Mittwoch, 13. November 2019
Montag, 14. Januar 2019

TORGAU

Apothekergarten soll auch bei der Landesgartenschau glänzen

Der Kräutergarten hinter der St. Marien Kirche.Foto: TZ/Perz

von unserer Volontärin Elisa Perz

Torgau. Der LAGA-Förderverein will den Charakter des Torgauer Apothekergartens neben der St. Marien Kirche bewahren und als Thema in die Landesgartenschau integrieren. Die Geschichte spielt eine große Rolle.

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Neben der St. Marienkirche innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer liegt der Torgauer Apothekergarten verborgen. Zunächst mag er wie ein gewöhnlicher Garten erscheinen, doch der Eindruck täuscht.

„Es ist ein sehr geschichtsträchtiger Ort und in der bestehenden Form einzigartig in Deutschland“, hebt Dr. Harald Alex die Besonderheit hervor. Dabei spielt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Fördervereins auf das „Kreutterbuch“ von Johann Kentmann an, das eng mit der Vergangenheit des Gartens verbunden ist und von dem Torgauer Stadtarzt 1563 für den Sächsischen Kurfürsten August I erstellt wurde. Darin festgehalten sind 600 Pflanzenarten, von denen zwischen 300 und 400 der Torgauer Maler David Rethel auf Wunsch Kentmanns als farbige Aquarelle für den Band anfertigte.

Die Vorlagen für die Zeichnungen stammten aus den Gärten des Mohrenapothekers Joachim Kraich. Er baute im 16. Jahrhundert sowohl eine große Grünanlage vor dem Leipziger Tor aus, also ungefähr an der jetzigen Stelle der Seniorenresidenz K & S, und zum anderen den Garten neben der St. Marienkirche. In beiden sammelte er zahlreiche Pflanzen und überprüfte sie auf ihre Eignung zur Nutzung in der Heilmedizin.

„Der große Kräutergarten von Kraich gehörte zur damaligen Zeit zu den vier besten im deutschsprachigen Raum. Jedoch wurde er während des Dreißigjährigen Krieges beschädigt und musste dem Festungsbau von Napoleon weichen, nur die Anlage innerhalb der Stadtmauern existiert bis heute“, führt Alex aus. „Der Garten ist somit ein Beweis für die über 500-jährige Gartengeschichte der Großen Kreisstadt und darüber hinaus bedeutendes Zeugnis für die Geschichte der Arznei- und Apothekergärten, die in der Entwicklung der Gartenkunst eine wichtige Rolle spielten, aber nur selten erhalten sind.“

Auf den Pflanzenbestand des Mohrenapothekers griff nicht nur er selbst zurück, sondern eben auch Kentmann: „Mit den lebenden Pflanzenexemplaren aus dem Kräutergarten, seinen Pflanzendarstellungen von 1549, die er während des Studiums in Italien angefertigt hatte, und vielen in der freien Natur wachsenden Wildflanzen war es ihm möglich, das ,Kreutterbuch‘ zu verfassen. Dieses wird seitdem als Unikat im Tresor der Sächsischen Staatsbibliothek in Dresden aufbewahrt und ist von unschätzbarem Wert.“ Durch die Aquarelltechnik der Pflanzenbilder sei eine einmalige, realistische Darstellung gelungen, welche die Betrachter noch heute fasziniere, schwärmt Alex.

Studien von Wissenschaftlern

„Leider war es damals nicht möglich, die Bilder zu vervielfältigen und große Auflagen des ,Kreutterbuches‘ herzustellen. Bis heute ist lediglich 2003 anlässlich der Sächsischen Landesausstellung in Torgau ein Buch vom Prestl-Verlag mit 38 ausgewählten Bildern erschienen. Erst in jüngster Zeit konnten die Pflanzendarstellungen durch die digitale Erfassung des Kentmann-Bandes in den letzten Jahren ausgewertet werden. Sogar Wissenschaftler von der Universität in Cambridge und in Zürich haben sich mit den Bildern beschäftigt und sie mit denen des Schweizer Botanikers Conrad Gessners verglichen. Dabei wurden mehrere interessante Details ermittelt.“ So sei beispielsweise herausgefunden worden, dass im Kreutterbuch erstmals rote und gelbe Tomaten erfasst sind.

Diese stammten ursprünglich aus der Neuen Welt Amerika und wurden damals schon im Kraischchen Garten kultiviert. „Zudem hielt Kentmann in seinem Buch Schneeglöckchen als ,kleine weiße Hornungsblumen‘ fest. Das dürfte auch eine der ersten Darstellungen dieser Frühblüherart sein“, erklärt der Döbrichauer.

Thema bei Landesgartenschau 2022

Er werkelt momentan zusammen mit Elke Neubert, der Schriftführerin des Fördervereins, mehrmals pro Woche auf dem Grundstück neben der Kirche. Seit dem letzten Jahr darf der LAGA-Förderverein das unter Denkmalschutz stehende Grundstück der Stadt nutzen, am 19. November 2018 hatten die Mitglieder den dafür notwendigen Pachtvertrag unterschrieben. Gemeinsam mit wollen die Vereinsmitglieder den Charakter des Kleinods durch die Erhaltung sowie durch die Pflege der Pflanzen aus dem Kreutterbuch weiterhin bewahren und als Thema in die Landesgartenschau 2022 integrieren.

„Unser Ziel ist es, den Besuchern die reiche gärtnerische und botanische Geschichte von Torgau näherzubringen“, sagt Elke Neubert, die außerdem an die Verantwortung jedes Einzelnen appellieren möchte: „Viele Menschen hätten sicherlich die Möglichkeit, sich ihre eigene Grünanlage anzulegen, angefangen von Balkonkästen, Vorgärten oder Baumpatenschaften. Diese sollten sie auch nutzen.“

Über die Möglichkeiten, die zumindest der Apothekergarten bietet, können sich Interessierte schon in weniger als zwei Monaten überzeugen. Die Besichtigung der Grünanlage wird nämlich auch zur Frühblüherausstellung des Fördervereins möglich sein.

Die Schau findet in diesem Jahr im historischen Proviantmagazin am 9. und 10. März zum ersten Mal statt. Ein ganzes Wochenende lang widmet sich die Veranstaltung Schneeglöckchen, Krokussen, Narzissen und Co. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. 18 Aussteller aus Deutschland, Holland, sogar aus Österreich haben sich mittlerweile angemeldet. Seitens der Besucher haben schon Schweizer ihr Kommen angekündigt. Sie werden vor Ort auch die Möglichkeit erhalten, einige Frühblüherbilder aus dem Kentmannbuch in Form von Kopien zu bestaunen.

 



Johann Kentmann:

 

Johann Kentmann wurde 1518 in Dresden geboren und begann nach der Schulzeit ein Medizinstudium in Leipzig, das er dort 1546 nach einem zwischenzeitigen Wechsel an die Universität in Wittenberg beendete. Anschließend setzte er seine Studien zusammen mit seinem Jugendfreund Christoph Leuschner in Norditalien fort. An der Universität von Padua, die damals zu den besten gehörte, galt sein Interesse den vielen Heil- und Gewürzpflanzen des dortigen Botanischen Gartens. Dieser wurde 1533 als erster in Europa angelegt, er besteht noch heute an gleicher Stelle und in gleicher Gestaltung.

 

Während der drei Jahre, die Kentmann in Italien verbrachte, hatte er zirka 200 Pflanzenarten schriftlich und als Zeichnung dokumentiert. Lange Zeit galt diese Sammlung als verschollen, wurde jedoch später in den Archiven der Universitätsbibliothek Jena wiederentdeckt und befindet sich jetzt als „Codex Kentmanus“ in der Weimarer Anna-Amalia-Bibliothek, wo sie digital einsehbar ist.

 

Nach seinem Medizinstudium war der Naturforscher vier Jahre als Stadtarzt in Meißen tätig, bevor er nach Torgau wechselte. Von 1555 bis zu seinem Tod wirkte er in der Elbestadt sowohl als Stadtarzt als auch als Ratsmitglied.

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