Samstag, 24. August 2019
Montag, 5. August 2019

TORGAU

Wieder zurück im politischen Ring

Gudrun Petzold. Foto: TZ/Stöber

von unserem Chefredakteur Sebastian Stöber

Strelln/Torgau. Gudrun Petzold bewirbt sich bei der kommenden Landtagswahl um das Direktmandat im Wahlkreis 36. Die TZ stelle die Kandidatin der AfD in diesem Beitrag ausführlich vor.

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Gudrun Petzold mag keine Komfortzonen. Viel zu lange hätten sich die Sachsen dort eingerichtet.  „Bitte nicht mehr wegsehen, ignorieren, schönreden und politisch korrekt ruhig bleiben“, fordert sie und sieht in der Wahl am 1. September nichts weniger als ein zweites 1989 mit der Chance, es aus ihrer Sicht besser zu machen.
 

Fluchtfolgen als kulturelles Erbe

Geboren wurde Gudrun Petzold 1952 in Großtreben – „der letzten Station meiner Mutter auf der Flucht nach ihrer Vertreibung aus ihrer schönen Heimat, dem Sudetenland.“

Die Erinnerung an Vertreibung Flucht von 14 Millionen Deutschen aus den Ostgebieten infolge des 2. Weltkriegs hat für sie deshalb einen hohen Stellenwert. Es sei ihr ein Herzensanliegen, sagt sie, „dafür zu sorgen, dass dieses katastrophale Vertreibungsgeschehen nicht vergessen wird und das große historische und kulturelle Erbe der Vertriebenen seinen Platz im kollektiven Gedächtnis der Deutschen findet und in den Lehrplänen der Schulen fest verankert wird.“

Wichtig ist ihr das Thema auch mit Blick die aktuelle politische Debatte um Flucht und Flüchtlinge. Denn vergleichen könne man diese beiden Entwicklungen nicht. So seien es Landsleute gewesen, die vertrieben wurden und kurz nach dem Krieg in ein zerstörtes Land kamen, wo sie auf viel Ablehnung stießen.

„Die Deutschen waren nicht begeistert, als die Flüchtlinge kamen. Viele verhungerten. Auch meine Schwester.“ Wer heute als Flüchtling nach Deutschland komme, werde sehr gut versorgt und müsse ganz sicher keine Angst haben Mangel zu erleiden. Generell gelte aber, dass Heimat ein Menschenrecht sei, unterstreicht die AfD-Kandidatin. Dies überall zu gewährleisten sei eine große Aufgabe nicht nur für die deutsche Politik.

Schulzeit mit Werten

An ihre Schulzeit erinnert sich Gudrun Petzold gerne zurück: „In der Grundschule Großtreben und später in der Erweiterten Oberschule Torgau, dem heutigen Gymnasium, gaben uns die Lehrer mit Autorität und Qualität das Rüstzeug fürs Leben – insbesondere in den Naturwissenschaften.“

Neben dem Abitur absolvierte Gudrun Petzold noch die Ausbildung zur Facharbeiterin für Agrotechnik – „eine gute Grundlage, nicht nur fürs Studium“, resümiert die Diplom-Ingenieurin für Umweltschutz (FH) heute.

Natur- und Umweltschutz liegen der AfD-Politikerin deshalb nach eigenem Bekunden besonders am Herzen – „eingebettet in eine gesunde heimische Land- und Forstwirtschaft, als tragende Säule des ländlichen Raumes und verbunden mit einer ideologiefreien und wissenschaftlich fundierten Energiepolitik.“ Den Fridays-for-Future-Teilnehmern gibt sie auf den Weg: „Die Aktivitäten unserer Jugend in allen Ehren, doch besser wäre: lernen, lernen, lernen!“

Beim Lernen ihrer Zeit machte Gudrun Petzold eine entscheidende Ausnahme. Mit dem in dieser Zeit „gelehrten Sozialismus“ konnte sie nichts anfangen. „Nicht nur mein Verstand, auch meine katholisch geprägte Erziehung ließ mich großen Abstand zur sogenannten sozialischen Demokratie halten und meine Stasi-Unterlagen bestätigten mir im Nachhinein die Richtigkeit meines Verhaltens.“

Heute, so beklagt die Strellnerin, hätten sich evangelische und katholische Kirche dagegen vollkommen dem Zeitgeist unterworfen, „und Hochwürden legen die Kreuze, das Symbol der Christenheit, vor anderen Religionen ab.“ Dass den Kirchen die Mitglieder wegliefen, sei da kein Wunder.

Nie auf Wunder verlassen

Auf Wunder hat sich die Strellnerin in ihrem Berufsleben nie verlassen. Eher auf sich selbst: „In meinen Beurteilungen wurde mir Offensivgeist, Kreativität, Durchstehvermögen, Kommunikationsbereitschaft und politische Durchsetzungskraft bescheinigt.“

Mit der soliden Ausbildung im Gepäck arbeitete sie unter anderem im Umweltschutz, im Ernährungs- und Lebensmittelbereich sowie im Infektionsschutz. Zu ihren Arbeitgebern gehörte 15 Jahre lang der Kommunale Sozialverband Sachsen (KSV) aber auch das Landratsamt Eilenburg.

Dort gehörte sie zu denen, die den Nach-Wende-Start des Kreises Eilenburg anschieben wollten. Denn aus dem „aufmerksamen Schläfer“ wie Gudrun Petzold ihr Wesen bis 1989 beschreibt, war im Wende-Herbst eine politische Aktivistin geworden. Die Strellnerin führte eine Bürgerinitiative gegen die politischen Zustände in ihrem Heimatort an, um sich bald darauf im „Neuen Forum“ zu engagieren. „Dort gewann ich die Einsicht, dass man nur in einer Partei politische Ziele umsetzen und das vorherrschende diktatorische System stürzen kann.“

Mit diesem Ziel sei sie schließlich in die von Helmut Kohl geführte CDU eingetreten, „um die alten Strukturen in den kommunalen Ämtern und Institutionen und die darin herrschenden Machthaber zu beseitigen“. Das war im Februar 1990. Nur zwei Jahre später gab sie ihr Parteibuch zurück. Enttäuscht sei sie gewesen.

Zum einen, weil es sehr schnell Machtgerangel in der Partei gegeben habe. Zum anderen blieb der radikale Schnitt bei den Funktionseliten (aus SED und Blockparteien) aus, für den sie gestritten hatte. „Es standen nach der Wende genügend fähige Leute aus der zweiten Reihe bereit, um die Verantwortung zu übernehmen. Aber die alten Seilschaften waren zu stark und so zogen am Ende doch wieder die alten Typen die Fäden.“

Engagiert in der DSU

Unzufrieden mit dem Ergebnis der Entwicklungen, die sie 1989 so enthusiastische mitgetragen hatte, investierte Gudrun Petzold zunächst mehr Zeit in ihr berufliches Fortkommen. Sie ließ sich in Frankfurt/Main zur Heilpraktikerin ausbilden und führte fortan nebenberuflich eine Naturheilpraxis – dass sich Naturheilkunde und klassische Medizin ergänzen können und sollen, will sie politisch unterstützen.

Ebenso aus eigenen Erfahrungen speist sich ihr Wille, die Pflegesituation zu verbessern. „Für mich war es keine Frage, dass ich mich sieben Jahre lang um meine pflegebedürftige Mutter gekümmert habe. In dieser Zeit habe ich allerdings auch das staatliche Pflegechaos am eigenen Leib erlebt – gerade für werktätige Angehörige ist das keine schöne Erfahrung.

Ihren Blick auf die Politik machte das schärfer. „Wer einmal politisch ist, der bleibt politisch“, räumt sie ein, und so gab es im Jahr 2002 eine erste Rückkehr ins Rampenlicht der Politik. Sie schloss sich der Deutschen Sozialen Union (DSU) an. „Das war die einzige Partei ohne politische Altlasten und die Partei mit dem ersten Ruf zur Wiedervereinigung Deutschlands.“

Acht Jahre lang engagiert sie sich hier unter anderem als Kreisvorsitzende (Delitzsch-Eilenburg), sowie als stellvertretende Landes- und Bundesvorsitzende, zudem stand sie den „Frauen in der DSU“ vor. Dauerhaft konnte sich die DSU– eine Art ostdeutsche CSU – nicht im politischen Spektrum etablieren.

Gudrun Petzold nimmt an, dass die Ambitionen der Partei, bundesweit aktiv zu werden, sie am Ende hat scheitern lassen. Auch an regionalen Egoismen: „Mein wichtigstes Ziel war es, die demokratisch-konservativen Kräfte in ganz Deutschland zu vereinigen. Doch leider war die Zeit noch nicht reif.“

Selbst überrascht

Es folgte eine weitere Zeit der politschen Beobachtertätigkeit. Bis Bernd Lucke die AfD gründete. „Da habe ich gewusst: Das ist es“, erinnert sich die AfD-Politikerin die von da ab genau verfolgte, wie sich die neue Partei entwickelte. Im September 2016 trat sie schließlich ein.

Und weil Gudrun Petzold niemand für den Hintergrund ist, rückte sie zwei Monate später in den Kreisvorstand auf, gründete im Mai 2018 die nordsächsischen Arbeitsgruppen „Alternative Frauen in Verantwortung“ und „Vertriebene / Deutsche aus Russland“, leitet diese seither und wurde im November des gleichen Jahres zur stellvertretenden Kreisvorsitzenden gewählt.
Diese Gruppen stellen ein nordsächsisches Alleinstellungsmerkmal innerhalb der AfD dar.

Dass sie im Januar 2019 als Direktkandidatin für den Wahlkreis 36 aufgestellt wurde, klingt folgerichtig. Wenngleich es für alle, sie eingeschlossen eine Überraschung war. „Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, anderen das Feld zu überlassen.“

Erst am Tag der Nominierung überwanden die Lust und der Glaube daran, etwas verändern zu können die vorherige Zurückhaltung. Gudrun Petzold bekannte sich zur Bewerbung, hielt eine  Rede und wurde nominiert. Mit dem Ziel, „noch einmal in den politischen Ring zu steigen – als helfende Hand für die Wende 2.0.“

160 Zeichen

Sicherheit
Polizeistärke auf 15 000 heben. Organisierte Kriminalität als Ausweisungsgrund einführen. Opferschutz statt Täterschutz. Null Toleranz gegen ideologisch motivierte Extremisten.

Bildung
Das mehrgliedrige Schulsystem erhalten. Gemeinsames Lernen bis Klasse 8. Beendigung der Frühsexualisierung. Diplom und Magister wieder einführen. Kultus- und Wissenschaftsministerium verschmelzen.

Infrastruktur
Verlagerung des Verkehrs auf alternative Transportwege. Verbundübergreifende Bildungstickets. Besseren Vernetzung des Nahverkehrs durch Übergabe des Busverkehrs von den Kreisen auf die Zweckverbände.


Umweltschutz
Tierschutzgerechte Schlachtungen; Unterstützung der Tierheime;  Schutz und Entwicklung der biologischen Vielfalt;  Regulierung der Wolfsbestände und Ausbau des Wolfsmanagements in ein Wildtiermanagement; keine weiteren Windkraftanlagen

Soziales
Wir gehen vor gegen: exorbitante Lohnnebenkosten, ausufernde Bürokratie, politische Misswirtschaft, drohende Altersarmut, Abstiegsängste der Mittelschicht.

Wirtschaft
Mehr finanzielle Souveränität für Sachsen und keine regionale Förderung über den Umweg Brüssel, da EU-Fördertöpfe Unsummen an Verwaltungskosten verschlingen. Gewerbesteuern senken.

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