die Verbesserung des Wasserhaushalts im Boden aufgrund des Pflugverzichtes. Jeder Landwirt in unserer Region weiß, dass in vier von fünf Jahren die Ernteerträge durch fehlendes Wasser (meist Frühjahrstrockenheit) negativ beeinflusst werden. Bedingt durch die pfluglose Bodenbearbeitung überstehen die Pflanzen auftretende Trockenperioden besser. Ebenfalls positiv wirkt sich der Verzicht auf den Pflug auf die wichtigen Bodenlebewesen, wie z.B. Regenwürmer aus. Ein intaktes Bodenleben ist die Voraussetzung für höhere Erträge.

Die auch in unserer Region statistisch abgesicherte Ertragssteigerung ist auch ein Ergebnis der Einhaltung der Balance zwischen Bodenlebewesen und Erträgen. Ohne die stetige Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit (Humusgehalt, Bodenlebewesen) sind langfristige Ertragssteigerungen nicht möglich. Durch den Einsatz von Glyphosat wird zudem der Aufwand an Kraftstoff und Arbeitszeit wesentlich verringert. Dies trägt auch maßgeblich, neben der Kostenreduzierung für die in Deutschland produzierten Nahrungsmittel, zu geringeren Umweltbelastungen bei.

Glyphosat ist in allen bisherigen Studien des Bundesinstituts für Risikobewertung als nicht krebserregend und als nicht gesundheitsschädlich bewertet worden. Des Weiteren ist es als nicht bienengefährlich eingestuft. Es ist damit eines der umweltschonendsten Mittel, über die die Landwirtschaft verfügt.

Zurzeit gibt es dazu keine Alternativen. Zu diesem Ergebnis gelangen auch die 27 weltweit tätigen Institute, die vom EU Kommissar für Gesundheit, Vytenis Andriukaitis, mit weiteren Untersuchungen beauftragt wurden. Der derzeitige Zickzack-Kurs der deutschen Politik wird aus Sicht der Landwirte als Ergebnis einer jahrelangen Fehlentwicklung und einer immer weiteren Abkehr von der wissenschaftlichen Betrachtung der Landwirtschaft angesehen.

Immer mehr bestimmen Ideologien, Halbwahrheiten und damit künstlich geschürte Ängste die Richtung der Politik. Ein Ende dieses Kurses ist jedoch zwingend notwendig, da zum Beispiel der Selbstversorgungsgrad in Deutschland seit 1990 von 98% auf derzeit 85% gesunken ist. Gleichzeitig sind die Leistungen der Landwirte deutlich gestiegen, so ernährte ein Landwirt 1990 noch 92 Menschen, heute sind es bereits 145. Diese Produktivitätssteigerung konnte nur durch die Anwendung neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse erreicht werden. Dass Ertragssteigerungen und nachhaltige, umweltschonende Landwirtschaft sich nicht ausschließen, geht auch aus dem ständigen Sinken des Aufwandes an Dünger und Pflanzenschutzmitteln hervor.

Die hochqualifizierten Landwirte unserer Region werden auch in Zukunft Ihre Verantwortung für den Erhalt des Bodens wahrnehmen – er ist und bleibt ihr wichtigstes Produktionsmittel.

Stellungnahme:
Der Vorsitzende der Interessengemeinschaft ökologischer Landbau, Roland Einsiedel, hatte erst kürzlich vor dem Einsatz von Glyphosat gewarnt. Bei der Diskussion müsse man das Ganze sehen und nicht nur die Details. Die ursprüngliche Annahme, dass Glyphosat durch Bakterien im Boden rasch abgebaut wird und nicht in das Grundwasser gelänge, umweltverträglich ist und nur in einem spezifischen, pflanzlichen Stoffwechselweg eingreift, sei nicht haltbar, schrieb er. Wie sich inzwischen zeigt, beeinflusst Glyphosat das Bodenleben in erheblichen Umfang. Glyphosat steht im Verdacht bestimmte Krebserkrankungen im Lymphalischen System zu fördern. Auch die Entstehung von Hauttumoren werde begünstigt. Es sei keineswegs ein umweltfreundliches Herbizid wie angenommen, hatte Einsiedel geschrieben.

>>> Hier gibt es sämtliche Debatten auf einen Blick <<<


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