Dienstag, 7. Dezember 2021
Montag, 18. Juni 2018

Der Opfer des 17. Juni 1953 gedacht

Dr. Gerhard Kramer aus Beilrode erlebte den17. Juni 1953 in Leipzig als Student.Foto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Torgau. Da war sich Wolfgang Oleschinski, Leiter des Torgauer DIZ, sofort sicher: Diese Ausführungen waren besser, als irgendein Audio-Guide.

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Der Beilroder Dr. Gerhard Kramer hatte am Freitag zur Eröffnung der Plakat-Ausstellung, die im DIZ an die Geschehnisse rund um den 17. Juni 1953 erinnert, vieles zu berichten. Gegen 9 Uhr sei er damals aus dem Vorlesungssaal der Leipziger Uni gekommen und habe auf der Straße bereits die ersten Protestwellen an sich vorbeilaufen sehen.

„Es waren Tausende, die gegen Normerhöhungen, den unwahrscheinlichen politischen und wirtschaftlichen Druck auf die Straße gingen“, erinnerte sich Kramer. Die Polizei sei angesichts der unzähligen Menschen machtlos gewesen. Erst gegen Mittag hätten sowjetische Panzer die Kundgebungen auseinandergetrieben. Auch er sei dabei vor dem Militär, das danach eine Ausgangssperre verhängte, geflüchtet, sagte Kramer. „Ich hatte einfach Angst.“

Angesichts jener dramatischen Ereignisse lobte der Ostelbier, der eigentlich nur als Besucher gekommen war, die Konzeption der Ausstellung „,Wir wollen freie Menschen sein‘. Der DDR-Volksaufstand des 17. Juni 1953“, die bis zum 29. Juli in Torgau zu sehen ist.

Sie schildert die Vorgeschichte und den Verlauf der gewaltsam niedergeschlagenen Revolution gegen das SED-Regime, die regional sehr unterschiedlich ablief. Während beispielsweise in Berlin, Leipzig, Jena, Delitzsch oder auch Jessen die Menschen auf die Straße gingen, habe beispielsweise die Torgauer Kreisdienststelle des Ministeriums für Staatssicherheit von Fehlanzeige gesprochen.

Drei Monate nach dem Tod des sowjetischen Diktators Stalin hatten damals weite Teile der Bevölkerung gegen die kommunistische Diktatur aufbegehrt. Im DDR-Gefängnis in Torgau waren noch Jahre danach Menschen wegen angeblicher oder tatsächlicher Beteiligung am Aufstand inhaftiert. An deren Schicksale erinnerten zuvor die Ansprachen von Siegfried Reiprich (Stiftung Sächsische Gedenkstätten), Wolfgang Oleschinski (DIZ) und Torgaus Oberbürgermeisterin Romina Barth an der Gedenkstätte am Fort Zinna.

Nach Einschätzung von Wolfgang Oleschinski hätten die blutigen Erfahrungen aus jenem letztlich gescheiterten Volksaufstand möglicherweise dazu geführt, dass die Friedliche Revolution von 1989 auch tatsächlich eine friedliche war.

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