Samstag, 24. August 2019
Freitag, 9. August 2019

NORDSACHSEN

"Man muss auch den Mut haben, etwas einfacher zu gestalten"

Christoph Waitz.Foto: TZ/Perz

von unserer Redakteurin Elisa Perz

Nordsachsen/Markkleeberg. Christoph Waitz will für die FDP in den sächsischen Landtag einziehen und sich für den ländlichen Raum starkmachen.

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Christoph Waitz hat sich für die kommenden Monate einiges vorgenommen. Sowohl beruflich als auch privat. Zur Landtagswahl im September tritt er als FDP-Direktkandidat für den Wahlkreis 36 an. Sein Ziel: Gewählt werden und danach die Themen der hiesigen Bevölkerung aufgreifen, um den ländlichen Raum zu stärken.

„Die Bürger in Nordsachsen wollen konkrete Veränderungen. Das merke ich ganz stark. Egal, ob es um die fehlende Infrastruktur, eine besserer ÖPNV-Anbindung oder mangelnde Arbeitsplätze geht. In diesen Bereichen braucht es Ideen, die uns langfristig weiterbringen“, stellt der Freie Demokrat klar und denkt dabei unter anderem an die Gründung einer Hochschule in Sachsen, die sich der Digitalisierung in der Landwirtschaft annehmen solle. „Erfolge daraus ergeben sich nicht über Nacht. Dafür braucht es eben auch mal einen längeren Atem.“

Halbmarathon in Leipzig vor Augen

Und genau den braucht der Markkleeberger genauso für seine nächste private Herausforderung. Im Herbst möchte er sich unter die Teilnehmer des Leipziger Halbmarathons am Völkerschlachtdenkmal mischen. Nur das Training bleibe im Moment aufgrund des Wahlkampfes auf der Strecke, gibt der 59-Jährige zu. In den letzten Wochen hat er unter anderem mehrere Podiumsdiskussionen und Wahlforen besucht. Dabei ist dem Politiker vor allem eine Sache aufgefallen: „Die Aufmerksamkeit und das Interesse der Medien hat im Vergleich zu 2017 deutlich zugenommen.“

Vor zwei Jahren hatte sich Waitz bereits als Direktkandidat der Freien Demokraten für die Bundestagswahl aufstellen lassen. Den Einzug verpasste er knapp – im Gegenteil zu seiner Kandidatur im Jahr 2005. Damals hatte er es für vier Jahre in den Deutschen Bundestag geschafft, als Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion für Medien- und Kulturpolitik. Sein Bürgerbüro lag während dieser Zeit in Torgau. Und in der Großen Kreisstadt hat Waitz auch ein Erfolgserlebnis erzielt, an das er sich noch heute gern erinnert: „Vertreter des Geschlossenen Jugendwerkhofes hatten mir ihre damaligen Probleme geschildert. Daraufhin schrieb ich einen Brief an den damaligen Bundesbeauftragten für Kultur und Medien Bernd Neumann, der wiederum die Gedenkstätte kontaktierte. Daraus ging schlussendlich die Aufnahme in die institutionelle Förderung des Bundes hervor, mithilfe derer der Jugendwerkhof nach wie vor neue Projekte verwirklichen und langfristig planen kann. Das hat mich sehr gefreut.“

Politik hat schon immer eine Rolle gespielt

Begonnen hatte der politische Werdegang des Markkleebergers allerdings viele Jahre früher. Eigentlich schon in seiner Kindheit, wenn man es so will. Denn politische Themen hätten in seinem Leben immer eine Rolle gespielt, erinnert er sich. „Ich komme aus einer Familie, die – seit ich denken kann – politisch interessiert ist. Allein meine Mutter war über 30 Jahre Mitglied im Gemeinderat in dem Städtchen, in dem wir wohnten.“

Der Wohnort seiner Familie lag bis zu seinem achten Lebensjahr in Heidelberg, wo der heute 59-Jährige geboren ist. Später zog er gemeinsam mit seinen Eltern, seiner jüngeren Schwester und seinem jüngeren Bruder, nach Wiesbaden. Dort verbrachte Waitz seine Schulzeit. Nach dem Abitur hatte er seinen Wehrdienst abgeleistet, bevor er ein Jura-Studium in Saarbrücken begann. Zwei erfolgreich abgelegte Staatsexamen folgten. Im Anschluss daran arbeitete der Rechtsanwalt zwei Jahre freiberuflich in Ravensburg. Dabei sei er mit den unterschiedlichsten Betätigungsfeldern in Kontakt gekommen. „Mietrecht, Sozialrecht, Gesellschaftsrecht“, zählt der Jurist auf. Doch glücklich sei er damit nicht geworden und habe sich deshalb nach einer Alternative umgesehen. Fündig wurde Waitz in einem Sachverständigenbüro, wo er den Posten als Niederlassungsleister übernahm. Durch jenen Arbeitgeber kam er nach Erfurt und entwickelte dort den Wunsch, sich selbstständig zu machen. 1994 setzte er sein Vorhaben in die Tat um. Der Leipziger gründete in der kreisfreien Stadt sein eigenes Sachverständigenbüro, in dem er bis heute als geschäftsführender Gesellschafter wirkt. Maschinenbewertungen für unterschiedliche Auftraggeber gehören zu seinem Aufgabengebiet.

Heute steht der Geschäftsmann mit seinem Unternehmen mit beiden Beinen im Leben. Doch die vielen Nächte in den ersten Jahren nach der Gründung, in denen er wachgelegen habe, sind ihm noch gut in Erinnerung geblieben. „Den Schritt in die Selbstständigkeit sollte man sich wirklich reiflich überlegen. Der Anfang ist schwer. Ohne die Unterstützung und den finanziellen Rückhalt meiner Frau hätte ich das nicht geschafft“, weiß der verheiratete Vater von zwei Töchtern. Die älteste befindet sich gerade in den letzten Zügen ihres Masterstudiums im Bauingenieurwesen, während die jüngere vor wenigen Monaten ihr bestandenes Abitur feiern konnte – natürlich zusammen mit ihrem Vater. Seine Familie habe immer hinter ihm gestanden, weiß er. „Dabei war meine Frau definitiv nicht von allen meiner Entscheidungen begeistert.“

Interessen von Mittelstand vertreten

So verhielt es sich auch 1997, als der FDP-Kandidat in Leipzig- Markkleeberg eine neue Heimat gefunden und beschlossen hatte, den ansässigen Ortsverband der Freien Demokraten wieder aufzubauen. „Das hat funktioniert. Es gelang mir als Vorsitzender tatsächlich, dem Verband neues Leben einzuhauchen und diese Aufgabe hat mir großen Spaß bereitet. Ich konnte inhaltliche Akzente setzen, habe Bundestagsabgeordnete zur Veranstaltungen eingeladen“, blickt Waitz zurück, der schließlich auch Kreisvorsitzender für den damaligen Verband Leipziger Land und Mitglied im FDP-Landesvorstand von Sachsen wurde. Die letztere der beiden Funktionen endete genauso wie seine Zeit als Bundestagsabgeordneter 2009. Danach arbeitet er als Berater für verschiedene Mandanten. Für die Industrieinitiative ICOMP fungierte er sechs Jahre als Deutschlandsprecher und beschäftigte sich intensiv mit Monopolfragen in der digitalen Wirtschaft. Außerdem wurde er 2010 vom Sächsischen Landtag zum Medienrat der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM) gewählt, bis 2016 war der Geschäftsmann Vizepräsident der SLM.

Und jetzt? Langeweile kommt bei Waitz in jedem Fall nicht auf. Zusätzlich zu seinen Aufgaben als Geschäftsführer und den Vorbereitungen auf die Landtagswahl ist er seit zwei Jahren Vorsitzender beim Liberalen Mittelstand Sachsen. Einer Vereinigung von Unternehmern, Selbstständigen und leitenden Angestellten mit liberaler Orientierung, die sich für die Interessen von Handwerk sowie Mittelstand einsetzen. Ein großes Thema sei aktuell der Bürokratieabbau, erklärt der Verbandschef.

„Wir wollen erreichen, dass geprüft wird, ob die Normen in Sachsen, die Unternehmen finanziell sehr belasten, reduziert werden können. Man muss auch den Mut haben, etwas einfacher zu gestalten“, betont Waitz, der trotz seiner beruflichen und ehrenamtlichen Tätigkeiten immer wieder Zeit zum Abschalten findet. Diese verbringt er abgesehen von der Familie ebenfalls gerne mit seinem Hund. Als einen „sehr haarigen, großen“ Schäferhund beschreibt er den Vierbeiner, mit dem der Tierliebhaber regelmäßig ausgedehnte Spaziergänge unternimmt.

Somit bleibt Bewegung in seinem Alltag zumindest nicht ganz auf der Strecke, wo der Hobbysportler doch auch noch für den bereits angesprochenen Halbmarathon im Oktober trainieren möchte. Das Datum, den 13. Oktober, hält er immerhin fest im Blick. Gleiches gilt für die Landtagswahl am 1. September. Genügend Ehrgeiz, beide Veranstaltungen erfolgreich hinter sich zu bringen, hat er allemal.

 

 

In 160 Zeichen

Sicherheit:
Mehr Polizisten im ländlichen Raum. Mobile Wachen einrichten und die Zusammenarbeit mit den kommunalen Polizeibehörden verbessern.

Bildung:
Mehr Anreize für Lehrer und Schulleiter im ländlichen Raum schaffen. Quereinsteiger nachschulen. Die Zahl der Schulabbrecher bis 2024 mindestens halbieren.

Infrastruktur:
Der Ausbau des ÖPNV und die bessere Vernetzung der Mittelzentren in Sachsen sind unumgänglich. Ganz wichtig für mich: Lücken im Radwegenetz schließen.

Umwelt:
Waldumbau und -schutz auch in Nordsachsen fördern. Stabile wirtschaftliche Rahmenbedingungen schaffen, sodass sich Landwirte, Naturschutzvereine und -verbände stärker engagieren können.

Soziales:
Attraktive Angebote für Familien auf dem Land, zum Beispiel die Bereitstellung von Kitaplätzen. Senioren ein möglichst langes Leben in den eigenen vier Wänden ermöglichen.

Wirtschaft:
Uns für die mittelständische Wirtschaft und den Erhalt von Arbeitsplätzen starkmachen. Auch durch eine flächendeckende Glasfaserversorgung. Den Bürokratieabbau vorantreiben.


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