Freitag, 20. September 2019
Montag, 8. April 2019

TORGAU

Schneeglöckchen-Denkmal ziert nun Apothekergarten

Dr. Harald Alex (links, weinroter Pulli) erzählte den Besuchern Näheres über die Sandsteinskulptur.Foto: TZ/Perz

von unserer Volontärin Elisa Perz

Torgau. Am Freitag luden die Torgauer Zeitung und der Laga-Förderverein zum ersten Vor-Ort-Treff der diesjährigen Frühlingstour. Die Vereinsmitglieder hielten für die Besucher dabei mehr als eine Überraschung parat.

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Die Torgauer Zeitung öffnet Türen. Und am Freitag beim ersten Vor-Ort-Treff der diesjährigen Frühlingstour öffnete sie eine, die vielen Gästen bis dahin verschlossen geblieben war: die Tür zum Apothekergarten neben der St. Marien Kirche. Zusammen mit dem Förderverein für die Landesgartenschau 2022 in Torgau gewährte die Heimatzeitung einen Einblick in das Kleinod, das innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer verborgen liegt. „Es ist toll, den Garten einmal von innen zu sehen“, freute sich Oliver Schlott über die Gelegenheit. Er arbeitet beim nordsächsischen Palliativnotdienst, der in der Ritterstraße im Keller des an den Apothekergarten angrenzenden Gebäudes untergebracht ist. Fast täglich geht er daher an dem Grundstück vorbei. Der äußere Anblick der Mauer ist dem Torgauer bestens vertraut, die Gestaltung im Inneren konnte er sich bisher allerdings nur im Kopf ausmalen - bis zum Ende der vergangenen Woche. Sein erster Eindruck: „Schön. Ein sehr gelungener Garten.“

Beeindruckt zeigte sich Schlott ebenfalls von der Sandsteinskulptur in der Form eines Schneeglöckchens. Die Präsentation des Kunstwerks war die große Überraschung der Veranstaltung, die kurz nach dem Beginn um 16 Uhr enthüllt wurde. Bereits bei der Frühblüherausstellung vor rund einem Monat konnte jeder die von der Herzberger Firma „Naturstein Starke“ angefertigte Skulptur bestaunen. Fortan ist das „Schneeglöckchen-Denkmal“, wie der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Dr. Harald Alex es bezeichnete, der neue Blickfang m Apothekergarten.

Diese Skulptur hat die Firma "Naturstein Starke" aus Herzberg angefertigt. Fotos: TZ/Perz

Bedeutend für Geschichte der Arznei- und Apothekergärten

Das Grundstück kann jedoch nicht nur in puncto Aussehen punkten. Denn das Besondere ist die Geschichte der Anlage, die mehr als 500 Jahre zurückreicht und die das Publikum am Freitag nicht weniger faszinierte. Noch vor der offiziellen Eröffnung des Vor-Ort-Treffs führten Dr. Volkmar Harzer, der Vorstandsvorsitzende des Fördervereins, und Alex eine Gruppe durch den Garten und verwiesen auf die enge Verbundenheit der Vergangenheit des Gartens mit dem „Kreutterbuch“ von Johann Kentmann. Der Torgauer Stadtarzt hatte das Buch 1563 für den Sächsischen Kurfürsten August I. erstellt. Es wird seitdem als Unikat im Tresor der Sächsischen Staatsbibliothek in Dresden aufbewahrt . Darin festgehalten sind 600 Pflanzenarten, einige davon sind weltweit erstmals im „Kreutterbuch“ erfasst worden. Zwischen 300 und 400 hatte der Torgauer Maler David Rethel auf Wunsch Kentmanns als farbige Aquarelle für den Band gefertigt. Die Vorlagen für die Zeichnungen stammten auch aus dem Garten neben der St. Marienkriche. Der gehörte im 16. Jahrhundert dem Mohrenapotheker Joachim Kraich, der nebenbei noch eine große Grünanlage vor dem Leipziger Tor ausbaute, also ungefähr an der jetzigen Stelle der Seniorenresidenz K & S. In beiden Gärten sammelte Kraich zahlreiche Pflanzen und überprüfte sie auf ihre Eignung zur Nutzung in der Heilmedizin. „Die hiesige Anlage ist somit ein bedeutendes Zeugnis für die Geschichte der Arznei- und Apothekergärten, die in der Entwicklung der Gartenkunst eine wichtige Rolle spielten, aber nur selten erhalten sind“, ließ Alex die Gäste am Freitag vor Ort wissen.

Er und die weiteren Mitglieder des Fördervereins dürfen das unter Denkmalschutz stehende Grundstück der Stadt seit letztem Jahr nutzen. Am 19. November 2018 hatten die Mitglieder den dafür notwendigen Pachtvertrag unterschrieben. Gemeinsam wollen sie den Charakter des Kleinods durch die Erhaltung sowie durch die Pflege der Pflanzen aus dem „Kreutterbuch“ bewahren und als Thema in die Landesgartenschau 2022 integrieren.

Gemälde und Gedichte

Seit der Gründung des Fördervereins ist Günter Fiege von dessen Engagement sehr angetan. Bereits vor mehreren Monaten ließ er sich von dem ersten Projekt der Mitglieder, den Blumenampeln, inspirieren und setzte diese in der Form eines Aquarells künstlerisch in Szene. Sogar ein Gedicht hatte er schon verfasst. Und auch die Frühblüherschau im historischen Proviantmagazin weckte bei dem Maler Inspirationen für neue Bilder. Diese wurden  im Rahmen der ersten Veranstaltung der Frühlingstour von ihm selbst vorgestellt. „Das werden sicherlich nicht die letzten Zeichnungen von mir gewesen sein“, versprach Fiege. Zumal er in wenigen Wochen Anregungen für neue Motive in Torgau finden wird. Der Vorstandsvorsitzende des Fördervereins verkündete nämlich stolz, dass sich zahlreiche Paten für die diesjährigen Blumenampeln gefunden hätten. „Wir werden die Ampeln deshalb nicht nur in der Breiten Straße und in der Spitalstraße anbringen, sondern unser Projekt zusätzlich auf die Kurstraße ausweiten.“ Im Mai sollen die mit bunten und blühenden Pflanzen gefüllten Halbschalen aufgehangen werden.

Die Vorfreude auf diesen Termin stand Harzer schon am Freitag ins Gesicht geschrieben. Obwohl seine gute Laune genauso der positiven Resonanz des Publikums beim Vor-Ort-Treff geschuldet sein konnte: „Die Besucher waren interessiert, haben viele Fragen gestellt und eigene Anregungen angebracht. Wir konnten sogar mit Jana Wittenbecher vom Kunst- und Kulturverein ,Johann Kentmann‘ eine erste grobe Idee für ein gemeinsames Projekt entwickeln.“ Dass bei der Frühlingstour so viele Impulse entstehen würden, habe er nicht erwartet. Die Veranstaltung sei einfach klasse gewesen!

 


Stimmen:

Ilse Petroll aus Süptitz war der erste Gast am Freitag. Noch vor dreiviertel vier drehte sie einen ersten Rundgang über das Kirchengelände vor dem Apothekergarten und fand auch den Weg zum Stand der TZ-Mediengruppe. Dort berichtete sie: „Die Vor-Ort-Treffs der Frühlingstour von der Torgauer Zeitung sind immer wieder ein schönes Erlebnis. Ich habe in den letzten Jahren kaum einen Termin verpasst und dadurch meinen Wohnort und dessen Umgebung noch besser kennengelernt. Es ist einfach ein Stück Heimatkunde, das auf diese Weise betrieben wird. Nicht zu vergessen sind außerdem die vielen Bekanntschaften, die ich bei den Veranstaltungen geschlossen habe.“

Dr. Jürgen Herzog (2.v.l.) stattete dem Apothekergarten ebenfalls einen Besuch ab und unterhielt sich vor Ort unter anderem mit Elke Neubert (links) vom Förderverein. Gegenüber der TZ befand der Torgauer den Garten für „eine schöne Sache, die man an in Zukunft touristisch einbeziehen sollte.“ Zum Beispiel könne man den  Garten in die Führungen über das Laga-Gelände mit einbauen, erwog Herzog.“

Werner Gericke begutachtete die verschiedenen Pflanzen und Kräuter im Apothekergarten ganz genau. Der Dommitzscher kümmert sich zu Hause um seinen eigenen Garten und interessiere sich daher auch für andere Anlagen. „Es war sehr interessant, mal einen Blick in den Apothekergarten werfen zu können. Hier entdeckt man doch einige Pflanzen, die man selber eher nicht anbaut.“

Knut Häckel (links) nutzte die Gelegenheit, um vor Ort mit TZ-Chefredakteur Sebastian Stöber (Mitte) und Lutz Donath ins Gespräch zu kommen. Diese Chance hätte er beinahe verpasst. Denn der  Torgauer hatte den Apothekergarten zunächst verfehlt. „Zunächst war ich beim Museum gewesen, da ich dachte, dort fände der Termin statt. Aber ich bin froh, dass ich noch die richtige Adresse gefunden habe. Es hat sich gelohnt, den Apothekergarten einmal von innen anzuschauen“, erklärte Häckel, der auch als Stadtführer tätig ist. „Somit muss ich meine Heimatstadt besonders gut kennen. Und nach dem heutigen Tag kenne ich eben noch einen weiteren Teil von Torgau.“

Waltraud Rudolf aus Torgau sicherte sich am Freitag eine der begehrten Gießkannen am Stand der TZ-Mediengruppe. Das war für sie aber längst nicht die einzige Aktion, für die sie lobende Worte fand: „Ich war zum ersten Mal bei einem der Treffs der Frühlingstour und bin begeistert. Zwar kam ich ein wenig zu spät. Doch dafür war dann der erste große Ansturm vorbei und ich konnte mir den Apothekergarten in Ruhe anschauen. Das ist wirklich eine schöne Anlage. Als Kind hatte ich oft die Stadtmauer von der anderen Seite aus betrachtet und mich gefragt, wie es dahinter aussieht. Nun weiß ich es.“

Die TZ und der Förderverein konnten am Freitag einen selbst ernannten Fan der Frühlingstour begrüßen: Liesa Riemer aus Torgau. „Die Themen haben mich bisher immer so sehr interessiert, dass ich möglichst keinen Termin versäumen wollte. Auch das Thema Gärten von diesem Jahr finde ich gut gewählt. Gerade im Hinblick auf die Landesgartenschau ist es wichtig, diese näher zu beleuchten. Daher hatte ich in den letzten Wochen schon darauf gewartet, in der Torgauer Zeitung zu lesen, wo es als nächstes hingeht.“ Vor Ort traf die Torgauerin auf mehrere Bekannte. Dazu zählten unter anderem Klaus-Dieter Richter aus Belgern (rechts) und Andreas Klemm aus Oschatz. Letzterer konnte gleich zum Beginn der Veranstaltung sein Interesse für historische Gärten unter Beweis stellen. Als Dr. Harald Alex nicht gleich der Name von Padua einfallen wollte, konnte er aushelfen.  In der italienischen Stadt befindet sich der  erste und älteste botanische Garten der Welt, in dem auch Johann Kentmann einst gearbeitet hatte. Klemm war vor mehreren Jahren dort zu Besuch gewesen, dafür aber noch nicht im Apothekergarten in Torgau. Dieses Versäumnis holte er am Freitag nach.

Der Besuch von Jana Wittenbecher lohnte sich nicht nur für die Geschäftsführerin des Kunst- und Kulturvereins „Johann Kentmann“ selbst. Auch für Dr. Harald Alex (im Bild) und die weiteren Mitglieder des Fördervereins waren die Gespräche mit ihr Gold wert. So entstand die Idee für eine mögliche gemeinsame Zusammenarbeit. In Bezug auf den Apothekergarten erzählte Jana Wittenbecher der TZ: „Der Garten ist mit seinen geraden Linien ein typischer Renaissancegarten. Ich habe das Grundstück schon einmal mit Herrn Hanke besichtigt. Das ist schon einige Jahre her, trotzdem habe ich den Garten heute sofort wiedererkannt. Er birgt viel Potenzial für Torgau und die Landesgartenschau.“


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