Dienstag, 22. Oktober 2019
Freitag, 9. August 2019

TORGAU

"Handwerk braucht mehr Wertschätzung"

Stefan Schieritz im Rosengarten des Schlosses Hartenfels. Torgau ist seine Geburtstadt. Foto: Nico Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Neiden. Der Neidener Stefan Schieritz tritt bei den sächsischen Landtagswahlen für die FDP an. Der Malermeister möchte sich vor allem für die ländliche Region und für den Mittelstand stark machen. 

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Neiden. Er schaut auf seinen Gips-Verband und schmunzelt. „Na klar kann der Arm mit aufs Foto. Warum soll ich ihn verstecken?“

 Stefan Schieritz steht zu seinem Missgeschick, das hätte böse enden können. Ein Sturz von der Leiter. Ausgerechnet in der Ferienzeit. Und zuhause. Ausgerechnet im Wahlkampf, wo sprichwörtlich alle Hände benötigt werden. Aber der FDP-Kandidat ist ein Stehaufmännchen im wahrsten Sinne des Wortes. Liegenbleiben komme für ihn nicht in Frage. Und so habe er keine Sekunde auch nur darüber nachgedacht, die Kandidatur abzuhaken und sich aus gesundheitlichen Gründen zurückzuziehen.

 Im Gegenteil versucht er dem privaten Fehltritt positive Seiten abzugewinnen. Eine Familientour sei wegen der heißen Phase des Wahlkampfes ohnehin nicht geplant gewesen. Frau und Kinder könnten auch daheim auf dem ländlichen Grundstück mit Pool wunderbar entspannen und sein berufliches Engagement ließe sich problemlos herunterfahren. 

Glücksgefühl 

Stefan Schieritz braucht als selbständiger Malermeister seine ganze körperliche Kraft. Mit den eigenen Händen etwas schaffen, das hat ihm schon immer gefallen. Schon als Kind, wenn er Großvater und Vater über die Schulter schauen und sich dann selber probieren durfte. Der Opa war Stellmacher, der Papa Maurer – da gab es ständig etwas zu werkeln und zu bauen. Und Stefan Schieritz spürte, dass ihm das lag. Dass sein Herz dafür brannte. 

Was für ein Glücksgefühl für den kleinen Jungen, wenn das Vogelhäuschen oder die kleine Hundehütte fertig wurden. Etwas tun, es selber machen – das sollte so ein bisschen das Lebensmotto für den gebürtigen Torgauer werden. Vielleicht auch später beim Einzug ins politische Leben. Aufgewachsen auf einem Grundstück in Elsnig, heute wohnhaft in Neiden: da schwingt zudem viel Heimatliebe mit. Die ländliche Region, da ist er verwurzelt, da ist er zuhause. 

Wohin die berufliche Reise führt, war für den jungen Stefan Schieritz lange offen. „Erst einmal einen ordentlichen Beruf erlernen“, hatten ihm die Eltern angeraten. „Ich war in den Ferien oft arbeiten, so auch beim Malermeister Seifert in Dommitzsch“, erinnert sich der heute 40-Jährige. Schlecht muss sich der Schüler nicht angestellt haben. Denn der Firmenchef bot ihm eine Lehre in seinem Betrieb an. Das war damals etwas besonderes. Ausbildungsstellen gab es kaum. „Ich war stolz, als Erster in meiner Schulklasse sagen zu können: Ich hab etwas!“

Der FDP-Landtagskandidat absolvierte seinen Realschulabschluss, begann die Lehre in Dommitzsch, besuchte die Berufsschule in Leipzig, wurde Maler und Lackierer. Nebenbei gab es auf dem Elterngrundstück in Elsnig jede Menge zu tun und jede erfolgreiche „Eigenproduktion“ machte den Jugendlichen stolz und weckte noch mehr Lust am Handwerk. Ob putzen, mauern, schrauben, reparieren – Stefan Schieritz eignete sich viele Fähigkeiten an. Fähigkeiten, die ihm Jahre später bei der Sanierung des eigenen Mehrfamilienhauses sehr zugute kommen sollten. 

Doch vorher kam ein wichtiger privater und beruflicher Einschnitt. „Die Arbeit in Dommitzsch gut und schön...aber ich hatte das Gefühl, das kann noch nicht alles gewesen sein. Ich wollte weg von „Raufaser & weiß“ und kreativer werden, mich weiter entwickeln. Kurzum: Ich suchte neue Herausforderungen“, so Stefan Schieritz. Wohnungswechsel nach Baden-Württemberg. In der Donau-Stadt Ulm begann er als Teamleiter in einem Architektenbüro, übernahm Planungssachen, leitete Baustellen, kümmerte sich um Einkäufe für den Malerbereich und verwaltete die Umsetzung. Das bedeutete mehr Büroarbeit und mehr Verantwortung. Das gefiel Stefan Schieritz. Und auch seinem Chef. 

Allerdings ließen sich die Heimatgefühle schlecht verdrängen und so kam nach drei Jahren der Entschluss: Ich mache meinen Meister, ich mache mich selbständig, ich geh zurück! „In der Firma herrschte Katzenjammer, die wollten mich ungern gehen lassen.“ Aber bereut hat der Neidener seinen  Entschluss keine Sekunde. 2004 gründete Schieritz sein eigenes Unternehmen, die Plus Maler GmbH. Parallel dazu begann er die Meisterschule, die er 2006 erfolgreich abschloss. 2007 lernte er seine Frau kennen. Sohn Maximilian (11) und Henriette (9) erblickten das Licht der Welt und komplettierten das Familienglück. Der  verfallene Bauernhof in Neiden, den der Malermeister 2008 übernahm, mauserte sich zum behaglichen Wohndomizil. „Es war wirklich viel zu machen. Ein Dreiseithof, eine Ruine.“ Doch die zweite Schicht nach Feierabend bereitete ihm Spaß. „Ich brauche die geistige Herausforderung, ich brauche positiven Stress“, lacht Schieritz. Er kennt die Probleme seiner Branche, die schwierige Situation für das Handwerk, die fehlende Wertschätzung der Politik und allgemein für den Mittelstand. „Wir werden viel zu oft allein gelassen“, spricht er die Sorgen seiner Berufskollegen an. Die Bürokratie wachse immer mehr – und damit die unproduktive Zeit. 

2014 fand Stefan Schieritz eine politische Heimat bei den Freien Demokraten in Nordsachsen. „Durch die Arbeit haben wir praktischen und theoretischen Hintergrund, können uns mit Ideen politisch einbringen. Wir haben in der FDP viele Berufstätige und Selbstständige, die Politik aus Praxis-Sicht betreiben können“, fasst der 40 Jährige zusammen. 

Er sei stolz, in den Landesvorstand gekommen und Kreisvorsitzender geworden zu sein. „Wir sind ein gutes Team in Nordsachsen.“  Das Handwerk und der Ländliche Raum liegen ihm am Herzen. „Meine Kinder sollen hier Perspektive haben. Kita, Schule, medizinische Versorgung, Sicherheit und Polizei vor Ort. Und Arbeit, mittelständische Betriebe“, nennt der FDP-Mann wichtige Schlagworte. Ehrenamtliche Arbeit sei wichtig, Vereine, Feuerwehr. 

Politik als Hobby 

Politik  soll das große Hobby von Stefan Schieritz bleiben. Seine Frau stärke ihm dabei den Rücken. Dass die freie Zeit bei einem Wahlsieg leiden könnte, stört den Handwerker nicht. Und wenn es doch mal zu viel wird mit Grundstück, Haus, Garten, den zwei Rentieren, Hühnern und Hund, dann helfe eben sein Bruder mit. „Ich brauche das. Und wenn ich etwas mache, dann ziehe ich das auch durch“, lässt er seinem potenziellen Wählerkreis beim Abschied wissen. „Achja“, fügt er mit Blick auf seinen Gips hinzu: „Das Torgauer Krankenhaus hat gute Arbeit geleistet.“


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