Samstag, 16. Oktober 2021
Freitag, 28. September 2018

Sechs Jahre SAEK, jetzt ist es vorbei - Ein Rückblick

von unserem Volontär Nick Leukhardt

Torgau. Ende Spetember 2018 geht in Torgau eine Ära zu Ende. Das SAEK Torgau schließt endgültig seine Türen. Für die TZ blickt Studioleiterin Janet Torres Lupp noch einmal in die Vergangenheit.

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„Man merkt bei den Menschen aus unserer Region einfach, dass sie wirkliches Interesse an Medien haben. Wir sind bis zum Ende des Jahres ausgebucht.“ Diese Worte stammen von Janet Torres Lupp, der ehemaligen Studioleiterin der Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanäle (SAEK) in Torgau. Und gesagt wurden sie vor sechs Jahren, im Jahr 2012, kurz nachdem das SAEK in der Holzweißigstraße seine offizielle Eröffnung gefeiert hat. Eigentlich hat sich die Situation bis heute nicht groß geändert. Das Interesse der Menschen an den Medien und dem Umgang damit ist nach wie vor ungebrochen und auch Projekte hatten die beiden Mitarbeiterinnen des SAEK Torgau mehr als genug. Trotzdem ist heute der letzte Tag,  an dem die Lichter des SAEK Torgau in der Holzweißigstraße ausgehen.

Die Finanzierung des Projektes „SAEK Torgau“ läuft zum 30. September 2018 aus und wurde nicht verlängert. Damit endet eine sechsjährige Ära, in der das SAEK viele tolle medienpädagogische Projekte mit Schulen, Kitas, Vereinen und vielen anderen Menschen realisiert hat. Für die TZ wirft die ehemalige Studioleiterin Janet Torres Lupp, die von Anfang bis Ende beim SAEK Torgau mit dabei war, einen Blick zurück und resümiert die wichtigsten Meilensteine in der Geschichte der medienpädagogischen Einrichtung.

Der Start in einer neuen Stadt

Janet Torres Lupp
Foto: Yvonne Most

Damit wurde ich konfrontiert, schon zu Beginn: „Was bedeutet das? Und wie war nochmal die Abkürzung?“ Ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich erwähnt habe, dass das die Abkürzung für die „Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanäle“ ist. Seit 2012 bin ich als Studioleiterin im SAEK Torgau dabei gewesen. Ich war vorher vor allem als freiberufliche Medienpädagogin in ganz Deutschland unterwegs und freute mich auf eine feste Einrichtung. Ab jetzt konnten alle zu uns in die neuen Räumlichkeiten in der Holzweißigstraße 5 kommen mit Multimedia-/TV- und Audiostudio. So einfach war es dann aber doch nicht, die Leute nach Torgau zu bewegen. Und so stellte sich schnell heraus, dass wir mehr unterwegs sein werden. Schnell hatten wir ein eigenes Dienstfahrzeug und unsere mobile Technik zusammen und fuhren damit von Eilenburg über Delitzsch bis raus nach Zschettgau oder Arzberg und noch weiter.

 

Dieses Interview führte die TZ kurz nach der Eröffnung des SAEK 2012. Schon damals waren erstmal nur sechs Jahre für das Projekt vorgesehen. Foto: TZ/Leukhardt

 

Aber nochmal von Beginn:

Am 1. Juli 2012 nahm der SAEK seine Arbeit in Nordsachsen auf: Aufbau und Akquise, Öffentlichkeitsarbeit und Großplakataktion. Am 12. September hatten wir dann die offizielle Eröffnung vom SAEK Torgau mit der SLM (Sächsische Medienanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien), dem SAEK Förderwerk, der ehemaligen Oberbürgermeisterin von Torgau Frau Staude und dem Geschäftsführer Herrn Scherschel der AWO SPI GmbH. Circa 50 Gäste lauschten den Grußreden und feierten den Neustart. Ich erinnere mich gut an das erste Projekt „Willste mich rollen“ in Kooperation mit dem KAP Torgau. Schon im Juli konnten wir mit einem Videoprojekt starten, indem Jugendliche investigativ mit einem Rollstuhl durch Torgau fahrend zeigen wie barrierefrei die Kreisstadt wirklich ist. Es folgten schnell weitere Medienprojekte und auch mit Vereinen konnten wir uns verknüpfen: Gleich in den Herbstferien schnatterte, muhte und grunzte es bei uns in der Hörspiel-Produktion „Elly wird krank“ mit dem Mehrgenerationenhaus Dommitzsch.

2013 war dann unter anderem der Filmdreh zum Thema „Napoleon in Torgau“: Der Höhepunkt einer halbjährigen Projektphase, in der Schüler und Schülerinnen vom Johann Walter Gymnasiums mit Unterstützung des SAEK Torgau und des KAP den Film drehten. An die Minusgrade werden sich noch viele zurückerinnern und auch an die sehr erfolgreiche Premiere im KAP Torgau.

Bei eisigen Temperaturen wurde "Napoleon in Torgau" gedreht. Foto: TZ/Archiv (Ch. Wendt)

Anerkennung und Auszeichnung

Weitere Highlights waren ebenso der Aufbau einer Seniorenradioredaktion mit dem Seniorenselbsthilfe-Verein, aber auch neue Segmente kamen hinzu, wie Elternabende, Kurse, neue Nutzerinnen und Nutzer und damit auch Redaktionen. Mein ganz persönliches Highlight war die halbjährliche Arbeit an einem Kurzfilm mit Grundschülerinnen und Grundschülern der Grundschule Nordwest am Film „Eine Lachnummer zu groß“. 2014 gewann der Film beim sächsischen Schülerfilmfestival den zweiten Preis.

Und weitere Preise folgten: Das multimediale Theaterstück „Luther in mir“ des Johann Walter Gymnasiums und SAEKs Torgau gewann den Hauptpreis bei der Visionale. Und auch die Audioredaktion „Kids 12 Radio“ aus der Grundschule Dommitzsch gewann den sächsischen Regionalpreis im selben Jahr. 2013 waren wir repräsentativ für alle SAEKs auf dem Medientreffpunkt Mitteldeutschland im MDR und führten die Webredaktion durch. Neben vielen kleinen Projekten hatten wir die große Filmdokumentation über „Fußball als Spiegel der Gesellschaft“. Immer noch aktuell und anschauenswert: Ein Projekt mit des Europäischen Bildungswerks Torgau zusammen mit uns, dem Johann Walter Gymnasium und dem Kreissportbund Nordsachsen e.V. und vielen anderen weiteren Partnerinnen und Partnern.

Mit den "Medienoldies" wurde unter anderem ein Trickfilm produziert. Foto: SAEK

Im kleinen Torgau volles Haus

Die starke Präsenz in der Presse und auch in ganz Nordsachsen durch unsere mobilen Projekte haben bereits 2015 bewirkt, dass wir ein halbes Jahr im Voraus ausgebucht waren. Wir bekamen Praktika-Anfragen, Initiativ-Bewerbungen und mehr Nutzer und Nutzerinnen, die sich gerne in der Medienwelt ausprobieren wollten oder auch unseren Rat erfragten. Einige davon habe ich jahrelang auf ihrem Weg begleitet und sie werden mir sehr fehlen. Und auch die Lehrkräfte, die sehr motiviert sind und in ihren Kollegien immer wieder die Werbetrommel für uns rührten, bleiben wohl für immer in meinem Gedächtnis. So auch das Team, was sich verändert hat über die Jahre und wodurch wertvolle Inputs gesetzt wurden. Oder auch die Teilnehmer und Teilnehmerinnen, von denen ich vieles lernen konnte.

Durch die Kooperation mit der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM) und dem Sächsischen Bildungsinstitut (SBI) in Leipzig durften wir als SAEK Torgau die „Kompetenztage Medienkompetenz“ 2014 bis 2016 durchführen - Eine Lehramtsanwärterschulung gemeinsam mit dem SAEK Leipzig. In den Jahren 2015 und 2017 waren wir mit Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Nordsachsen des Herbstferienangebotes „Radiocampus“ bei Radio PSR und Energy Sachsen in Leipzig.

Und Grundschüler des Horts „Flohkiste“ aus Hohenprießnitz durften mit ihrem Video über sich selbst als Streitschlichter 2015 auf die Bühne und bekamen eine Nominierung beim Rundfunkpreis Mitteldeutschland – Bürgermedien in Halle. 2016 gewannen wir noch den 2. Preis mit dem Film "TASCHENGELD" beim Sächsischen Schülerfilmfestival.

Die Liste könnte ich ewig weiterschreiben – so viele Projekte, Erlebnisse, Auszeichnungen, Aktionen und Überraschungen. Eine vorletzte sollte noch erwähnt werden: Für die Sendungsreihe „Clash of Ages“ des MDR wurden wir 2017 besucht, um in einen spielerischen Dialog mit den Generationen zu treten. Im Laufe der Jahre habe ich auch immer wieder Fortbildungen zum Thema „Lernen mit Computerspielen“ gegeben für Lehrkräfte und Multiplikatoren und Multiplikatorinnen. Wir hatten ein erfolgreiches Minecraft-Camp und viele „Scratch-Computerspiele selbst erstellen“ Kurse. So wurde der MDR auf uns aufmerksam.

Der große Schock

Aber die größte – und unschönste – Überraschung kam dann ein paar Monate später im selben Jahr: Der SAEK Torgau wurde nicht nochmal ausgeschrieben. Damit begann der ganze Aufbruch und Kampf für die Medienbildung in Nordsachsen mit Onlinepetition und Anschreiben an politische Fürsprecher und Fürsprecherinnen. Es hat sich viel bewegt, aber den SAEK wird es nicht mehr geben und so mussten wir zum 30. September die Türen schließen. Ich gehe mit einem weinenden Auge, da ich nun nicht mehr so präsent sein kann und der ländliche Raum an medienpädagogischem Umfang verliert. Und ich gehe mit einem lachenden Auge, aufgrund der vielen schönen Erfahrungen, die ich in Nordsachsen mit unseren Teilnehmerinnen und Teilnehmern, Partnerinnen und Partnern machen durfte. Und ich weiß, dass wir in Erinnerung bleiben werden – nicht nur als „Sääk“, sondern als medienpädagogischer Partner, der es in den über sechs Jahren geschafft hat, sich im kleinen Ort Torgau zu etablieren und schon ein Jahr im Voraus ausgebucht zu sein.

Studioleiterin Janet Torres Lupp beim Heraustragen der letzten Kiste aus den Räumlichkeiten in der Holzweißigstraße. Foto: TZ/Leukhardt

>>> Anfang des Jahres gab die TZ einen multimedialen Überblick darüber, wo das SAEK Torgau schon überall im Landkreis Projekte durchgeführt hat <<<

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