Sonntag, 26. Mai 2019
Mittwoch, 30. Januar 2019

NORDSACHSEN

Wie Modetrends sich entwickeln und wieso sie wieder verschwinden

Kaum etwas ist so veränderlich wie die Mode. Foto: pixabay.com / PublicDomainArchive

Sven Roob

Magazinseite. Modetrends beherrschen das Straßenbild der Großstädte und sie sind ein Milliardengeschäft. Viele Konsumenten schließen sich dem an und suchen für sich nach dem Trend oder der Mode, also nach einem Style, der ihrem Inneren entspricht. 

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Doch Mode und Trend unterliegen einem stetigen einer Wissenschaft gleichem Wandel. Der Eine oder Andere fragt sich danach, was Mode und was Trend ist und warum sich modische Highlights überhaupt erst entwickeln, wenn sie am Ende doch von der Bühne des Lebens verschwinden?

Mode und Trend: Was ist der Unterschied?

Die erste Frage nach dem Unterschied zwischen Mode und Trend lässt sich leicht beantworten. Zu jeder Zeit liegt ein ganz bestimmter Trend vor. Dieser steht mit dem Zeitgefüge in enger Verbindung, ist also von der Einstellung und dem Glauben der Gesellschaft abhängig. Trends sind demzufolge nicht zufällig. Die Mode entwickelt sich aus dem Trend. Während der Trend nur von kurzer Dauer ist und bereits bei seinem Ausbruch der Vergangenheit angehört, hält die Mode nach dem Trend länger an, zumindest so lange, bis ein neuer Trend das Sagen hat.

Viel schwieriger ist es die Frage nach der Ursache für die Entstehung von Modetrends zu beantworten und gleichzeitig zu verstehen, weshalb jeder Trend dem Untergang geweiht ist. Der weitere Artikel widmet sich genau diesen Fragen und erklärt das Phänomen der Styles. 

Mode: Ein grundsätzliches Konzept ist heute ein Milliarden-Business

Seit Anbeginn der Zeit tragen Menschen Kleidung. Anfangs ging es dabei noch hauptsächlich um Schutz. Heute streben Menschen danach, sich optisch von anderen Personen abzugrenzen. Früher hatte dieses Verhalten etwas mit der Bekundung der Herkunft zu tun. Als Stand und Klasse noch von elementarer Bedeutung waren, glichen sich die Menschen ihrem Vermögen an. Auch heute streben Wohlhabende nach Individualität. Mittels Markenkleidung und hochwertigen Accessoires bringen sie ihren Geist zum Ausdruck.

Die Eigenschaft sich von der Masse abheben zu wollen, einzigartig zu sein und sich so demonstrieren zu wollen, wie sich jeder Einzelne innerlich fühlt, haben sich große Unternehmen zum Geschäft gemacht. Mode ist demnach nicht ausschließlich mit der menschlichen oder gesellschaftlichen Entwicklung verknüpft. Sie ist ein Milliardengeschäft, denn jeder Mensch braucht Kleidung. Das Streben nach Selbstentfaltung, die Wertigkeit von Status-Symbolen und die menschlichen Eigenschaften Gier und Macht vereinfacht es den Investoren, Mode zum Geschäft zu machen.

Hierbei geht es mittlerweile darum, immer schrillere Akzente zu setzen. Wer außergewöhnliche Ware produziert, sichert sich das Mode-Monopol und zieht weitere Investoren an. Das Ergebnis ist eine Modewelt, die sich immer wieder selbst kreiert und in Abhängigkeit von der aktuellen Wirtschaft steht. Intelligente und auf die Masse ausgerichtete Modeschöpfer gehen daher stets mit den finanziellen Möglichkeiten der Mittelschicht mit.

Auf diese Weise erreichen sie die meisten Menschen. Da nahezu alle danach streben mit dem Mainstream zu schwimmen, ist das Interesse an den Markensachen groß, sodass die Art der Kleidung nur bedingt eine Rolle spielt. Hierbei ist es der Markenname, der mittels Marketing zu den Massen gelangte und nun erfreulichen Absatz feiert.

Trachtenkleidung: Altbacken oder wieder im Trend?

In Sachsen hat das Tragen von Trachten, die meist an die Kleidung der Bergleute angelehnt ist, eine lange Geschichte. Noch im 20. Jahrhundert waren die traditionellen Kleider eine Möglichkeit, um die eigene Herkunft anzuzeigen und den damit verbundenen Stolz zu dokumentieren.

Im Grunde genommen ist Trachtenmode nicht viel anders als Markenkleidung, eine gewisse Botschaft soll mit ihr übermittelt werden. Im urbanen Bereich konnte sich dieser Stil aber nie wirklich durchsetzen. 

Heute sind Trachten als Alltagskleidung aus den meisten Kleiderschränken verbannt worden und nur noch zu besonderen Anlässen, z.B. zum Tag der Sachsen, der im September in Torgau stattfand, wird eine Festtracht als „Kostüm“ getragen. Hier und da gibt es aber Gruppen, die den alten Bräuchen noch nicht vollends abgeschworen haben. Auch jüngere Menschen zeigen damit die Verbundenheit zu ihrer Region.

Und wer weiß? Wieso sollte die Trachtenmode in Sachsen nicht eine ähnliche Renaissance erleben wie z.B. Hotpants oder Chucks, die auch schon lange als „out“ galten?

Das Ende eines Trends: So kommt es dazu

Materielle Dinge üben auf die Einzelnen gerade dann einen Reiz aus, wenn sie bislang noch nicht damit in Berührung gekommen sind. Ein Beispiel: Noch vor wenigen Jahren galten Handtaschen als typisches Accessoire für die Frau von Welt. Mittlerweile hat die Modeindustrie erkannt, dass dieses Accessoire auch den Mann einkleiden kann. 

Ab diesem Zeitpunkt, ab dem Moment der omnipräsenten Werbung für stylische Herren-Taschen, wollte jeder modebewusste Mann auch so eine Tasche tragen. Schnell entwickelten sich richtige Handtaschen-Ketten daraus. Viele galten als absolut angesagt, wohingegen andere Modelle im Untergrund verschwanden. Ein neuer Trend war geboren und hält so lange, bis es eine Alternative zur Tasche gibt. 

Genau da liegt der springende Punkt: Trends sind nur so lange gefragt, wie sie noch neu und unberührt erscheinen. Sobald jeder vom Trend Gebrauch macht, dann entscheiden nur noch marginale Unterschiede, ob jemand In oder Out ist. Einige Dinge verschwinden aufgrund eines fehlenden Absatzes gänzlich und kommen dann erst Generationen später zurück. 

Boots, wie auch zahlreiche weitere Kleidungsstücke aus den 90er Jahren kehren jetzt wieder zurück und sind der jetzigen Generation völlig unbekannt. Daher interessiert sie sich für die Boots, die ihre Eltern in ihrer Jugend ebenso trugen.

 

Foto: fotolia.com © luckybusiness

 

Der Ideenreichtum steht nicht still

Natürlich spielt neben den wirtschaftlichen und psychologischen Faktoren auch der Innovationsgeist von Künstlern eine wichtige Rolle. Denn Trends lassen sich nur setzen, wenn jemand einen neuen Weg einschlägt. Sogar altbekannte Kleidungsstücke bringen beim erneuten Aufkommen ein anderes Design mit. 

Die Turnschuhe der 80er Jahre, verglichen mit den heutigen, unterscheiden sich in ihrem kompletten Design. Dennoch sind es Turnschuhe geblieben, verfeinert mit technischen Highlights unserer Zeit und verringert um mittlerweile überholte Features.

Manche Modeentwicklungen liegen schon so lange zurück, dass man deren Entstehung gar nicht glauben mag. Die Geschichte des Kapuzenpullovers führt uns z.B. in die Zeit der mittelalterlichen Mönche zurück, die schon seinerzeit auf Kapuzen setzten. 

Heutzutage spricht man bekanntlicherweise auch vom „Hoody“. Hätten Sie gewusst, dass der Name auf der Bekleidung auf den Sagenhelden Robin Hood zurückgehen soll?  Der Style des Kapuzenpullovers wurde vom religiösen Gewand oder der Tarnkleidung im Sherwood Forest zur sportlichen Mode. Inzwischen sind Kapuzenpullover aus unseren Kleiderschränken nicht mehr wegzudenken.

Zahlreiche Designer setzen aber gar nicht auf die Mode, die schon einmal da gewesen ist und ein großes Geschäft bot. Sie entwickeln ihre eigenen Ideen. Ob Kurzarmmäntel oder T-Shirts mit Fellbesatz, der Ideenreichtum entwickelt sich endlos weiter. Hoch angesehene Designer statten die teuersten Modegeschäfte aus, ihre Kleidungsstücke und Kreationen sind auf dem Catwalk zu sehen, sie schreiben die Geschichte der Zukunft und gestalten neben der Ästhetik auch das feine Gespür für die eigene Schönheit mit.

Das Modehaus: Verkannter Gigant der Modebranche

Viele Käufer wissen nicht viel von den Hintergründen ihrer Ware, doch beim Kauf von diesem oder jenem Kleidungsstück sind sie ebenso Teil eines Millionengeschäftes. Dieses beginnt bei dem Designer, setzt sich bei Investoren fort und endet im Modehaus. Da dieses das Ende der Kette und lediglich einen Handelspartner darstellt, schätzen Kunden die Macht des Modehauses gering. Doch genau diese Modehäuser und Modeketten sind für die Mode verantwortlich. Sie erhalten hohe Anteile aus den Einzelverkäufen, wenn sie die Kleidungsstücke in ihrem Sortiment aufnehmen.

Daher legen sie umgekehrt auch diverse Konditionen fest. Ähnlich wie eine Buchhandlung darf sich auch das Modehaus über den größten Gewinn am Verkauf freuen. Zum Teil sind es bis zu 50 Prozent, die der Modeanbieter vom Verkauf erhält. Und: Alle Designer und Investoren wollen ihre Mode im Modehaus wissen, sodass der Konkurrenzdruck groß ist und das Modehaus nahezu freie Auswahl hat. Es vermarktet daher überwiegend namhafte Hersteller, die sich 

 

Foto: fotolia.com © maraphoto

 

durch die Veräußerung ihrer Waren in Masse bereichern. Demzufolge spielt auch das Modehaus bei der Mode mit, wenngleich es einen vermarktenden Charakter hat und die Inspiration für neue Highlights nicht selbst setzt.

Am unteren Ende der Kette: Modehaus, Marke und Investor steht der Designer. Sein Gewinn ist gering bemessen, wobei er durch die Aufnahme im Markt über Nacht zu ungeahntem Reichtum gelangen kann. Der Glaube Modeketten und Investoren seien von ihm abhängig, stimmt nur zum Teil. Sicher realisiert der Modeschöpfer neue Trends. Andererseits ist er einer von vielen, die ihr Label in das Modehaus bringen wollen. Ergo: Er ist ersetzbar.

Wie in jeder Branche zählt hier der Preis. Liegt dieser bei ihm über dem Durchschnitt von Mitbewerbern, so hat er in dem jeweiligen Modehaus keine Chance. Auch unbekannte Designer trifft das. Obwohl sie einzigartige Ideen mitbringen, haben sie aufgrund fehlender Investoren keine Chance zum Aufstieg. Sie beeinflussen die Modewelt nicht, weil das Modehaus dies aufgrund der Wirtschaftlichkeit der jeweiligen Produkte nicht zulässt. Mode ist somit ein harter Kampf, Trends sind von viel Geld und von der Gesellschaft abhängig.


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