Mittwoch, 16. Oktober 2019
Donnerstag, 25. April 2019

NORDSACHSEN

"Mir gefällte das Gegensätzliche"

Sandro Oschkinat.Foto: TZ/Archiv

von unserem Chefredakteur Sebastian Stöber

Audenhain. Sandro Oschkinat über seine Zeit in der AfD, die Gründe für seinen Abschied aus der Partei und einen Friedensmarsch, den sein Spektrum aufrechter Demokraten angemeldet hat.

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Es ist ruhiger um Sandro Oschkinat geworden. Der Mann, der es durch die Organisation des lautstarken Protests während des Torgau-Besuchs von Angela Merkel 2017 bis in den Spiegel geschafft hatte; der Mann, der ein Jahr  lang Mitglied der AfD war, dort emsige Basisarbeit leistete, aber bei keiner großen Wahl das Vertrauen der Partei bekam; der Mann, der bei Pegida und Legida genau wusste, wie er als Redner aufzutreten hatte, hat den Mittelpunkt seines politischen Engagements zurück nach Audenhain verlagert.

Kein Karriere-AfDler

Dort will er sich künftig vor allem seinem „Verein für Meinungsfreiheit und Demokratieförderung“ widmen: dem „Spektrum aufrechter Demokraten“, das seit wenigen Tagen den Zusatz „Sozialpatriotische Bürgerbewegung“ trägt.
„Mir gefällt dabei das Gegensätzliche. Es ist doch heute so, dass die Linken nichts mit Patriotismus anfangen können und die Rechten nicht sozial sein wollen“, erklärt Oschkinat. Letzteres hat er für sich aus seiner Zeit in der AfD mitgenommen, sagt er. Überhaupt die AfD.

Dass er die Hellblauen einzig als Sprungbrett in den bezahlten Politikbetrieb nutzen wollte, weist der Audenhainer von sich. „Ich habe das Spektrum auf dem Höhepunkt der Asyldebatte gegründet. Hätte ich eine Politkarriere angestrebt, wäre ich gleich in die AfD gegangen.“

Eingetreten ist er dann 2017, bevor er bei der Nominierung fürs Bundestags-Direktmandat dem Meißner Detlev Spangenberg unterlag. Von sich weist er auch die nahe liegende Vermutung, er versuche nach seinem Abschied Ende 2018, die AfD in ein schlechtes Licht zu rücken.

Kein Rachefeldzug

Dass sich sein Vertrauter aus Partei-Zeiten, Ralph Olenizak, derzeit wegen einer im Vorfeld schlecht kommunizierten Parteiveranstaltung in Eilenburg mit dem Kreisvorstand anlegt, findet er dennoch richtig. „Kontroverse ist doch das Beste, was einer Partei passieren kann. Dann fangen die Leute an, neugierig auf das zu werden, was da passiert. Ich hatte mich tatsächlich auf eine gute Stellungnahme gefreut, die das Vorgehen der Partei erklärt“, so Sandro Oschkinat.

Dass die Partei, so wie in diesem Fall, tendenziell gar nicht bis hochgradig defensiv zu parteiinternen Meinungsverschiedenheiten kommuniziert, hält er deshalb für einen Fehler. Er selbst ist unter anderem daran gescheitert, dass er als Mitglied die Partei, getreu dem Motto: Kontroverse ist gut, öffentlich herausgefordert hat.

Entgegen anders lautenden Ratschlägen und der Parteiräson forderte er von den AfD-Bundestagsabgeordneten, die letzte Diätenerhöhung komplett zu spenden. Die TZ berichtete, der AfD-Bundestagsabgeordnete Detlev Spangenberg erklärte, dass bereits ordentlich gespendet werde und „über mich ist ein Sturm losgebrochen“, erinnert sich Oschkinat.

„Dort hat man sich maßlos geärgert, dass ich gegen die Linie der Partei vorging, hat aber die Möglichkeit eines positiven Werbeeffekts  nicht gesehen, wäre man in eine Diskussion zu diesem Thema eingestiegen.“ Eine Begebenheit sei ihm in diesem Zusammenhang besonders im Gedächtnis geblieben: „Mich nahm ein Bekannter zur Seite und sagte: Wenn Du in der AfD was werden willst, lass solche Themen mal lieber sein.“

Das war im Juli 2018 und zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich bereits der Bruch mit der Partei ab. „Ich war dort vielen zu links. Die haben nicht verstanden, dass ich soziale Themen aus Überzeugung angebracht habe.“ Er  habe erst verstehen müssen, dass die AfD nicht die Kleine-Leute-Partei sei, für die sie sich ausgegeben habe.

Im Nachhinein räumt der Audenhainer ein, dass sein Bild der Alternative für Deutschland wohl etwas romantisch verklärt gewesen sei. „Vielleicht waren sie am Anfang auch anders als andere Parteien. Doch inzwischen läuft es dort, wie in jeder anderen Partei auch“, sagt er und meint damit, dass die erfolgreich sind, die am effektivsten innerhalb der Partei Lobbyarbeit betreiben.

„Für normal arbeitende Menschen ist es nicht möglich, sich erfolgreich in einer Partei zu engagieren“, lautet deshalb sein Fazit. Inhaltlich kritisiert er die Partei dafür, dass sie sich zu sehr von anderen Haltungen isoliere. „Wie bei anderen Parteien auch heißt es: Du darfst nicht mit dem reden, der kommt aus der Richtung, und nicht mit dem, weil er das denkt.“

Dabei könne in einer solchen Offenheit doch eine Chance stecken. „Ich kann bis heute die Dummheit vieler Parteien nicht verstehen, so lange Zeit die Diskussion über Asylmissbrauch und Zuwanderung zu meiden. Das hat die AfD erst groß gemacht.“

Keiner wird ausgeschlossen

Die Freiheit, mit allen zu reden, will er sich jetzt wieder mehr in seinem Verein nehmen. Und demonstrieren. Für den 27. April hat das Spektrum aufrechter Demokraten einen „Sozialpatriotischen Friedensmarsch“ geplant. Er wünsche sich, dass zum Start 14 Uhr auf dem Torgauer Markt „Menschen aus allen Bereichen des demokratischen Spektrums zusammenkommen, die gegen Krieg sind und dies zeigen wollen.“

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