Mittwoch, 13. November 2019
Freitag, 16. August 2019

NORDSACHSEN

"Es braucht frische und neue Leute im Landtag"

Birgit Rabe im Einsatz als Naturparkführerin.Foto: Wolfgang Sens

von unserer Redakteurin Elisa Perz

Nordsachsen/Wedelwitz. Birgit Rabe tritt bei der Wahl am 1. September für die Freien Wähler im Wahlkreis 35 an. Sie will vor allem den ländlichen Raum stärker in den Blickpunkt der Politiker rücken.

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Birgit Rabe ist keine Eintagsfliege. Keine kurzlebig präsente Person, die heute eine Richtung einschlägt und morgen wieder von der Bildfläche verschwunden ist. Das sagt sie selbst von sich und spielt damit auf ihre Kandidatur bei den Landtagswahlen am 1. September an. Diesen Schritt hat sich die Direktkandidatin des Wahlkreises 35 im Vorfeld gut überlegt.

„Es braucht frische und neue Leute im Landtag, die noch einen großen Blickwinkel haben“, davon ist die Eilenburgerin überzeugt. Und sie glaubt auch, dass die Wähler ihr in wenigen Wochen viele Stimmen geben werden: „Weil ich von hier bin und mich konstant für die Region einsetze.“

Dabei hätte sie 2014 garantiert nicht erwartet, heute an dieser Stelle zu stehen. Damals wurde sie von mehreren Parteien gefragt, ob sie die Gruppen bei der Stadtratswahl unterstützen und sich als Kandidatin aufstellen lassen möchte. Zunächst fiel ihre Antwort immer gleich aus: „Nein, ich möchte in keine Partei eintreten. Ich stehe nicht hinter den Werten, die ihr vertretet.“

Doch das änderte sich bei den Freien Wählern. „Eine Freundin hatte mich gefragt und mir nach meiner anfänglichen Ablehnung dargelegt, dass die Freien Wähler ja gar keine Partei seien. Als ich mir das Programm dann näherangeschaut hatte, konnte ich ihr nur zustimmen. Die Freien Wählersetzen sich genau für das ein, was ich mache.“

Stadt- und Ortschaftsrätin

Direkt bis in den Stadtrat kam die 55-Jährige trotzdem nicht. Stattdessen stand sie von 2014 bis 2015 als berufener Bürger zur Verfügung. Seit den Kommunalwahlen 2019 ist sie nun als Stadträtin und ebenso als Ortschaftsrätin für den Ortschaftsrat Kospa-Pressen aktiv. „Mir ist es wichtig, den ländlichen Raum wieder stärker in den Blickpunkt der Bevölkerung, vor allem der Politiker, zu rücken“, macht Birgit Rabe deutlich. Der ländliche Raum gehe ihrer Ansicht nach vor den großen Städten mehr und mehr verloren. Dabei biete die hiesige Region unendlich viel Potenzial. Gerade für junge Leute. „Für Menschen, die eine Familie gründen wollen, ist die Gemeinschaft des ländlichen Raumes unbezahlbar. Es ist ein ständiges Geben und Nehmen, der eine guckt nach dem anderen und umgekehrt.“

Sie weiß, wovon sie spricht. Die Wedelwitzerin hat fast ihr ganzes Leben in dem kleinen Dorf verbracht, das als Ortsteil zu Eilenburg gehört. Daher ist sie mit den Gepflogenheiten der dort wohnenden Menschen vertraut. Außerdem kennt sie ihre Heimat auch dank ihres Berufes wie ihre eigene Westentasche. Abgesehen von den Stunden, die sie pro Woche beim Landschaftspflegeverband West-Sachsen im Büro verbringt, ist sie seit 2007 als Führerin im Naturpark Dübener Heide tätig. Immer wieder bringt sie Personengruppen die Tiere, Pflanzen und somit auch ihre Heimat ein Stück näher. Jeder Steg, jeder Weg, jeder Baum sei ihr vertraut, versichert die Naturliebhaberin. „Ich habe mir in den vergangenen Jahren unendlich viel Wissen über die Fauna und Flora im Naturpark, aber gleichzeitig auch über die Gegend angeeignet. So wurde mir schnell bewusst, dass die Region reich an Geschichte ist, die keiner vergessen darf. Sonst geht sie irgendwann verloren.“

Um dem gegenzusteuern, hatte die 55-Jährige die Geschichte von Eilenburg und dem Naturpark aufgearbeitet, indem sie sich durch Archive und Museen forstete. Ihr Wissen bringt sie seit 2008 in die Rolle als Stadtführerin ein. Ein Job, der ihr ebenfalls viel Freude bereitet.

Gelernte Industriekauffrau

Erlernt hatte sie ursprünglich einen ganz anderen Beruf, den der Industriekauffrau. Die Lehre hatte sie 1983 in den Buna-Werken in Schkopau absolviert. Von jener Firma wurde sie anschließend auch für mehrere Wochen in ein Ferienheim an der Ostsee geschickt, um dort als Kellnerin zu arbeiten. Aus den Wochen wurden schließlich mehrere Monate. Warum? Birgit Rabe lernte dort ihren heutigen Ehemann kennen, mit dem sie seit 1984 verheiratet ist. Zusammen wollte das Paar eigentlich am Baltischen Meer bleiben. Doch als ihre erste Tochter auf dem Weg war, verschlug es beide zurück nach Eilenburg.

Drei Jahre später kam das zweite Mädchen des Ehepaares auf die Welt. Viel Zeit zu viert blieb ihnen allerdings nicht, 1988 wurde der Zweifachvater zur damaligen NVA eingezogen, zur Bereitschaftspolizei nach Leipzig. „Das war eine harte Zeit für mich. Ganz allein mit meinen Kindern und dann ständig die Angst um meinen Mann im Nacken“, erinnert sich die Eilenburgerin zurück. Glücklicherweise brachte die Wende sprichwörtlich die Wende. Im Mai 1990 wurde ihr Ehemann aus dem Wehrdienst entlassen und die gelernte Industriekauffrau fand eine Stelle als Büroangestellte. 2001 hatte sie sich in dieser Branche selbstständig gemacht, bevor 2006 der „radikale Schnitt“ erfolgte, wie die Naturparkführerin den Start der Ausbildung für ihren jetzigen Beruf selbst bezeichnet. Der sei genau das Richtige für sie, naturverbunden sei sie schon immer gewesen.

Das zeigt sich auch an ihren weiteren Qualifikationen zur Ameisenhegerin, Schulwanderführerin und Kräuterpädagogin. „Wir gehen oft achtlos an Pflanzen, Tieren oder anderen Dingen rechts und links des Weges vorbei, ohne zu wissen, wie wertvoll sie sind“, kritisiert die Pflanzenexpertin, die regelmäßig, meist mit einer Frauengruppe, in die Natur geht, verschiedene Gewächse sammelt und sie anschließend mit den Teilnehmern verarbeitet. Giersch und Spitzwegerich finden dabei unter anderem den Weg in ihre Körbe. Das zweite Kraut habe in der Form einer Tinktur schon häufig seine heilende Wirkung bei Wunden ihrer Enkeln entfaltet, sagt die Zweifachoma mit einem Lächeln im Gesicht. Zaubermittel hätten ihre Töchter den Extrakt getauft. Um deren beiden Söhne im Krippenalter kümmert sich Birgit Rabe öfters in ihrer Freizeit. Zumindest, wenn sie nicht gerade in einem ihrer Vereine beschäftigt ist.

Ehrenamtliches Engagement ist ihr wichtig

Neben ihrer Arbeit ist sie als Schatzmeisterin im Tourismus- und Gewerbeverein von Eilenburg und als Mitglied im Museum- und Geschichtsverein ihrer Heimatstadt sowie im Naturparkverein aktiv. Egal, um welchen der Zusammenschlüsse es geht, Vereinsarbeit bedeutet für sie Mitarbeit.

„Mir ist es wichtig, dass sich Menschen sozial und unentgeltlich engagieren. Das ist nicht mit einer reinen Mitgliedschaft in einem Verein getan. Ich trete in keine Gruppe ein, um am Ende lediglich die Mitgliedsbeiträge zu bezahlen. Wenn, mache ich das richtig, bringe mich ein und übernehme Aufgaben.“

Mit Erfolg. 2017 bekam sie für ihren ehrenamtlichen Einsatz von der Stadt Eilenburg den Heinzelpreis verliehen, der seit 2016 einmal jährlich vergeben wird. Noch heute blickt die Preisträgerin gerne auf die Festveranstaltung vor zwei Jahren zurück. Auch, wenn sie zugeben müsse, dass es ihr dabei gar nicht leicht gefallen sei, sich so in der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Gleiches gilt ebenfalls für den derzeitigen Wahlkampf in Vorbereitung auf die Landtagswahl. „Aber das gehört eben dazu“, stellt die Direktkandidatin fest, deren Wahlplakate bereits in mehreren Städten zu sehen sind. In den nächsten Wochen möchte sie sich außerdem bei den Ortsverbänden der Freien Wähler in ihren Wahlkreis vorstellen und dort um Unterstützung bitten. Auf diese Weise, so hofft Birgit Rabe, kann sie möglichst viele Menschen der hiesigen Region erreichen und von sich überzeugen.

 

In 160 Zeichen:

Sicherheit:
Jede Straftat, egal welcher Art, konsequent und zügig verfolgen/aufklären. Dafür wird wohnortnah mehr Polizei benötigt und ausreichend Justiz ist notwendig.

Bildung:
Muss kostenfrei für Eltern sein, für Kind ab 1 Jahr bis Abschluss 1. Lehre. Draußenschule, Klassenteiler runter, Ausfallstunden reduzieren, praxisbezogener Unterricht.  

Infrastruktur:
Einkaufsmöglichkeiten samt Bankenlandschaft auf Land mindestens erhalten, kein weiterer Abbau. Radwegenetz ausbauen für sichere Wege für Radfahrer. Fächendeckender ÖPNV.

Umweltschutz:
Das vorhandene Grün in Städten und Dörfern erhalten, nicht jeder freie Platz muss ein Bauplatz werden. Mehr Alleebäume und Strauchwerk an Straßen pflanzen.

Soziales:
Erhalt der vorhandenen Krankenhäuser, der Begegnungsstätten für Ältere und der Vereinslandschaft. Dafür finanzielle Zuschüsse für Ausstattung und Räume.

Wirtschaft:
Flächendeckende Digitalisierung. Regionale Vergabe von kommunalen Aufträgen muss ohne EU Großraumbeteiligung möglich sein.

 


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