Mittwoch, 13. November 2019
Freitag, 16. August 2019

MOCKREHNA

"Der Staat muss deutlich Grenzen aufzeigen"

Sebastian GemkowFoto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Mockrehna/Dommitzsch. Der Leipziger Sebastian Gemkow will für die CDU im Wahlkreis 35 Nordsachsen 2 wieder in den sächsischen Landtag einziehen.

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Das ist doch mal ’ne Aufgabe, der sich Sebastian Gemkow stellt: Von dort kommend, wo es wirtschaftlich ganz gut läuft, will der CDU-Kandidat dorthin gehen, wo es weniger gut läuft. Genauer gesagt in den Wahlkreis 35 (Nordsachsen 2), der unter anderem die Kommunen Dommitzsch, Trossin und Mockrehna umfasst.

Zukunft Vernetzung

Im November des vergangenen Jahres hatte sich der heute 41-Jährige aus Leipzig bei der Nominierungsveranstaltung in Bad Düben gegen den selbstständigen Handwerksmeister Thomas Hartmann aus Zschepplin durchgesetzt. Er wolle die Zukunft gestalten und die mache nicht an Stadt- oder Kreisgrenzen halt. „Leipzig und Nordsachsen bilden einen regionalen Großraum, der noch deutlich enger miteinander verwoben werden kann“, betonte der amtierende sächsische Justizminister im Gespräch mit der Torgauer Zeitung. Die Zukunft liege ganz klar in der Vernetzung, verwies er dabei nicht nur auf die Digitalisierungsoffensive sondern beispielsweise auch auf den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs, als Reaktion darauf, dass die Speckgürtel um Zentren wie Leipzig, Dresden oder Chemnitz immer stärker ins Umland ausstrahlten. „Wir müssen es schaffen, die Vorteile von Stadt und Land zusammenzubringen“, sagt der Leipziger. Nur so könne die angespannte Wohnraumsituation in den wirtschaftlichen Zentren entspannt werden. Nur so könne der Aderlass in den ländlichen Peripherien gestoppt werden.

Dass ein solcher Prozess bereits eingesetzt habe, machen nach Ansicht Gemkows Städte wie Taucha oder Delitzsch deutlich, die im Schatten Leipzigs einen enormen Aufwind erfahren. Doch jener Aufwind müsse noch deutlich weiter reichen. „Daher freue ich mich auch über eine noch sehr, sehr frische Initiative in Trossin, bei der sich die Dorfgemeinschaft stark für die Schaffung eines kommunikativen Mittelpunkts im Ort einsetzt.

Deutlich weiter ist man da schon in der Großen Kreisstadt Torgau. Unter Federführung Gemkows wurden hier beziehungsweise in Dresden die Weichen dafür gestellt, dass die Torgauer Justizvollzugsanstalt aktuell zu einem sozialtherapeutischen Zentrum umgebaut wird. Damit werde etwas geschaffen, das die Arbeit mit Straftätern deutlich verbessern werde, ist sich der Leipziger sicher.

Abgefärbt

Erste Erfahrungen mit der Politik sammelte Gemkow bereits im Kindesalter. Sein Vater war als CDU-Mitglied zur Wendezeit politisch stark in der Messestadt engagiert. „So etwas färbt ab“, blickt der Leipziger zurück. Sein konservatives Elternhaus und die Liebe zur Heimat seien der Grund dafür gewesen, warum er sich bereits 1998 – während seines ersten Studienjahrs – der CDU anschloss und es kurze Zeit später in Leipzig zum Ortsverbandsvorsitzenden schaffte.

Premiere

Im Jahre 2009 kandidierte Gemkow schließlich zum ersten Mal für den Sächsischen Landtag. Er entschied sich bewusst  gegen eine Karriere als Jurist. „Ich wollte und will noch immer mitgestalten“, begründete er diesen Schritt. Dazu zähle vor allem das Abwägen von Argumenten, weniger das Werfen von Steinen. Am 13. November 2015 ereilte Familie Gemkow ein Buttersäure-Anschlag in den eigenen vier Wänden. „Ich habe das Gefühl, dass das Ausleben gegenläufiger politischer Ansichten in dieser Zeit immer ausgeprägter wird“, zeigt sich der Leipziger besorgt. Doch als alleiniges Merkmal der heutigen Gesellschaft will er dies nicht verstanden wissen. Zur Wendezeit habe die Familie wegen der politischen Arbeit des Vaters bereits Morddrohungen verkraften müssen. Seien die Gründe damals vermutlich wirtschaftlicher und politischer Natur gewesen, mache er heutzutage eine andere Triebfeder aus: Emotionen würden schnell hochkochen, weil die Kommunikation über soziale Netzwerke bei einzelnen möglicherweise eine gesteigerte Erwartungshaltung hervorrufe. Doch wenn Leben von Mandatsträgern, Polizisten oder beispielsweise auch Sanitätern bedroht werde, müsse der Staat deutlich Grenzen ziehen. Bereits 2018 hatte er in Bad Düben von verschärfter Strafverfolgungspraxis bis hin zu beschleunigten Verfahren gesprochen.

Bürokratische Hürden

Und noch etwas beschäftigt den Leipziger: So habe die Politik in den vergangenen Jahren möglicherweise auch im Glauben, Gutes zu bewirken, eine Vielzahl bürokratischer Hürden aufgetürmt. „Die Tendenz des Staates, über allgemeine Gesetze immer mehr konkrete Fälle regeln zu wollen, hat zu einem Ausufern des Paragrafendschungels geführt.“ Diesen zu entwirren, müsse Ziel aller sein. Nur so könne sich die Politik als Dienstleister des Bürgers definieren. Vor diesem Hintergrund spricht sich das Vorstandsmitglied des Deutsch-Russischen Forums auch für die Aufweichung der Sanktionen gegen Russland aus. Derartige Strafmaßnahmen träfen nur den kleinen Bürger beziehungsweise die Unternehmen. In den 90er Jahren sei die einmalige Chance vertan worden, die bestehende Ost-West-Konfrontation abzubauen. Obgleich beide Seiten daran ihren Anteil hätten, sei es jetzt um so wichtiger, die Beziehungen zu normalisieren.

 

Steckbrief:

• Alter: 41

• Familienstand: verheiratet

• Kinder: 3 (1, 3, 9 J.)

• Erlernter Beruf: Jurist

• Derzeit ausgeübte Tätigkeit:
Mitglied des Landtags,
amtierender sächsischer
Justizminister

• Ehrenämter: 

- Seit 2010 Präsident des
Parlamentarischen Forums
Mittel- und Osteuropa

- Seit 2016 Vorstand des Deutsch-
Russischen Forums 

- Mitglied des Kuratoriums des forum thomanum Leipzig

- Volksbund Deutsche
Kriegsgräberfürsorge 

- Nikolaitaner e.V.

- Förderunterstützung für Tierpark
Eilenburg (Tierpatenschaft)

- Kindermuseum Unikatum


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