Dienstag, 16. Juli 2019
Freitag, 19. Januar 2018

TORGAU

Weniger Beißattacken durch Hundeführerschein?

Hund und Halter müssen ein gutes Team sein. Foto: fotolia/philippschumach

von unserer Redakteurin Gabi Zahn

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Torgau/Stuttgart. Wie die TZ berichtete, ist am vergangenen Sonntag ein 41-Jähriger auf der „Alten Werdauer Straße“ von einem großen schwarzen Hund ins Gesäß gebissen worden. Das Echo auf diese Nachricht war groß. Nun hat sich auch die Tierrechtsorganisation Peta in die Diskussion eingeklinkt. Mit der Einführung eines Sachkundenachweises für Hundehalter könnten derartige Vorfälle vermieden werden, sind sich die Tierfreunde sicher.

„Viele Halter können ihre Hunde nicht richtig einschätzen. Somit ist die wahre Ursache für Beißattacken bei ihnen zu suchen – nicht beim Tier. Der Hund hätte gar nicht entkommen dürfen – das Verhalten des Hundehalters war grob fahrlässig und verantwortungslos“, so Jana Hoger, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei PETA. Jeder Hund, der falsch gehalten und behandelt werde, könne zu einer Gefahr für den Menschen werden – unabhängig davon, ob er einer ‚Rasse‘ angehöre oder ein ‚Mischling’ sei, führt sie aus.

Der Hundeführerschein sieht PETA zufolge vor, dass künftige Halter bereits vor Aufnahme eines Hundes einen Theoriekurs absolvieren, bei dem sie das notwendige Fachwissen über eine tiergerechte Haltung und Aspekte wie Kommunikation und Bedürfnisse von Hunden erwerben. Anschließend an den theoretischen Kurs folgt für Halter und Hund ein gemeinsames obligatorisches Praxisseminar in einer Hundeschule.

Ein solcher Nachweis, da ist man sich bei PETA sicher, kann sicherstellen, dass Hundehalter sachkundig mit ihrem Tier umgehen und die Signale ihres Vierbeiners richtig deuten. Eine funktionierende Kommunikation zwischen Hund und Halter ist unerlässlich, um Beißvorfälle zu verhindern. Zudem vermittelt das Training Kenntnisse über die Anforderungen der Hundehaltung, die für ein tiergerechtes Leben der Hunde unerlässlich sind. Die Einführung eines Hundeführerscheins hat laut PETA noch einen weiteren Vorteil: Sie kann Menschen, die sich noch nicht ausführlich mit dem Thema Hundehaltung auseinandergesetzt haben, von einem eventuellen Impulskauf abhalten. Jedes Jahr landen der Tierrechtsorganisation zufolge 80 000 Hunde in deutschen Tierheimen, darunter sehr viele Tiere, die unüberlegt „angeschafft“ wurden.

In Niedersachsen ist der allgemeine Hundeführerschein seit Juli 2013 verpflichtend. Wer in München einen Hundeführerschein absolviert hat, kann sich ein Jahr lang von der Hundesteuer befreien lassen. Ähnlich ist es in Mannheim. Wer in Berlin seit dem 1. Januar 2017 einen Hund neu aufgenommen hat, ist dazu aufgefordert, sich die notwendige Sachkunde anzueignen.

 

Das sagen unsere Leser

Torgau. Das Thema Hundeführerschein polarisiert. Wenn Sie mitreden und wollen, dass auch Ihre Stimme Gehör findet, diskutieren sie auf der TZ-Facebook-Seite mit oder schreiben eine E-Mail an die Redaktion (daniela.rad@tz-mediengruppe.de). Einen Ausschnitt, wie die TZ-Facebook-Nutzer über das Thema debattieren, lesen Sie hier.
Ronny Richter: Die Grundidee eines Sachkundenachweises für Hundehalter könnte ich sogar unterstützen. Mit der polemischen Art von PETA kann ich mich jedoch nicht anfreunden. Die Idee eines Theorie- und Praxisanteils wird wohl nach hinten losgehen. Wenn der „potentielle“ Hundehalter den Praxiskurs nicht besteht, dann darf er keinen Hund führen. Da er dort aber wohl mit seinem eigenen Hund erscheinen muss, kommt dieser dann bei Nichtbestehen des Kurses in ein Tierheim. Oder bekommt der Kursteilnehmer vortrainierte „Leihhunde“ gestellt? Das würde das Ganze erst Recht ad absurdum führen.
Sinnvoller erscheint es mir da, einen grundsätzlichen Maulkorb- und Leinenzwang sowie eine erhöhte Hundesteuer einzuführen, welche bei bestehen eines solchen Kurses aufgehoben beziehungsweise abgesenkt werden.

Martin Lange: Der Gedanke an sich ist gar nicht so verkehrt, aber am Ende ist das nur Geldschneiderei! Diese rassistischen Gesetze bei vermeintlich „gefährlichen Rassen“, welche vom Wurftag an als gefährlich eingestuft sind, ist ein absoluter Witz. Laut Gesetz ist ein „Wesenstest“ ab dem 18. Monat Pflicht.
Eine Liste sogenannter Prüfer könne man beim Ordnungsamt erfragen. Diese ist auf aktuellem Stand von 2010. Leider möchte keiner der aufgelisteten Prüfer in näherer Umgebung einen Wesenstest bei unserem Hund durchführen. Und eine Weltreise mache ich dafür nicht! Unser Hund geht seit der 12. Lebenswoche einmal pro Woche zum Hundesport/Unterordnung (Hundeschule) hat eine Begleithundeprüfung absolviert, nimmt regelmäßig an Wettkämpfen (unterordnen oder Wettrennen) Teil, aber bleibt eben trotzdem ein Listenhund mit erhöhten Steuern, Maulkorb und Leinenpflicht obwohl es noch nie Auffälligkeiten gab. Aber Schäferhund und Co. ohne Sozialisierung ist natürlich nicht annähernd so „gefährlich“.


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