Montag, 16. Dezember 2019
Mittwoch, 20. Februar 2019

KULTUR

Sehen und erkennen

Menschen auf der Flucht. Sie haben sich an einem Aufenthaltsort zusammengefunden. Eine neue Heimat ist es für sie nicht. Foto: Repro: TZ/G. Zahn

von unserer Redakteurin Gabi Zahn

Torgau. Ausstellung von Johannes Gräbner vermag den Blick zu öffnen für die eigene Haltung Fremden gegenüber

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„Gesehen“ – so nennt Johannes Gräbner seine Ausstellung, die gegenwärtig in der Kleinen Galerie des Kentmann-Vereins zu sehen ist. Das Sehen und Betrachten stellt für den 1987 im thüringischen Sonneberg geborenen Künstler ein so spannendes Wechselspiel dar, dass er dies auf faszinierende Weise thematisiert hat.
Johannes Gräbner lädt ein, verschiedene Perspektiven auf Personen, Gegenstände und Landschaften einzunehmen, um damit einen erkenntnisbringenden Blick auf unsere Haltungen zu werfen. So, wie wir uns und unsere Umwelt wahrnehmen.

Sehr eindrücklich fällt in diesem Zusammenhang der Blick des Betrachters insbesondere auf zwei Bilder, die – unübersehbar – fast gänzlich die große Wand des Foyers einnehmen. Darauf abgebildet sind Menschen auf der Flucht. Haben sie schon Asyl gefunden? Das ist möglich, eine neue Heimat ist ihr Aufenthaltsort für sie jedoch längst (noch) nicht, und man mag Zweifel haben, ob sie diese je finden.
Das ausdruckstärkste Motiv ist für Jana Wittenbecher, die Geschäftsführerin des Kentmann-Vereins, das hochformatige Bild: Ein jüngerer Mann, vielleicht ein syrischer Flüchtling, trägt einen Greis auf dem Rücken durch unwegsames Gelände.

Für den Betrachter wird klar: Ohne diese Hilfe würde der alte Mann zurückbleiben, könnte die Strapazen nicht auf sich nehmen. „Egal, ob es wirklich eine Flucht ist oder nicht. Hier funktioniert noch der Generationenvertrag. Jung hilft alt. Ich weiß gar nicht, ob dieses Bild mit Menschen aus unserem Kulturkreis so möglich wäre“, kommentiert sie.

Info:
Johannes Gräbner lebt in Erfurt. Er studierte Kunst und Philosophie an der Universität Erfurt. Seit 2015 ist er als freischaffender bildender Künstler und Musiker tätig. Ferner nimmt er verschiedene Lehrtätigkeiten in der Kinder- und Erwachsenenbildung wahr. Seine facettenreichen Ausstellungen fanden unter anderem in Erfurt, Weimar, Koblenz, Coburg und Berlin statt. Bis zum 27. März kann seine Ausstellung zu den Öffnungszeiten der Kleinen Galerie
(Dienstag bis Freitag 10 bis 17 Uhr) besucht werden.


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