Mittwoch, 18. September 2019
Freitag, 30. August 2019

OSTELBIEN

"Ein Haus für uns alle"

Claudia Richter: „Eine Bereicherung für unsere Gemeinde.“Foto: HL

H. Landschreiber

Claudia Richter über eine halbe Stelle mehr und die Stille Ostelbiens

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Arzberg  Im SonntagsWochenBlatt-Gespräch erklärt Claudia Richter, seit Juli 2016 Leiterin des Ostelbischen Mehrgenerationenhauses Arzberg (O-M-A) in Trägerschaft des Ostelbienvereins, was sie sich für die Einrichtung wünscht und was erhofft.

SWB: Am 1. September ist bekanntlich Wahlsonntag: Was erwarten und erhoffen Sie sich von der neuen sächsischen Landesregierung?
Claudia Richter:
Dass sich die Politiker, egal welcher Partei, dafür einsetzen, dass das O-M-A weiter Bestand hat, die bis 2020 währende Förderperiode des Bundesprogramms verlängert wird und durch eine mögliche Mehr-Finanzierung eine halbe Stelle mehr entstehen könnte. Das erhoffe und wünsche ich mir. Deutschlandweit gibt es 550 Häuser, die erhalten werden sollten.
Seit elf Jahren gibt es das O-M-A: Haben Sie eine Erklärung für diese Erfolgsgeschichte?
Das O-M-A ist ein fester Anlaufpunkt in unserer Gemeinde. Hier treffen sich die Leute unterschiedlicher Generationen, hier kommen sie miteinander ins Gespräch. Mein Vorgänger Ronald Weidner hat eine sehr gute Arbeit geleistet, quasi den Grundstein gelegt. Zudem kann ich mich auf mein Team verlassen. Unser Glück war, dass das O-M-A von Beginn an angenommen wurde. Beispielsweise fiel der beliebte Kaffeeklatsch bisher noch nie aus.
Wie werden Sie verschiedenen Generationen gerecht?
Natürlich müssen auch wir uns immer wieder neu erfinden: Die Älteren werden immer älter. Wir sind bestrebt, wieder eine Krabbelgruppe aufzubauen, des Weiteren pflegen wir mit unserer AG „Kochen und Backen“ einen guten Kontakt zur Grundschule und zur Kita. Selbstverständlich wollen wir auch für Jüngere mit Angeboten da sein.  
Wie sehr ist das O-M-A Ankerplatz in der Gemeinde?
Die Resonanz spricht Bände. Bürgermeister und Vereinschef Holger Reinboth versucht unseren Bekanntheitsgrad durch Gemeinderatssitzungen, den Neujahrsempfang, Weihnachts- und Frauentagsfeiern, die wir ausrichten, weiter zu steigern. Wir vermieten die Räume für private Feierlichkeiten, was rege genutzt wird. Ich glaube, dass unsere Einrichtung einen guten Ruf hat.
Was ist das Besondere an der Einrichtung?
Wir sind ein Treffpunkt für alle Generationen. An der Fassade steht „ … ein Haus für uns alle“.
Sind neue Gesichter bei Ihnen willkommen?
Zu jeder Zeit, ja. Wir versuchen mit speziellen Einladungen und Angeboten, neue Leute anzulocken. Bei unseren großen Feiern sind auch viele Einwohner aus den Arzberger Ortsteilen dabei.  
Sie werben mit kreativen Veranstaltungen.
Richtig. Wir sind offen für alles und geben uns große Mühe: Für jeden sollte etwas unter den 40 Angeboten sein. Dazu gehören auch Fahrten zu Ausflugszielen, wo wir schon spezielle Wünsche erfüllen konnten.  
Vor wenigen Tagen wurde die neu gestaltete Fassade von Christian Weiße übergeben. Was spiegelt sie wider?
Uns war wichtig, dass er uns in die Entwürfe mit einbezieht, sich auf den Fassadenbildern alle Generationen wiederfinden und der ländliche Raum abgebildet wird. Das ist Christian Weiße hervorragend gelungen. Entstanden ist ein echter Hingucker: Man findet uns nun leichter durch die auffällige Fassade.
Ostelbien ist nicht der hellste Stern, der am sächsischen Firmament strahlt. Warum gefällt es Ihnen dennoch hier?
Andere Regionen sind doch bedeutend schlechter dran als wir. Ich bin in Beilrode aufgewachsen, wollte nie weg von hier. Nach Feierabend genieße ich die Ruhe und Stille, die Leute sind ehrlich und bodenständig. Das gefällt mir. Und die Arzberger haben mich als Beilroderin gut aufgenommen (lacht). Ostelbien ist meine Heimat.
Was fällt Ihnen zum Thema Bürgerbus ein?
Er ist eine Bereicherung für die Gemeinde, insbesondere ältere Leute, die keine Angehörigen haben, nutzen ihn für Arzttermine oder Termine auf Ämtern und Behörden.
Das O-M-A ist also keine Einbahnstraße, nur für ältere Bürger interessant?
Nein. Es gibt Projekte mit der Kita, wo sich in der Vorschulgruppe Kinder, Eltern und Großeltern gegenseitig kennenlernen können. In zwei Arbeitsgemeinschaften – Kochen und Backen sowie Töpfern – werden den Kindern praktische und kreative Tipps vermittelt. Und dann kommen auch mal ältere Menschen, die sich ihr Smartphone erklären lassen.
Das klingt beiderseitig nach Lernen fürs Leben.
Stimmt. Bei der AG Kochen und Backen sind die Kinder mit einbezogen: Sie schnibbeln und waschen auch mal ab. Es gibt ein positives Feedback, wenn zu Hause gesunde Gerichte nachgekocht werden. Wenn es um die Verarbeitung von Fisch oder ungewöhnlichen Früchten und Gemüse geht, herrschte anfangs ein wenig Skepsis. Das gab sich spätestens bei der gemeinsamen Verkostung. Frau Gärtner hat auch schon Marmelade mit den Kindern gekocht. So sehen sie, dass es Marmelade nicht nur im Supermarkt zu kaufen gibt. Oder es wurden panierte Hähnchen-Filets gemacht. Diese kannten die Kinder als Chicken Nuggets, waren begeistert, wie toll Selbstgekochtes schmeckt. Ich denke, dass wir auch einen Bildungsauftrag verfolgen.


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