Dienstag, 7. Dezember 2021
Mittwoch, 9. Mai 2018

Erstmals in Deutschland

Jean-Claude Muller (2.v.l.), Daniel Bousser (l.), Siegfried Reiprich (rechts) und Wolfgang Oleschinski.Foto: TZ/Perz

Presseinfo/Christian Wendt

Zum Tag der Befreiung wurde die neue Sonderausstellung „Gezwungen in die Wehrmacht. Luxemburg im Zweiten Weltkrieg eröffnet“. Dafür hatte sich im Vorfeld der luxemburgische Botschafter angekündigt. Der war zwar leider verhindert, doch trotzdem erschien hochrangiger Besuch.

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Torgau. Besuch aus Luxemburg gestern Abend im Torgauer Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ): Jean-Claude Muller, Direktor des Luxemburger Instituts für die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg (Service de la Mémoire de la deuxième Guerre mondiale), eröffnete eine Sonderausstellung, die das Institut konzipierte und für Torgau sogar noch erweiterte. Zum ersten Mal überhaupt wird hiermit in der Bundesrepublik an den Widerstand der Luxemburger gegen die Zwangsrekrutierungen für die Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs erinnert.
Die Ausstellung trägt den Titel „Gezwungen in die Wehrmacht. Luxemburg im Zweiten Weltkrieg“.

Sie wirft unter anderem einen Blick auf die Schicksale von luxemburgischen Inhaftierten im Wehrmachtgefängnis Torgau. „Wir freuen uns, diese Ausstellung erstmals in Deutschland präsentieren zu können“, sagte DIZ-Leiter Wolfgang Oleschinski.
Am 30. August 1942 wurde die zwangsweise Einziehung der jungen Luxemburger in die Deutsche Wehrmacht verfügt. Diese Anordnung stieß in dem kleinen Land auf deutlichen Widerstand. Am folgenden Tag kam es zu einem Generalstreik – eine einzigartige Reaktion auf das völkerrechtswidrige Vorgehen des nationalsozialistischen Deutschland. Der Streik wurde erbarmungslos niedergeschlagen. Am Ende standen Todesurteile, Gefängnisstrafen und Umsiedlungen in das Deutsche Reich.
Viele der gegen ihren Willen in die Wehrmacht gezwungenen Luxemburger gerieten in die Mühlen der deutschen Militärgerichte. Schätzungen gehen davon aus, dass mindestens 300 Gefangene aus dem Beneluxland im Torgauer Wehrmachtgefängnis Fort Zinna inhaftiert waren, von denen etliche vor Ort hingerichtet wurden. So gab es beispielsweise um den Jahreswechsel 1944/45 eine Gruppenhinrichtung.

In Luxemburg ist die Ausstellung sehr hoch angebunden. Die Verantwortlichkeit hierfür liegt in der Zuständigkeit des dortigen Staatsministeriums.
Bereits im Jahre 2000 weilten Vertreter des DIZ und Schüler des Torgauer Johann-Walter-Gymnasiums eine Woche lang in dem Großherzogtum, um Lebensstationen der in Torgau getöteten „Wehrkraftzersetzer“ aufzusuchen. Zuvor hatten sich die Schüler bereits mit den Biografien der Zwangsrekrutierten auseinandergesetzt. Die Ausstellung ist bis zum 29. Juli 2018 täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei. Führungen werden auf Anfrage angeboten.

Hintergrund:
• In Luxemburg wurden etwa 10200 junge Männer zwangsrekrutiert (Bevölkerung insgesamt nur 293000 Einwohner!)

• Von den Zwangsrekrutierten desertierten etwa 2800.

• Noch Anfang 1945 waren etwa 300 Luxemburger im Torgauer Wehrmachtgefängnis Fort Zinna inhaftiert.

• Unter den Inhaftierten befanden sich zwangsrekrutierte Soldaten, die sich dem Kriegsdienst durch Flucht entzogen hatten.

• Jene, die sich dem Kriegsdienst durch Selbstverstümmelung entzogen, wurden als die „Gelbsüchtigen“ bezeichnet, siehe Jean Muller. Dies galt als Zersetzung der Wehrkraft.
• Auch Angehörige des Luxemburger Widerstands waren im Fort Zinna inhaftiert.

• Am 22. September 1944 gab es einen Sammeltransport von Luxemburger Häftlingen nach Torgau. Sie waren vorher bereits von Militärgerichten verurteilt worden (Gefängnis- oder Zuchthausstrafen, Todesstrafen). Die Zeitstrafen wurden in Torgau zumeist neu verhandelt, neue Urteile waren Todestrafen.

• 29 in Torgau hingerichtete Luxemburger sind namentlich bekannt. Sie wurden im Wallgraben und der Süptitzer Kiesgrube erschossen. Allein 14 Hinrichtungen wurden um die Jahreswende 1944/45 gezählt. Weitere 19 zum Tode Verurteilte überlebten, weil die Urteile bis zum Kriegsende nicht mehr vollstreckt wurden.

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